Vermieter-Bund hält von "möblierter Vermietung gar nichts"
Der Mietreport 2026 schlägt Alarm: Steigende Wohnkosten setzen viele Mieter unter Druck. Ein Viertel spart nach eigenen Angaben sogar bei Lebensmitteln, um die Miete bezahlen zu können.
01.09.2026 | 1:28 minEine bezahlbare Mietwohnung zu finden, wird vor allem in Ballungsräumen immer schwieriger. Der Gesetzentwurf für einen besseren Mieterschutz wurde bereits im Juli im Bundestag debattiert. Er wird sich voraussichtlich im Herbst weiter mit dem Gesetz befassen. Es soll 2027 in Kraft treten.
Im Fokus der vorgeschlagenen Gesetzesänderung stehen vor allem das Konzept des möblierten Wohnens, das Kurzzeitmieten und die sogenannte Indexmiete. Letztere beschreibt einen Mietvertrag, bei dem sich die Miete an der Entwicklung des Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes orientiert. Steigt die Inflation, kann die Miete erhöht werden.
Bezahlbarer Wohnraum wird in Deutschland immer knapper, vor allem in den Großstädten. In München verzweifeln selbst Besserverdiener und vor allem Familien.
13.03.2026 | 4:45 minDie Bundesjustizministerin möchte die Indexmiete eingrenzen: Künftig sollen jährliche Indexsteigerungen, die drei Prozent übersteigen, nur noch zur Hälfte mieterhöhend berücksichtigt werden. Mietsteigerungen sollen damit begrenzt werden.
ZDFheute: Herr Flomm, welcher Vorschlag ist aus Ihrer Sicht der schlimmste für Haus- und Grundeigentümer?
Torsten Flomm: Die Indexmiete finde ich persönlich am schlimmsten. Denn wenn der Index steigt und man dann die Mietsteigerung ab dieser Drei-Prozent-Grenze nicht mehr an den Index koppelt, sondern davon loslöst, durchbrechen wir einfach das Prinzip der Wertsicherung. Das finde ich nicht in Ordnung
Bei einer Indexmiete ist die Höhe der Kaltmiete an die Inflation gekoppelt. Entscheidend ist dabei der sogenannte Verbraucherpreis-Index (VPI). Dieser wird monatlich vom Statistischen Bundesamt ermittelt.
Bislang darf der Vermieter die Miete alle zwölf Monate nach diesem Index anpassen. Lag die Inflation zum Beispiel bei zehn Prozent, durfte auch die Kaltmiete um zehn Prozent steigen. Das gilt aber auch umgekehrt: Verzeichnet der VPI eine Deflation, muss die Kaltmiete um diesen Wert sinken.
Laut eines aktuellen Berichts des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) lag der Anteil der Indexmieten in den sieben bevölkerungsreichsten Städten in Deutschland im vergangenen Jahr bei 5,5 Prozent. Gleichzeitig werden Indexmieten bei neuen Verträgen immer beliebter. 27,5 Prozent der Mieter einer Immobilie, die nicht älter als sechs Jahre ist, haben laut dem IW einen Indexmietvertrag.
ZDFheute: Warum steigt der Anteil der Indexmieten in Deutschland, vor allem in den Ballungszentren?
Flomm: In den Ballungszentren haben wir das Problem, dass wir auf der einen Seite Mietenspiegel haben, die unserer Auffassung nach längst nicht das wiedergeben, was tatsächlich die Mietentwicklung ist.
Mit der Indexmiete kann man dann eben einfach in Anknüpfung an die Lebenshaltungskosten mehr Mietsteigerungen durchsetzen, als man es nach dem Mietenspiegel könnte. Und das ist etwas, was natürlich viele Vermieter, gerade in den Großstädten, gerne in Anspruch nehmen.
Vor 5 Jahren stimmte Berlin für die Enteignung großer Wohnungskonzerne, jetzt will die Bundesregierung solche Pläne verbieten. Berliner kämpfen derweil mit steigenden Mieten und fehlenden Alternativen.
09.07.2026 | 2:38 minZDFheute: Die Mietrechtsreform soll auch das möblierte Mieten begrenzen. Wie stehen Sie dazu?
Flomm: Ich persönlich halte von dieser möblierten Vermietung gar nichts. Man kann natürlich einen Zuschlag zur Miete nehmen, wenn man zum Beispiel eine superteure Einbauküche kürzlich dort eingebaut hat. Das ist sicherlich gut und auch angemessen.
