Langwierige Gerichtsprozesse vermeiden: Bundesliga-Präsidium setzt bei 50+1 auf Konsens
Das Bundesliga-Präsidium strebt nach der finalen Einschätzung des Bundeskartellamtes zur 50+1-Regel eine gemeinsame Lösung mit den Ausnahmeklubs an. Dazu sollen dem Ligaverband im ersten Halbjahr 2027 finale Vorschläge zur einheitlichen Ausgestaltung und Anwendung vorgelegt werden.

Fans drängen zur Eile: Die Bundesliga will die 50+1-Regel langfristig und rechtssicher ausgestalten. IMAGO/MIS
Wie kann 50+1 im deutschen Profifußball auf langfristig stabile Füße gestellt werden? Das Präsidium des Bundesliga e.V. hat sich vergangene Woche im Rahmen einer Klausurtagung mit der Mitte August verkündeten finalen Einschätzung des Bundeskartellamtes zur 50+1-Regel befasst. Am Montag wurde das Thema zudem in einer Sitzung der 36 Erst- und Zweitligisten erörtert.
Die Kartellbehörde hatte die im deutschen Profifußball geltende Regelung, dass Vereine immer die Stimmenmehrheit im Vergleich zu Investoren haben sollen, für zulässig erklärt, jedoch unter der Voraussetzung, "dass sie konsequent und ohne Unterschiede - sofern es für diese keinen sachlichen Grund gibt - angewendet wird". Aktuell gelten Bayer 04 Leverkusen und der VfL Wolfsburg als Ausnahmen sowie RB Leipzig und Hannover 96 als Sonderfälle.
Um Konflikte mit jenen Klubs zu vermeiden, möchte das Bundesliga-Präsidium behutsam vorgehen. Dazu sollen dem Ligaverband im ersten Halbjahr 2027 finale Vorschläge zur einheitlichen Ausgestaltung und Anwendung vorgelegt werden. "Verkürzte und vorschnelle Beschlüsse auf Liga-Ebene könnten der Rechtssicherheit der Regel dagegen erheblich schaden, statt diese zu stärken", teilte die Liga am Dienstag mit.
Ein Grundprinzip des Profifußballs
Das Präsidium stellte sich in der Stellungnahme hinter die Regel. Bei der nächsten Mitgliederversammlung im Dezember soll allerdings eine "Bestätigung" der Vereine von "50+1 als ein zentrales Grundprinzip des deutschen Profifußballs" eingeholt werden, "um angesichts der strategischen und sportpolitischen Bedeutung die grundsätzliche Ausrichtung durch die Breite der Klubs zu legitimieren", hieß es.
Sich in den kommenden Jahren wiederholt in Gerichtssälen mit 50+1 auseinandersetzen zu müssen, solle unter allen Umständen verhindert werden. Stattdessen unterstreicht das Liga-Präsidium: "Der weitere innerverbandliche Umgang mit 50+1 wird die Bundesligen und die Zusammenarbeit im Ligaverband über Jahre prägen. Eine breit getragene Lösung bietet im Sinne aller Beteiligten die größten Chancen, langwierige gerichtliche Auseinandersetzungen innerhalb des Ligaverbands zu vermeiden und damit die Rechtssicherheit der Regel tatsächlich nachhaltig zu stärken."
Etwas mehr Tempo in dieser Angelegenheit wünschen sich die Fans. Zumindest hatte das Bündnis "Unsere Kurve" nach der Kartellamtsentscheidung eine zügige Lösung im Sinne der "regelkonformen Standorte" gefordert.
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