Ehemaliger Spitzenbeamter – Warum Hans Werder eine Million in die EU-Debatte investiert

Ehemaliger Spitzenbeamter Warum Hans Werder eine Million in die EU-Debatte investiert
Die Schweiz soll sich beim Vertragspaket auf die grossen Fragen fokussieren, sagt der ehemalige Uvek-Generalsekretär.
20.09.2026, 19:30
Das Vertragspaket zwischen der Schweiz und der EU ist eines der wichtigsten politischen Geschäfte in den kommenden Jahren. In die Debatte um das Vertragswerk hat sich nun eine neue Stiftung eingeschaltet: die «Schweizer Perspektiven in Europa». Gegründet wurde sie vom ehemaligen Uvek-Generalsekretär Hans Werder, der dafür einen bedeutenden Teil seines Privatvermögens eingesetzt hat.
Für den übergeordneten Blick
Hans Werder wohnt in einer ehemaligen Fabrikantenvilla in der Nähe der Berner Länggasse. Beim Empfang hält er ein durchsichtiges Mäppchen mit Dokumenten seiner Stiftung in der Hand. Im Gespräch muss der 80-Jährige aber nie auf diese Notizen zurückgreifen. Am Esstisch spricht er frei, etwa über die angelaufene Europa-Debatte.
Er sorge sich um die Europa-Diskussion, die in der Schweiz geführt werde. «Wir tun immer noch so, als ob wir vom Balkon her zusehen könnten. Wir sind ja neutral, folglich passiert uns nichts. Das stimmt schon lange nicht mehr.» Der übergeordnete Blick ist Hans Werder wichtig. In der Schweiz werde hingegen über Details gestritten.
Streit über Details in der Schweiz
Details wie die Frage der Anmeldefrist für entsandte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: «Ob die vier, sechs oder acht Tage sein soll, ob darüber gestritten wird, wie die Spesenregelung aussehen soll, oder darüber, ob der deutsche Flixbus einmal pro Woche vom Basel Badischer Bahnhof nach Zürich fahren darf.»
Hans Werder lernte bereits zu Studienzeiten an der Universität Zürich die späteren Bundesräte Moritz Leuenberger und Christoph Blocher kennen. Er schlug eine Laufbahn im Staatsdienst ein und leitete 24 Jahre lang als Generalsekretär das Uvek – auch unter Moritz Leuenberger. In dieser Zeit erlebte er auch Christoph Blocher als Bundesrat.
Wenn etwas wichtig ist, dann muss man sich engagieren.
Auch wenn Hans Werder Sozialdemokrat ist, respektiere er SVP-Doyen Christoph Blocher dafür, dass dieser auch eigenes Geld für seine Ziele aufwende. «In diesem Punkt hat Christoph Blocher sehr recht. Wenn etwas wichtig ist, dann muss man sich engagieren. Und wenn man die Möglichkeit und die Mittel dazu hat, muss man die auch ausgeben.»
Eine Million Franken aus Privatvermögen
So hat Hans Werder die Stiftung «Schweizer Perspektiven in Europa» mit einer Million Franken aus seinem Privatvermögen ins Leben gerufen. «Ich habe anständig verdient. Ich habe keine Kinder. Ich habe keine Nachkommen.» Er habe ein kleines Vermögen und könne dieses bekanntlich nicht mitnehmen, sagt der 80-Jährige.
Mit dieser Million werden Studien finanziert: Eine erste zu den Folgen des Brexits ist schon publiziert. Weitere zur Sicherheit und zum Erfolgsmodell Schweiz sollen folgen. Die Stiftung setzt sich für ein geregeltes Verhältnis zur EU ein. Aber sie äussert sich nicht zu laufenden Abstimmungen, stellt Werder klar. Dafür gebe es Parteien, Verbände und Gewerkschaften.
Zuletzt wurden eher EU-skeptische Organisationen gegründet: Kompass Europa, Autonomiesuisse und andere. Die von Hans Werder gegründete Stiftung, der auch alt Ständerätin Christine Beerli und Historiker André Holenstein angehören, will unabhängig sein und die EU-Debatte versachlichen. «Wir wären zufrieden, wenn in der öffentlichen Diskussion um das Verhältnis Schweiz–Europa auch die grossen Fragen diskutiert würden.»
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