Esther Friedli verzichtet – Der Rückzug eröffnet neue Möglichkeiten

Nun hat sich also die erste Favoritin aus dem Rennen genommen. Esther Friedli will – zumindest jetzt – nicht Bundesrätin werden. Gegenüber SRF betonte sie, sie wolle sehr gerne Ständerätin für den Kanton St. Gallen bleiben, weil sie dort viel bewegen könne. Ausserdem wolle sie auch ihren Gastronomiebetrieb weiterführen.
Das Profil würde passen
Dabei hätte Vieles gepasst. Friedli ist stramm auf Parteilinie, dossierfest, zugleich aber sehr umgänglich, und ihr «Gmögigkeitsfaktor» ist hoch. Und sie hätte mit 49 Jahren die jüngste Bundesrätin im aktuellen Siebnergremium werden können. Damit hätte sie das erfüllt, was der abtretende Guy Parmelin jüngst in einem Interview gefordert hatte – eine jüngere Person. Das aktuelle Durchschnittsalter in der Landesregierung ist rund 63.
Esther Friedli ist zudem bestens vernetzt und abgestützt, nicht nur in der eigenen Partei – hervorzuheben ist da ihre Nähe zu den Bäuerinnen und Bauern und dem mächtigen Bauernpräsidenten Markus Ritter. Und da wäre im Hintergrund auch noch ihr Ehemann: Toni Brunner, ehemaliger SVP-Präsident und Blocher-Intimus.
Die St. Gallerin verbaut sich mit der jetzigen Absage nichts, denn bei einer erneuten SVP-Vakanz könnte sie wieder ein Thema werden. Bis dann würden sich wohl auch die Diskussionen um eine mögliche Doppelvertretung des Kantons St. Gallen erledigt haben, weil Karin Keller-Sutter dann wahrscheinlich auch nicht mehr im Amt wäre.
Neue Chancen für andere
Im Fokus stehen nun vor allem die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz und die Zürcher Regierungsrätin und ehemalige Nationalrätin Nathalie Rickli. Beide haben noch nicht bekanntgegeben, ob sie kandidieren werden oder nicht. Doch Esther Friedlis Rückzug öffnet nun auch das Feld für weitere potenzielle Kandidierende: Wie heute Quellen SRF bestätigen, haben sich bis jetzt auch Personen mit einer Kandidatur zurückgehalten, weil sie sich gegen Friedli geringe Chancen ausgerechnet haben.
Der Rückzug von Esther Friedli könnte einiges in Bewegung bringen. Allfällige Kandidierende können sich bis am 23. Oktober bei ihren Kantonalparteien melden – die Wahl des neuen Bundesrates oder der neuen Bundesrätin ist dann wahrscheinlich am 9. Dezember.
Sabine Gorgé
Bundeshausredaktorin
Sabine Gorgé ist Bundeshausredaktorin des Schweizer Fernsehens. Zuvor arbeitete sie unter anderem als Inlandredaktorin bei Radio SRF. Sie hat an der Universität Bern Geschichte, Politik und Medienwissenschaft studiert.
SRF 4 News, 09.10.2025, 23:00 Uhr ; Eine Analyse von Sabine Gorgé
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