Gantner fordert Ausländer-Abgabe – Familien sollen profitieren

- Eine vierköpfige Familie könnte künftig knapp 4000 Franken pro Jahr erhalten.
- So sieht es der Vorschlag von Alfred Gantner vor, dem Mitgründer der Partners Group.
- Das Geld soll aus einer Abgabe von Firmen stammen, die Personal im Ausland rekrutieren.
Eine vierköpfige Familie könnte künftig bis zu 4000 Franken pro Jahr erhalten. Das ist die Idee des Schweizer Milliardärs Alfred Gantner. Wie die «Schweiz am Wochenende» berichtet, will der Mitgründer der Partners Group dafür Unternehmen zur Kasse bitten, die Arbeitskräfte aus dem Ausland einstellen.
So soll die Abgabe funktionieren
Gantner will, dass Firmen für neu im Ausland rekrutierte Mitarbeitende während fünf Jahren eine zusätzliche Abgabe bezahlen. Wie hoch diese ausfällt, würde vom Lohn abhängen.
Bei einem Jahreslohn von 81’000 Franken wären es fünf Prozent. Das entspricht rund 4000 Franken jährlich oder 20’000 Franken über fünf Jahre. Bei einem Lohn von 50’000 Franken wären es dagegen 500 Franken pro Jahr. Damit sollen Unternehmen einen Anreiz erhalten, zuerst in der Schweiz nach Personal zu suchen.
Das ist Alfred Gantner
Alfred «Fredy» Gantner (58) gehört zu den reichsten und einflussreichsten Unternehmern der Schweiz. Der Aargauer gründete 1996 gemeinsam mit zwei Partnern die Partners Group, die heute weltweit Milliardenvermögen verwaltet. Laut «Forbes» wurde sein Vermögen Ende 2025 auf rund 3,2 Milliarden Dollar geschätzt.
Gantner ist verheiratet und Vater von fünf Kindern. Mit 23 Jahren trat er der Glaubensgemeinschaft der Mormonen bei und war später sechs Jahre lang als Bischof in Richterswil ZH tätig.
Politisch engagiert sich der Unternehmer mit dem Netzwerk Kompass Europa gegen eine stärkere institutionelle Anbindung der Schweiz an die EU. Für Schlagzeilen sorgte er im November 2025, als er mit einer Schweizer Wirtschaftsdelegation US-Präsident Donald Trump im Weissen Haus besuchte. Die Übergabe einer Rolex-Uhr und eines Goldbarrens an Trump löste damals eine Kontroverse aus. Die Grünen und die Juso reichten Strafanzeige ein. Gantner wies die Vorwürfe zurück und erklärte, das Staatssekretariat für Wirtschaft sei über die Geschenke informiert gewesen.
Wer bekäme die 4000 Franken?
Laut Gantners Berechnungen könnte die Abgabe jährlich rund 1,35 Milliarden Franken einbringen. Dieses Geld möchte er an die Bevölkerung verteilen. Wie er in der «Schweiz am Wochenende» weiter ausführt, könnten Menschen mit tiefen Einkommen rund 990 Franken pro Jahr erhalten. Für eine vierköpfige Familie wären das knapp 4000 Franken.
Würde das Geld an mehr Haushalte verteilt, wären es noch rund 1600 Franken pro vierköpfige Familie. Die Zahlungen seien allerdings erst ein Vorschlag.
Was hältst du von Gantners Idee, Firmen für aus dem Ausland rekrutierte Arbeitskräfte zusätzlich zahlen zu lassen?
Was würde das für die Schweiz bedeuten?
Gantner argumentiert, dass Unternehmen von ausländischen Arbeitskräften profitieren, während die Bevölkerung unter steigenden Mieten, Krankenkassenprämien und überlasteter Infrastruktur leide. Die Abgabe soll deshalb einen finanziellen Ausgleich schaffen.
Branchen mit Fachkräftemangel, etwa das Gesundheitswesen, könnten möglicherweise ausgenommen werden. Allerdings gibt es ein Problem. Eine solche Abgabe wäre mit dem bestehenden Freizügigkeitsabkommen mit der EU kaum vereinbar.
Gantner würde einen Konflikt mit Brüssel dennoch riskieren, wie aus dem Interview mit der «Schweiz am Wochenende» hervorgeht. Eine Volksinitiative plane er vorerst nicht. Er wolle mit seiner Idee zunächst eine politische Diskussion anstossen.
Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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