Bayern-Stürmer Harry Kane gewinnt den Ballon d'Or
Als Karl-Heinz Rummenigge 1981 den Ballon d'Or gewann, ahnte niemand, dass ein Spieler des FC Bayern mehr als vier Jahrzehnte auf diese Auszeichnung warten würde. Bis 2026 war Rummenigge der letzte Münchener Ballon d'Or-Sieger. Bundesligaweit lag der letzte Triumph sogar noch länger zurück: Matthias Sammer gewann die Auszeichnung 1996 als Spieler von Borussia Dortmund.
Nun konnte Harry Kane diese Durststrecke beenden. Als er den glänzenden goldenen Ball entgegennahm, schien er das für einen Moment kaum fassen zu können. "Wow", entfuhr es dem 33 Jahre alten Starfußballer vom FC Bayern, der in seiner Heimatstadt London erstmals mit dem prestigeträchtigen Ballon d'Or ausgezeichnet wurde. "Ich bin fast sprachlos", sagte Kane. "Ich kann mir vorstellen, dass es wirklich schwierig war in diesem Jahr, hier sind viele herausragende Spieler."

Der Kapitän der englischen Nationalmannschaft setzte sich bei der Journalistenwahl unter anderem gegen WM-Torschützenkönig Kylian Mbappe, den spanischen Weltmeister Lamine Yamal sowie seine Münchener Teamkollegen Luis Díaz, Michael Olise und Dayot Upamecano durch. Er nahm zudem die Auszeichnung für den besten Stürmer mit nach Hause.
Harry Kane - Mehr als ein Torjäger
Für Kane sprachen starke Zahlen: 73 Tore für Verein und Nationalmannschaft in der vergangenen Saison sowie 156 Treffer in 158 Pflichtspielen seit seinem Wechsel zum FC Bayern.
Doch Bayern-Trainer Vincent Kompany sieht in Kane weit mehr als nur einen Vollstrecker.
"In England haben viele ihn während seiner Zeit dort vor allem als Torjäger gesehen. Wir haben darüber hinaus noch andere Qualitäten erlebt, etwa seine außergewöhnliche Spielintelligenz. Das können wir hier richtig wertschätzen. In England wurde das vielleicht etwas unterschätzt. Er ist wie guter Wein, der mit dem Alter immer besser wird. Genau dieser Aspekt seines Spiels gefällt mir besonders."
Wer Kane regelmäßig verfolgt, kennt diese Qualitäten. Der Engländer lässt sich häufig ins Mittelfeld fallen, gestaltet Angriffe mit und setzt Mitspieler in Szene. Beim 2:2 gegen Arsenal in der Champions League erzielte er nicht nur einen Treffer, sondern bereitete auch das Tor von Alphonso Davies vor.
"Der Pass war einer meiner besten. Ich wusste, dass Phonzy mit seiner Schnelligkeit dort hinkommen würde. Alles, was ich tun kann, um der Mannschaft zu helfen, werde ich tun. Im Moment scheint das eher mit Vorlagen als mit Toren zu gelingen."
Mit 33 Jahren auf dem Höhepunkt
Während viele Angreifer jenseits der 30 nachlassen, gehört Kane weiterhin zu den prägenden Stürmern Europas. Seine Spielweise lebt weniger von Tempo als von Technik, Übersicht und Spielverständnis.
"Er hat immer die richtige Einstellung, geht stets voran und gibt die Richtung vor. Er verlässt seinen Weg nie, hilft der Mannschaft mit seinen Leistungen und gehört zur absoluten Weltklasse", sagte Bayern-Profi Serge Gnabry.
Diese Mentalität begleitet Kane seit seinen Anfängen. Sein erster Trainer Dave Bricknell beschrieb sie so:
"Harrys Mentalität ist seine größte Stärke. Nichts bringt ihn aus der Ruhe. Wenn er eine Chance vergibt, beschäftigt ihn das nicht. Dann nutzt er eben die nächste."

Auch Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel hebt diese Eigenschaft hervor:
"Er ist immer der Erste, der alle anderen antreibt. Das entspricht seiner Mentalität. Neben seinen Qualitäten im Abschluss hat er sich zu einem unglaublich fleißigen Stürmer entwickelt. Er bringt einfach alles mit."
Kanes Bedeutung für die Bundesliga
Trotz gelegentlicher Kritik an der Aussagekraft seiner Torquoten sprechen Kanes Leistungen für sich. Schon in England erzielte er 213 Tore in 320 Spielen der Premier League und zählt damit zu den erfolgreichsten Stürmern der Ligageschichte.
Der Ballon-d'Or-Gewinn von Harry Kane ist für die Fußball-Bundesliga ein Schub im Hinblick auf die internationale Aufmerksamkeit. Seit Matthias Sammer vor genau dreißig Jahren die prestigeträchtige Auszeichnung gewann, gelang das keinem Spieler aus Deutschlands höchster Spielklasse mehr. Und auch in seinem Verein hat er für großen Jubel gesorgt. "Das ist ein stolzer Tag für den FC Bayern", sagte Präsident Herbert Hainer. Kane stehe "nun in einer Reihe mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Karl-Heinz Rummenigge". Sportvorstand Max Eberl jubelte: "Der FC Bayern ist eine Bühne für Weltklasse."
Dabei verlief Kanes Karriere keineswegs geradlinig. Nach seinem ersten Profivertrag bei Tottenham Hotspur wurde er mehrfach verliehen und schaffte den Durchbruch erst später.

"Man muss Widerstandskraft entwickeln. Wenn man verliehen wird, ist das nicht einfach. Man kann schnell das Gefühl bekommen, vom eigenen Verein aussortiert zu werden, auch wenn das gar nicht der Fall ist", sagte sein früherer Mitspieler Jermain Defoe.
Über Kanes Potenzial habe jedoch nie ein Zweifel bestanden:
"Als er zur ersten Mannschaft von Tottenham stieß, konnte man sein Potenzial sofort erkennen. Er war immer ein hervorragender Vollstrecker und traf den Ball unglaublich sauber. Bei Harry wusste man schon damals, dass er diesen natürlichen Torinstinkt besitzt und sich vor dem Tor immer wohlfühlt."
Während Kane jedoch in England Titel verwehrt geblieben waren, konnte er in Deutschland einige Trophäen gewinnen: zweimal Deutscher Meister, zweimal Deutscher Supercup-Gewinner und einmal DFB-Pokal-Sieger mit dem FC Bayern. Das große Ziel bleibt der ersehnte Triumph mit der Nationalmannschaft. Der Ballon d'Or ist dennoch die Krönung einer Karriere, die vom Leihspieler zu einem der komplettesten Stürmer seiner Generation führte.
Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "Harry Kane set to break Bayern and Bundesliga's Ballon d'Or drought" adaptiert und nach dem Gewinn des Ballon d'Or aktualisiert.
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