Sportdachverband in Geldnot: Swiss Olympic greift zum Sparhammer
Sportdachverband in Geldnot
Swiss Olympic greift zum Sparhammer
Weil im Budget 2027 fünf Millionen Franken fehlen, muss Swiss Olympic Stellen abbauen. Mehreinnahmen sollen weitere Sparübungen verhindern. Aus den Sportverbänden wird Kritik laut.
Publiziert: vor 19 Minuten
Aktualisiert: vor 4 Minuten
Darum gehts
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- Swiss Olympic fehlen im Budget 2027 fünf Millionen Franken, Stellenabbau geplant
- Drei Kündigungen und 1,7 Mio. Franken Einsparungen auf der Geschäftsstelle
- Curlingverband verliert 50 Prozent Förderbeiträge, Reitsportverband drohen ebenfalls Einbussen
Andreas SchmidInlandredaktor
Im Budget für 2027 fehlen dem Dachsportverband Swiss Olympic fünf Millionen Franken. In einem Schreiben haben Präsidentin Ruth Metzler-Arnold (62) und Direktorin Natacha Theytaz (51) den Mitgliedsverbänden am Mittwoch mitgeteilt, dass für 2027 und 2028 eine «Brückenstrategie» gewählt werde, um die Finanzen ins Lot zu bringen. Nächstes Jahr bestehe ein «Bereinigungsbedarf» von fünf Millionen Franken. Ein Teil davon könne mit Reserven und zusätzlichen Einnahmen aufgefangen werden. Doch die noch schlechtere Nachricht folgt: Auf der Geschäftsstelle reduziere Swiss Olympic die Kosten um 1,7 Millionen Franken und verringere den Personalbestand um 6,6 Vollzeitstellen – das entspricht jeder zwölften.
«Daher kommt es leider zu drei Kündigungen», sagt Swiss-Olympic-Sprecher Fabio Gramegna, den Rest könne der Dachverband über natürliche Fluktuationen sparen. Zudem streiche Swiss Olympic Dienstleistungen. Trotzdem investiere man auch in Digitalisierung und Innovation, um ab 2029 eine längerfristige Strategie umzusetzen. Der Exekutivrat als leitendes Gremium hat dieses Vorgehen beschlossen, das Sportparlament – es besteht aus den Delegierten der Verbände – wird im November darüber befinden.
Harsche Kritik
Swiss Olympic findet beschwichtigende Worte, Sprecher Gramegna betont, dass Entwicklungen und Rahmenbedingungen zum Teil noch nicht klar seien und der Dachverband weiterhin für «bestmögliche Bedingungen» für den Schweizer Sport sorgen werde. Und als lockendes Fernziel träumt der Dachverband von Olympischen Winterspielen 2038 in der Schweiz. Die Auswirkungen der geplanten Kandidatur auf die aktuelle Tätigkeit seien aber noch nicht absehbar, sagt Gramegna.
Die frühere CVP-Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold ist seit knapp zwei Jahren Swiss-Olympic-Präsidentin, ihre Amtsführung hat in einigen Verbänden Unmut erregt. Das geplante neue Fördermodell des Dachverbands kommt bei manchen Mitgliedern schlecht an, und die erst Monate später kommunizierte Streichung von Leistungsbeiträgen verärgerte zuletzt etwa Swiss-Ski.
Deshalb sorgt nun die Mitteilung zu den klammen Finanzen weiter für Nervosität. So sagt Lenka Kölliker (57), Präsidentin des Curlingverbands Swiss Curling, sie habe den Begriff «Brückenstrategie» mit dem Schreiben erstmals gehört. Grundsätzlich begrüsse sie, dass Swiss Olympic die Finanzen ins Lot bringe und die internen Strukturen prüfe. Es sei aber enorm wichtig, dass der Leistungssport ein Kernbereich bleibe, was im neuen Verbandsfördermodell nicht klar zu erkennen sei. Swiss Curling drohe eine Reduktion der Beiträge um 50 Prozent. «Für uns ein harter Schlag, ein markanter Einschnitt und in dieser Heftigkeit nicht nachvollziehbar», kritisiert Kölliker.
Weiter weist sie darauf hin, dass die gestrichenen Erfolgsbeiträge für die Winterspiele im vergangenen Februar ihren Verband, der an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen bei Frauen und Männern regelmässig Medaillen gewinne, schmerzten. «Das enttäuscht uns sehr und stösst auf Unverständnis.»
Andere angefragte Swiss-Olympic-Mitglieder wie der Ski-, der Eishockey- oder der Schwimmverband wollten sich nicht zur vorgelegten «Brückenstrategie» äussern. Der Handballverband teilte mit, er begrüsse die strukturelle Bereinigung bei Swiss Olympic, der Turnverband gab an, er werde sich im Sportparlament «konstruktiv einbringen».
Verlust droht
Für Damian Müller (41), den Präsidenten des Reitsportverbands Swiss Equestrian, ist das Vorgehen von Swiss Olympic nicht nachvollziehbar. Der Luzerner FDP-Ständerat fragt: «Wie passt es zusammen, dass Swiss Olympic im neuen Fördermodell die Strategien der nationalen Verbände umfassend beurteilt, gleichzeitig aber die eigene neue Strategie auf 2029 verschiebt?»
Mit dem neuen Fördermodell drohe dem Reitsportverband künftig ein jährlicher Verlust von gut einer Viertelmillion Franken, sagt Müller. Obwohl Swiss Equestrian regelmässig an internationalen Meisterschaften Medaillen gewinne. Kürzlich etwa holte Springreiter Steve Guerdat (44) Gold an den Weltmeisterschaften in Aachen (D). «Die Mittelverteilung muss nachvollziehbar und fair sein», fordert Müller. Er verlangt «klare Kriterien, verlässliche Zusagen und genügend Zeit, um sich auf Änderungen einzustellen».
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