Aber das, was da teilweise passiert, dass da alter Möbelkram reingeräumt wird in die Wohnung und dafür dann irgendwelche Mietsteigerungen genommen werden, das halte ich für falsch.
In Großstädten boomt der Markt für möblierte Zimmer und Apartments. Mieter zahlen teilweise horrende Preise. Immer wieder haben die teuren Zimmer Mängel wie defekte Heizung oder kein Warmwasser.
03.09.2025 | 28:41 minDeswegen halte ich es grundsätzlich für richtig, dass man dort einschreitet. So kann der Mieter auch beurteilen, ob diese Kalkulation, die der Vermieter dort vorgenommen hat, angemessen ist oder nicht.
Beim möblierten Wohnen werden Immobilien je nach Angebot teil- oder vollmöbliert vermietet. Die vorhandenen Möbel ermöglichen dann eine höhere Miete. Aktuell ist der Vermieter nicht verpflichtet, den Zuschlag für die vorhandenen Möbel im Mietvertrag anzugeben. Der Mieter hat jedoch das Recht, bei seinem Vermieter nachzufragen, wie hoch der Zuschlag ist. Zurzeit gibt es keine gesetzliche Vorgabe, wie hoch ein solcher Zuschlag ausfallen darf.
Als Richtwert gilt der sogenannte Zeitwert der Möbel. Dabei gilt: Je älter die Möbel sind, desto niedriger muss der Zuschlag ausfallen.
Mit dem Entwurf der Bundesregierung wären Vermieter verpflichtet, einen Zuschlag für vorhandene Möbel im Mietvertrag anzugeben. Zudem gäbe es eine gesetzlich verpflichtende Berechnungsmethode, um diesen Zuschlag zu berechnen. Für vollmöblierte Wohnungen dürfte pauschal zehn Prozent der Nettokaltmiete der Immobilie zusätzlich berechnet werden.
ZDFheute: Mit der Mietrechtsnovelle sollen auch Kurzzeitmieten auf sechs Monate beschränkt werden, in Ausnahmefällen auf acht Monate. Glauben Sie, das ist zielführend?
Flomm: Die Kurzzeitmiete ist für mich auch nur ein Vehikel, um irgendwo kurzfristig höhere Mieten zu erzielen. Von dem halte ich auch nicht viel.
Das ist ein Trick, den man dem Gesetz irgendwo noch entnommen hat.
Und das bringt letzten Endes zwar dem einen oder anderen einen höheren Mietertrag, aber ich halte das nicht für eine sinnvolle und vernünftige Maßnahme.
Laut dem Statistischen Bundesamt geben Studenten knapp über die Hälfte ihres Einkommens für Miete aus. Das ist mehr als doppelt so viel wie der Rest der Bevölkerung.
28.07.2026 | 1:41 minZDFheute: Wenn Sie an der Mietrechtsnovelle selber Hand anlegen könnten, was wäre Ihr Vorschlag, wie man für mehr Mietfrieden insbesondere in den Ballungsräumen sorgen könnte?
Flomm: Ich glaube, das ganze geschriebene Mietrecht bringt da überhaupt gar nichts. Es bringt nur ein ausgewogener Wohnungsmarkt etwas. Man muss Mietwohnungen nach Möglichkeit in großer Zahl neu bauen.
Ist ein Hamburger Rechtsanwalt und Vorsitzender des Grundeigentümer-Verbands Hamburg von 1832 e.V. (Haus & Grund Hamburg). Flomm vertritt die Interessen von Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümern in Hamburg.
Auf die Art und Weise bekommt man dann auch wieder einen Wohnungsleerstand, der irgendwo marktgerecht oder marktfördernd ist. So etwas fehlt uns zurzeit vollkommen.
Solange diese Verhältnisse sich nicht ändern, kann man ins Mietrecht reinschreiben, was man will, man wird die Probleme nicht in den Griff bekommen.
Das ist eine Aufforderung an den Staat, dass Wohnungsneubau erleichtert werden muss.
Das Interview führte Britta Hilpert aus dem ZDF-Landesstudio Hamburg. Aufbereitet haben es Julia Mondry und Hasset Tefera Alemu.
Die Linkspartei wolle, "dass die Mieten, wo die Menschen heute leben, wieder sinken", so Parteichef Pantisano im ZDF-Sommerinterview. Leere Büros will er für neuen Wohnraum nutzen.
09.08.2026 | 1:45 minÜber dieses Thema berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, etwa heute in Deutschland am 01.09.2026 ab 14:00 Uhr.
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