Begutachtet Trump hier ein Bild eines zerstörten Kennedy Centers?

- US-Präsident Donald Trump plant offenbar den Abriss des Kennedy Centers in Washington
- Fotos zeigen ihn mit einem Dokument mit der Aufschrift «Kennedy Center Demolish» oder «Demolished»
- Hintergrund ist ein Rechtsstreit: Gerichte untersagten die von Trump verlangte Anbringung seines Namens an der Fassade des Kulturzentrums.
Plant US-Präsident Donald Trump den Abriss des renommierten Kulturzentrums Kennedy Center in Washington? Fotos der Nachrichtenagentur AFP scheinen dies zu belegen.
Auf den Bildern des Fotografen Brendan Smialowski ist Trump durch das Fenster der Präsidentenmaschine Air Force One mit einem Ausdruck einer Vorlage zu sehen, über der in roten Buchstaben zu lesen ist: «Kennedy Center Demolish» (etwa: Abriss des Kennedy Centers). Der Ausdruck scheint die Zerstörung eines Gebäudes zu zeigen und ein gelbes Baufahrzeug, das Trümmer wegschaufelt.
Wieso will Trump das Kennedy Center abreissen?
Die am Donnerstag (MESZ) veröffentlichten Fotos von Trump entstanden am Mittwoch auf dem Militärflughafen Joint Base Andrews südöstlich der Hauptstadt Washington. Die AFP-Aufnahmen und ähnliche Fotos der «New York Times» verbreiteten sich rasch in Online-Netzwerken und erzielten dort Millionen von Aufrufen. Das Weisse Haus kommentierte die Bilder vorerst nicht.
Der Präsident hatte am Dienstag die sofortige Schliessung des Kennedy Centers in der US-Hauptstadt verkündet. Hintergrund ist ein Rechtsstreit um die von Trump verlangte Anbringung seines eigenen Namens an der Fassade. Ein US-Bundesrichter hatte dies zuvor erneut verweigert.
Nach den Veröffentlichungen der Bilder hat US-Bundesrichter Auflagen für grössere Baumassnahmen angeordnet. Das Kulturzentrum müsse 30 Tage im Voraus darüber informieren, bevor es umfassende bauliche Veränderungen am Gebäude vornehme, einschliesslich eines Abrisses, teilte US-Bezirksrichter Christopher Cooper am Donnerstag mit.
Trump will seinen Namen auf dem Center sehen
Die Kultureinrichtung war 1971 zu Ehren des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy eröffnet worden. Trump warf der Leitung nach seinem erneuten Amtsantritt im Januar 2025 eine links-«woke» Haltung vor und setzte sich selbst an die Spitze eines Verwaltungsrats mit handverlesenen Mitgliedern.
Das Gremium beschloss im vergangenen Dezember die Umbenennung in «Donald J. Trump and John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts». Trumps Name wurde daraufhin in Grossbuchstaben auf der Fassade über dem Kennedys angebracht. Gerichte erklärten dies jedoch für unrechtmässig, da nur der Kongress eine Namensänderung beschliessen kann.
Wutanfall bei Vorstandssitzung
Die Schliessung des Zentrums begründete Trump mit angeblich notwendigen Renovierungsarbeiten in Millionenhöhe, zuletzt wurden Bauzäune rund um das Gebäude am Fluss Potomac aufgestellt. Die Regierung begründete dies mit Sicherheitsbedenken – sie spricht unter anderem von herabfallendem Deckenputz.
Der 80-jährige Präsident sagte, für die Renovierung müsse seine Regierung auf jeden Fall «Anerkennung» erhalten. Ansonsten werde das Zentrum für immer schliessen. «Am Ende wird es abgerissen», drohte er.
Die nun veröffentlichten Fotos von Trump dienen ebenfalls als Gerichtsunterlagen. Sie flossen in eine Klageschrift der demokratischen Kongressabgeordneten Joyce Beatty ein, die im Vorstand des Kennedy Centers sitzt und juristisch gegen die Schliessung vorgeht. Beatty sagte laut US-Medien, Trump habe bei der letzten Vorstandssitzung einen Wutanfall bekommen, als er von der Entscheidung gegen die Umbenennung erfahren habe.
Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
