Quallenart aus China – Die unsichtbare Qualle, die in unseren Seen lebt

Sie ist für den Menschen harmlos, mit blossem Auge kaum zu sehen und wahrscheinlich stärker verbreitet, als wir annehmen: die Süsswasserqualle Craspedacusta sowerbii.
Ursprünglich stammt diese Qualle aus China. Sie wurde erstmals 1880 in London beschrieben, und zwar in einem botanischen Gewächshaus. Seither hat sie eine erstaunliche globale Ausbreitung vollzogen und nahezu alle Kontinente erreicht.
Seit Jahren lebt sie auch in den Seen der italienischen Schweiz und Norditaliens. Im Tessin wurde sie erstmals 1962 im Fluss Ticino auf der Magadinoebene gesichtet. Ihre Anwesenheit wurde auch im Luganersee dokumentiert, wo sie sporadisch während der wärmeren Monate auftaucht.
Keine Gefahr für den Menschen
Durchsichtig und nahezu unsichtbar, misst diese Qualle im Durchmesser in der Regel ein bis zwei Zentimeter. Sie ernährt sich von winzigen Planktonorganismen mithilfe von Nesselzellen, die glücklicherweise nicht in der Lage sind, beim Menschen spürbare Wirkungen hervorzurufen. Wer ihr beim Schwimmen begegnet, hat oft Mühe, sie vom umgebenden Wasser zu unterscheiden.
Die Verbreitung von Craspedacusta sowerbii ist vor allem mit menschlichen Aktivitäten verbunden. Aquatische Zierpflanzen, Aquarien und der Transport von Fischfauna haben die Übertragung der Art von einem Gewässer zum anderen begünstigt.
Besonders effizient macht sie jedoch ihr Lebenszyklus. Die sichtbare Qualle stellt nur eine kurze Phase in der Existenz des Tieres dar. Die meiste Zeit lebt es nämlich als winziger Polyp, der am Grund oder an der Wasservegetation festgeheftet ist. Wenige Millimeter gross, kann er unbemerkt bleiben und leicht in neue Umgebungen transportiert werden.
Die Quallen erscheinen vor allem zwischen Sommer und Frühherbst, wenn die Temperaturen günstig werden und das Wasser über 25 Grad Celsius erreicht. Die «Blüten» sind jedoch unregelmässig: Im selben See können sie für wenige Wochen auftreten und sich jahrelang nicht wiederholen.
Erwärmung begünstigt Ausbreitung
Eine im Jahr 2024 veröffentlichte Studie hat mindestens 61 italienische Standorte erfasst, an denen die Art beobachtet wurde, darunter einige grosse voralpine Seen wie Gardasee, Lago Maggiore, Comer See und Luganersee. Auch im Genfersee ist ihre Präsenz nachgewiesen worden.
Die Fachleute gehen aber davon aus, dass die Qualle weiter verbreitet ist, als die direkten Beobachtungen nahelegen. Laut verschiedenen Klimamodellen könnte die Erwärmung der Gewässer das immer häufigere Auftreten der Süsswasserquallen in gemässigten Seen begünstigen.
Bisher waren die Auswirkungen der Süsswasserqualle auf die Seeökosysteme vernachlässigbar. Ob das in Zukunft auch noch so sein wird, ist schwierig vorherzusagen. Es wird eine Aufgabe für die Forschung sein, die Eingliederung dieser kleinen Qualle in die Nahrungsketten der Seen zu beobachten und zu bewerten.
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