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Monday, October 12, 2026

Schweiz stimmt erneut über Heiratsstrafe ab – das musst du wissen

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  • Im November entscheidet das Stimmvolk über die «Fairness-Initiative» der Mitte.
  • Die Initiative will die Heiratsstrafe für Ehepaare bei der direkten Bundessteuer beseitigen – sie sollen nach wie vor eine gemeinsame Steuererklärung einreichen.
  • Im März sagte das Stimmvolk bereits Ja zur Individualbesteuerung – die «Fairness-Initiative» wäre ein alternatives Steuermodell.
  • Die Befürworter argumentieren, dass ihre Lösung unterschiedliche Lebens- und Arbeitsmodelle respektiere.
  • Die Gegner wollen hingegen an der beschlossenen Individualbesteuerung festhalten.

Am 29. November 2026 stimmt die Schweizer Stimmbevölkerung über vier Vorlagen ab. Eine davon ist die Volksinitiative «Ja zu fairen Bundessteuern auch für Ehepaare – Diskriminierung der Ehe endlich abschaffen!», Kurz: «Fairness-Initiative». 20 Minuten gibt dir die Übersicht.

Das will die Initiative

Heute werden Ehepaare gemeinsam besteuert, ihre Einkommen werden zusammengerechnet. Je nach Einkommensverteilung können sie dadurch mehr oder weniger Steuern bezahlen als unverheiratete Paare in vergleichbaren Verhältnissen. Eine Mehrbelastung wird als «Heiratsstrafe» bezeichnet.

Die Volksinitiative will diese Benachteiligung abschaffen. Dafür soll in der Bundesverfassung festgehalten werden, dass Ehepaare weiterhin gemeinsam besteuert und gegenüber anderen Steuerpflichtigen nicht benachteiligt werden dürfen. Die Initiative betrifft nur die direkte Bundessteuer.

Heiraten hat in der Schweiz steuerliche Folgen. Mit der «Fairness-Initiative» soll die Mehrbelastung für Ehepaare bei der direkten Bundessteuer wegfallen.

Heiraten hat in der Schweiz steuerliche Folgen. Mit der «Fairness-Initiative» soll die Mehrbelastung für Ehepaare bei der direkten Bundessteuer wegfallen.20min/Michael Scherrer

Wie das genau umgesetzt werden soll, schreibt die Initiative nicht vor. Bei einem Ja müsste das Parlament eine Lösung ausarbeiten. Kommt innerhalb von drei Jahren keine zustande, müsste der Bundesrat eine alternative Steuerberechnung einführen. Vereinfacht gesagt würde das Steueramt dann bei Ehepaaren zwei unterschiedliche Steuerberechnungen durchführen – verrechnet würde nur der tiefere Betrag.

So argumentieren die Befürworter

Die Initiative stammt von der Mitte und wird unter anderem von EVP, SVP und EDU sowie dem Schweizer Bauernverband unterstützt. Das Ja-Lager kritisiert die bereits beschlossene Individualbesteuerung. Ehepartner müssten damit künftig zwei statt einer Steuererklärung ausfüllen – die Befürworter sprechen von einem «Bürokratiemonster».

Zudem könnten Ehepaare mit ungleichen Einkommen – beispielsweise Familien, bei denen ein Elternteil Teilzeit arbeitet oder sich um die Kinder kümmert – mit der Individualbesteuerung stärker belastet werden. Die Mitte-Initiative hingegen respektiere solche unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsmodelle sowie unbezahlte Care-Arbeit, die nicht steuerlich benachteiligt werden dürfe.

Das hält das Nein-Lager dagegen

Bundesrat und Parlament empfehlen ein Nein – die FDP, SP, GLP und die Grünen sowie Wirtschaftsverbände stellen sich ebenfalls gegen die Initiative. Sie wollen an der bereits beschlossenen Individualbesteuerung festhalten.

Dabei wird jede Person unabhängig vom Zivilstand einzeln besteuert. Beim Mitte-Modell könnten Unverheiratete hingegen je nach Umsetzung weiterhin steuerlich schlechter gestellt sein, kritisieren die Gegner.

Ein weiterer Streitpunkt sind die Kosten: Die finanziellen Folgen variieren je nach Umsetzung. Die alternative Steuerberechnung, welche die Mitte vorschlägt, falls nach drei Jahren keine Lösung gefunden ist, würde zu  Steuerausfällen von schätzungsweise 700 Millionen bis 1,4 Milliarden Franken pro Jahr führen. Allerdings verursacht auch die Individualbesteuerung Mindereinnahmen – der Bund schätzt diese auf 630 Millionen Franken pro Jahr.

Aber die Individualbesteuerung wurde doch schon angenommen?

Ja. Im März 2026 nahm das Stimmvolk die Individualbesteuerung an. Ein Ja zur Mitte-Initiative würde einen Widerspruch schaffen, denn: Das Gesetz zur Individualbesteuerung bleibt auch nach Annahme der Mitte-Initiative gültig.

Das Parlament müsste diesen Widerspruch bis zur geplanten Einführung der Individualbesteuerung 2032 lösen. Es käme wohl nicht drum herum, das vom Stimmvolk angenommene Gesetz so anzupassen, dass die Individualbesteuerung auf Kantons- und Gemeindeebene wieder entfällt.

Tut es das nicht, müssten die Kantone trotzdem separate Steuererklärungen für Ehepaare einführen. Ehepaare müssten dann bei der direkten Bundessteuer eine gemeinsame Steuererklärung, auf Gemeinde- und Kantonsebene aber eine separate einreichen.

Warum stimmen wir erst jetzt über das Modell der Mitte ab?

Weil die beiden Modelle nicht gleichzeitig vors Volk kamen. Im März konnte die Bevölkerung nur über die Individualbesteuerung entscheiden. Die Individualbesteuerung und die «Fairness-Initiative» der Mitte wurden im Parlament unabhängig voneinander und nicht gleichzeitig behandelt. Nach dem Ja zur Individualbesteuerung verzichtete die Mitte darauf, ihre Initiative zurückzuziehen, und will diese dem Volk als Alternative vorschlagen.

Christina Pirskanen

Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.

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