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Tuesday, November 3, 2026

Trotz Rekordwachstum: Deutsche Rechenzentren global abgehängt

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Künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste bescheren der deutschen Rechenzentrumsbranche im Jahr 2026 ein Rekordwachstum und lassen die Investitionen sprunghaft ansteigen. Trotz des hiesigen Ausbaus vergrößert sich jedoch der Abstand zu den führenden Standorten in den USA und China dramatisch.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Rechenzentren in Deutschland 2026: Zahlen, Trends und Perspektiven im internationalen Vergleich“, die das Borderstep Institut im Auftrag des Branchenverbands Bitkom erstellt hat. Demnach klettern die Gesamtinvestitionen in hiesige Rechenzentren im laufenden Jahr um 57 Prozent auf den Rekordwert von 23,5 Milliarden Euro (2025: 15 Milliarden Euro). Davon fließen rund 18 Milliarden Euro direkt in IT-Hardware wie Server und Speichersysteme, während 5,5 Milliarden Euro in Gebäude und Anlagentechnik investiert werden.

Gleichzeitig wächst die gesamte IT-Anschlussleistung in Deutschland im Jahr 2026 auf 3.300 Megawatt (MW) an, nach 2.980 MW im Vorjahr. Damit hat sich die verfügbare Leistung seit 2015 (1.660 MW) nahezu verdoppelt. Derzeit zählen die Studienautoren bundesweit gut 2.000 Rechenzentren mit einer Anschlussleistung ab 100 Kilowatt. Rund 100 davon sind Großanlagen ab 5 MW, die inzwischen allein 52 Prozent der gesamten Anschlussleistung auf sich vereinen. Bis 2035 soll sich die deutsche Gesamtkapazität auf rund 9.700 MW fast verdreifachen.

Hauptverantwortlich für den Leistungsbedarf sind das Cloud-Computing sowie das Training und der Betrieb von KI-Modellen. Aktuell entfallen rund 20 Prozent der deutschen Rechenzentrumskapazitäten (670 MW) auf künstliche Intelligenz und High Performance Computing (HPC). Bis 2030 soll dieser Anteil auf 36 Prozent (über 2.100 MW) klettern und im Jahr 2035 mit 55 Prozent (5.300 MW) mehr als die Hälfte der gesamten Infrastruktur beanspruchen. Parallel dazu bauen klassische Cloud-Rechenzentren ihre Leistung von derzeit rund 1.900 MW auf prognostizierte 3.258 MW im Jahr 2030 und gut 6.000 MW bis 2035 aus.

Für den Standort Deutschland zeichnet sich laut einer begleitenden Expertenbefragung ein spezifisches Profil ab: Statt gigantischer Allzweck-Modelle erwarten 68 Prozent der Befragten hierzulande vor allem das Training kleinerer, spezialisierter KI-Modelle. Gut die Hälfte (54 Prozent) sieht Forschungseinrichtungen als zentralen Treiber, während 46 Prozent Deutschland eine besondere Rolle bei „Industrial AI“ zuschreiben. Gemeint ist damit die Integration von KI in Maschinen, Fertigungsanlagen und industrielle Steuerungsprozesse.

Obwohl Deutschland im europäischen Vergleich mit 3,3 Gigawatt (GW) vor Großbritannien (2,9 GW), Frankreich (2,0 GW) und Irland (1,7 GW) der größte Rechenzentrumsstandort bleibt, fällt die Bundesrepublik global gesehen weiter zurück. Die USA und China skalieren ihre Infrastrukturen in völlig anderen Dimensionen: Verfügten die USA bereits 2025 über rund 47 GW und China über 22 GW, sollen deren Kapazitäten bis 2035 auf 160 GW beziehungsweise 90 GW anwachsen. Ganz Europa wird bis dahin laut Prognose lediglich 37 GW erreichen, wovon knapp 10 GW auf Deutschland entfallen. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst warnt daher: „Wer bei der Infrastruktur zurückfällt, verliert auch bei KI schnell den Anschluss.“

Auch national klafft eine Lücke zwischen politischem Anspruch und der Ausbaurealität. Die Bundesregierung peilt in ihrer Rechenzentrumsstrategie bis 2030 eine Kapazitätsverdopplung auf rund 6.000 MW an. Die aktuelle Trendprognose vom Bitkom und Borderstep geht für 2030 jedoch nur von 5.500 MW aus. Somit fehlen rund 8 Prozent. Entsprechend skeptisch blickt die Branche auf die Berliner Pläne: Zwar bewerten 66 Prozent der Befragten die Strategie grundsätzlich positiv, doch nur ein Drittel hält die Ziele für ausreichend ambitioniert, und lediglich 20 Prozent glauben an eine rasche Umsetzung.

Innerhalb Deutschlands bleibt Hessen mit dem Netzknoten im Raum Frankfurt-Rhein-Main das unangefochtene Zentrum der Branche. Dort sind aktuell rund 1.200 MW IT-Anschlussleistung installiert, mit großem Abstand gefolgt von Bayern (440 MW) und Nordrhein-Westfalen (390 MW). Zudem befinden sich in Hessen derzeit weitere 2.000 MW im Bau.

Als bundesweiter Aufsteiger erweist sich jedoch Brandenburg: Bei einer derzeitigen Bestandsleistung von gerade einmal rund 104 MW entstehen dort aktuell zahlreiche neue Rechenzentren mit einer Gesamtkapazität von 1.301 MW. Nordrhein-Westfalen folgt beim Zubau auf Platz drei mit 450 MW.

Der massive Infrastrukturausbau treibt zwangsläufig den Ressourcenverbrauch in die Höhe, wenn auch dank effizienterer Technik unterproportional zur Rechenleistung. Im Jahr 2026 benötigen deutsche Rechenzentren und kleinere IT-Installationen rund 23 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom. Bis 2030 erwarten die Forscher einen Anstieg auf 35 bis 38 Milliarden kWh, bis 2035 sogar auf 56 bis 70 Milliarden kWh.

Dass der Verbrauch nicht noch stärker zunimmt, liegt laut Bitkom an Fortschritten bei Hardware und Gebäudetechnik: Moderne Server arbeiten bis zu dreimal energieeffizienter als Modelle aus dem Jahr 2021. Zudem sank der durchschnittliche PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) deutscher Rechenzentren von 1,63 im Jahr 2020 auf aktuell 1,42. Der Zusatzaufwand für Kühlung und Stromverteilung im Verhältnis zur reinen IT-Last hat sich damit um rund ein Drittel verringert.

Auch beim Kühlwasserbedarf verzeichnet die Studie Verbesserungen. Rund 65 Prozent der hiesigen Anlagen benötigen maximal 0,1 Liter Wasser pro Kilowattstunde Anschlussleistung. Bei den im EU-Register erfassten deutschen Rechenzentren sank die entsprechende Kennzahl WUE (Water Usage Effectiveness), die den direkten Wasserverbrauch ins Verhältnis zum Energiebedarf der IT-Hardware setzt, von 0,55 Litern pro Kilowattstunde im Jahr 2023 auf 0,4 im Jahr 2025.

Um im internationalen Standortwettbewerb zu bestehen, fordert der Bitkom von der Politik unter anderem wettbewerbsfähige Strompreise, einen schnelleren Netzausbau sowie beschleunigte Genehmigungsverfahren. Zudem müsse das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) die realen Möglichkeiten der Betreiber berücksichtigen. Das gelte insbesondere bei der verpflichtenden Abwärmenutzung, die laut Verband besser in die kommunale Wärmeplanung integriert werden muss, um überhaupt wirtschaftliche Abnehmer zu finden.

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