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Sunday, October 11, 2026

Irritierende Aussagen eines Imams

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In einem Interview erzählt Kerem Adigüzel von seiner religiösen Vermählung. Und gibt an, standesamtlich nie geheiratet zu haben. So gilt die Ehe aber nicht.

Publiziert: vor 12 Minuten

  • Imam Kerem Adigüzel nannte seine Zeremonie Trauung
  • Standesamtlich ist er unverheiratet; die Ehe gilt nicht
  • Fachstelle Zwangsheiraten sieht Aussagen des Imams als problematisches Signal
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Andreas SchmidInlandredaktor

Er gilt als moderner Muslim, der mit starren Traditionen bricht, Frauen in Moscheen vorbeten lassen will und sich für einen aufklärerischen Islam einsetzt: Kerem Adigüzel (39) hat Mathematik studiert, ist Software-Entwickler und Offizier im Militär.

Nun sorgt der aus einer türkischen Familie stammende Imam aus Olten SO aber mit Aussagen in einem Interview für Unmut. Im «Magazin» der Tamedia-Zeitungen erzählt Adigüzel, wie er sich mit seiner 41-jährigen Partnerin religiös vermählt habe. «Unsere islamische Trauung war ein zutiefst privater Moment.» Es habe keine rechtlichen Zwänge, nur die Absichtserklärung vor Gott gegeben. «Offiziell, also standesamtlich, sind wir bis heute nicht verheiratet», sagte Adigüzel.

Primat der Ziviltrauung ignoriert

Diese Schilderungen lassen aufhorchen, gilt doch in der Schweiz das Primat der Ziviltrauung. Das heisst, religiöse Ehen dürfen laut Gesetz nur nach einer Heirat auf dem Standesamt geschlossen werden. Damit ist jene von Adigüzel also rechtlich nicht gültig.

Darauf angesprochen, sagt der Imam, er befolge die Gesetze und sei sich bewusst, dass eine zivile Heirat vorausgesetzt werde. Er biete selbst Trauungen an und halte sich an das Primat der Zivilheirat. Bei seiner Zeremonie sei niemand anwesend gewesen, der die Trauung vorgenommen habe. Dadurch habe er nicht religiös geheiratet. Es sei eine Feier ohne Trauung gewesen. «Die spirituelle Verbindung geht für uns tiefer.»

Dass er im Interview mit dem «Magazin» dennoch von einer «Trauung» gesprochen habe, erklärt Adigüzel damit, dass es so besser zu verstehen sei.

«Verheerendes Signal»

Für Anu Sivaganesan (38), die Präsidentin der Fachstelle Zwangsheirat, senden die Aussagen Adigüzels ein «verheerendes Signal» aus. Gerade religiöse Würdenträger sollten laut Sivaganesan die Gesetze und gesellschaftlichen Entwicklungen weiterkommunizieren. «Wenn ein in der Schweiz lebender, noch dazu liberaler Imam solche religiösen Zeremonien propagiert, läuft dies entgegen den Bestrebungen, für das Thema zu sensibilisieren.» Denn religiöse Eheschliessungen seien oft mit Zwangsheiraten verbunden, sagt Sivaganesan. Religiöse Trauungen würden von den Betroffenen meist als sehr verbindlich angesehen, in Unkenntnis des Primats der Ziviltrauung. Seit über zehn Jahren stelle sie in der Schweiz viele religiöse Voraustrauungen fest, darunter Minderjährigen-Heiraten unter Zwang.

Imam Adigüzel sagt dazu, er setze sich dafür ein, dass keine Zwangsehen vollzogen würden. Die Zeremonie, die er mit seiner Partnerin beschrieben habe, sende ein ganz anderes Zeichen aus, als nun interpretiert werde. Adigüzels Deutung: «Die spirituelle Verbindung geht für uns tiefer als jede religiöse Trauung oder zivilrechtliche Zeremonie.»

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