Neu im Kino: «Digger» – Tom Cruise jagt den Oscar: Eine «Mission Impossible»?

Tom Cruise: der letzte grosse Filmstar – sagen einige. Wer den Namen hört, denkt sofort an die unglaublich erfolgreiche «Mission: Impossible»-Reihe, in der er fast 30 Jahre lang den Agenten Ethan Hunt gespielt hat. Natürlich denkt man auch an spektakuläre Stunts, die der Hollywood-Star meist selber macht, egal ob er über Dächer springt oder aussen an einem Flugzeug hängt.
Tom Cruise kann auch anders
Als Actionschauspieler ist er eine unbestrittene Grösse. Dabei wird vergessen, dass Tom Cruise ein wirklich guter Charakterdarsteller ist, was er früher auch gezeigt hat. Beeindruckt hat er als heruntergekommener Vietnamveteran im Rollstuhl in «Born on the Fourth of July» (1989) oder als frauenfeindlicher Motivationscoach in «Magnolia» (1999).
Für beide Rollen wurde er mit dem Oscar nominiert. Insgesamt hat er vier Nominierungen und seit 2025 einen Ehren-Oscar.
Sein neuster Film «Digger» ist Arthouse, kein Actionfilm. Mit ihm geht Tom Cruise auf Oscar-Jagd als bester Schauspieler.
Dafür spricht die Wahl des Regisseurs, nämlich des Mexikaners Alejandro G. Iñárritu. Dessen Schauspieler tauchen mehrheitlich bei den Academy-Awards auf. Er verschaffte mit dem Western «The Revenant» (2015) Leonardo DiCaprio nach fünf Nominationen den ersten Oscar. Bei der Satire «Birdman» (2014) wurden Michael Keaton, Edward Norton und Emma Stone nominiert, Javier Bardem 2010 für die Hauptrolle in «Buitiful» und Naomi Watts und Benicio del Toro für «21 Grams» (2003).
Tom Cruise in alt
Manch ein Fan wird wahrscheinlich erschrocken zusammenzucken, wenn er den ewig junggebliebenen 64‑Jährigen in «Digger» sieht. Tom Cruise spielt einen alten, übergewichtigen, kahl werdenden Kerl namens Digger Rockwell. Der ist ein superreicher Unternehmer mit einer uralten Katze, die er in seinem Bett schlafen lässt, obwohl sie unkontrolliert uriniert.
Ansonsten zeigt Digger wenig Herz. Er ist ein skrupelloser Typ, der überall nach Öl bohrt. Die Umwelt und seine Angestellten sind ihm egal. Dann passiert’s. Durch eine seiner Bohrungen in Grönland bricht eine riesige Eisplatte ab und treibt auf Europa zu. Die Folgen sind klar: Tsunami, Überflutungen, viele Tote.
Zusammen mit dem US‑Präsidenten, einem Trump-ähnlichen Politiker mit Analkrebs, und dessen Priester, versucht Digger, die Situation zu retten.
«Digger» ist eine Satire, die heutige Politikmechanismen karikiert und sich für mehr Umweltschutz ausspricht. Auch wenn diese Botschaft gelegentlich zu sehr mit dem Zeigefinger präsentiert wird, ist es über weite Strecken ein ungewöhnlicher und witziger Film.
Allein die Besetzung ist den Kinobesuch wert. Neben Tom Cruise sind da Sandra Hüller als seine Schwester, Riz Ahmed als Wissenschaftler, Jesse Plemons als Unternehmer und John Goodman als Präsident. Die perfekten Sparringspartner für ein Schauspielduell auf höchstem Niveau.
Oscar? Ja oder Nein?
Und wie sieht es mit Oscar-Chancen aus? In der Kategorie «Bestes Casting» dürfte die Nomination sicher sein. Und für Tom Cruise?
Ganz sicher auch.
Wie man ihn kennt, gibt Tom Cruise alles und hängt sich voll rein. Anfangs dauerte der Verwandlungsprozess durch Make-up und Prothesen sechs Stunden. Cruise schaffte es mit den Menschen der Make-up-Abteilung, die Zeit auf eine Stunde zu reduzieren. Vielleicht wird er also zweimal nominiert: fürs «Beste Make-up» und «Bester Schauspieler». Letzteres wäre verdient.
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