Geschichten aus dem Eis – So arbeitet ein Gletscherarchäologe in den Urner Alpen

«Gletscher sind Schatzkammern». Das sagt Marcel Cornelissen. Er arbeitet als freiberuflicher Archäologe. Als solcher ist er häufig in den Bergen unterwegs – und hebt wichtige Fundstücke.
Wobei «heben» eigentlich das falsche Wort ist. Die Fundstücke liegen im Gletscher meistens oben auf dem Eis. Und vieles kommt in letzter Zeit quasi automatisch zum Vorschein, da die Gletscher immer mehr schmelzen.
Weniger graben müssen: Das sei der Hauptunterschied, verglichen mit der Arbeit eines Archäologen in einer Stadt oder im Flachland. «Es ist aber nicht so, dass wir auf einem Campingstuhl warten, bis das Eis etwas freigegeben hat», lacht Cornelissen.
Die archäologische Arbeit in den Alpen
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Bild 1 von 3. Die Funde werden genau dokumentiert, stabilisiert und für den Transport vorbereitet. Diese Arbeiten fanden im Urner Voralptal statt. Bildquelle: Marlen Staub/Abteilung Denkmalpflege und Archäologie Uri.
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Bild 2 von 3. Archäologinnen und Archäologen bei Feldarbeiten am Brunnifirn im Kanton Uri. Bildquelle: Valentin Luthiger/Urner Institut Kulturen der Alpen.
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Bild 3 von 3. Funde, die während der Arbeiten auf dem Brunnifirn gemacht wurden, sind Teil der Ausstellung «Schatzkammer Eis» im Gletschergarten Luzern. Bildquelle: Valentin Luthiger/Urner Institut Kulturen der Alpen.
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Er wird häufig aufgeboten, wenn eine Meldung eingeht, dass eine Berggängerin oder ein Berggänger etwas auf einem Gletscher entdeckt hat. Dann geht er mit einem Team vor Ort. Die Funde werden dokumentiert, stabilisiert und für den Transport vorbereitet. Datiert werden die Gegenstände nämlich in einem Labor.
Funde erzählen viele Geschichten
Ein uralter Kuhschädel, eine kleine römische Statue, ein Rosenkranz oder ein Pfeilbogen: Die unterschiedlichsten Gegenstände haben die Gletscher bereits freigegeben. Im Gletschergarten in Luzern ist aktuell eine Ausstellung zu sehen, an welcher auch Marcel Cornelissen mitgewirkt hat.
Gletscher erzählen über Menschen, Klima und Umwelt
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Bild 1 von 3. Wem gehörte diese Ausrüstung, die ein Gletscher nach mehreren hundert Jahren freigegeben hat? Bildquelle: SRF/Sämi Studer.
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Bild 2 von 3. Marcel Cornelissen erklärt in der Ausstellung im Luzerner Gletschergarten von seiner Arbeit. Bildquelle: SRF/Sämi Studer.
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Bild 3 von 3. Teile eines Bogens, der auf dem Lötschenpass gefunden wurde. Bildquelle: SRF/Sämi Studer.
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Im Rahmen des Projekts «Bergeis» am Urner Institut Kulturen der Alpen untersucht er insbesondere den Abbau und die Nutzung von Bergkristall während der Mittelsteinzeit.
Die Ausstellung im Gletschergarten Luzern
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Die Ausstellung mit dem Titel «Schatzkammer Eis» führt erstmals die beiden Forschungsgebiete Gletscherarchäologie und Eiskernforschung in einer Ausstellung zusammen.
Zu sehen sind einerseits Fundstücke aus archäologischen Feldarbeiten auf dem Gletscher. Andererseits wird die Eiskernforschung vorgestellt. Diese rekonstruiert anhand von Eisproben Klima- und Umweltveränderungen.
Die Ausstellung ist bis am 22. August 2027 zu sehen.
Ihn faszinierten vor allem die Geschichten, von denen die Funde erzählen. «Wie könnten die Leute vor 8000 Jahren gelebt haben? Antworten auf diese Fragen zu finden, finde ich sehr spannend», so Cornelissen.
Wichtiges Archiv schmilzt langsam aber sicher weg
Er erzählt von einem Fund auf dem Lötschenpass, auf der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Wallis. Dort kamen ein Bogen und Pfeilspitzen aus der Bronzezeit zum Vorschein.
Es stellten sich sofort verschiedene Fragen: Wofür haben die Leute diese Waffe genau benutzt? Gingen sie auf die Jagd? Schützten sie ihre Weidetiere? Gab es Auseinandersetzungen mit anderen Menschen?
Da geht viel archäologisches Wissen verloren.
Das Gletschereis sei ein einzigartiges Archiv der Vergangenheit. Dass dieses Archiv immer mehr wegschmilzt, gebe ihm zu denken.
In 20 Jahren wird es zwar vielleicht viele neue, wissenschaftliche Methoden geben, um das Eis und die Gegenstände darin zu analysieren. Nur: Bis dahin wird es viel weniger Gletschereis geben. «Da geht viel archäologisches Wissen verloren», so Marcel Cornelissen.
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Regionaljournal Zentralschweiz, 23.09.2026, 12:03 Uhr ; oecc;vonb;noes
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