100 Jahre Route 66: Auf der Traumstrasse durch Amerika
Was wären American Diner, Hollywood-Filme, Motels und der Traum vom Easy Rider ohne die Route 66? Die bekannteste Strasse der westlichen Welt feiert ihren 100. Geburtstag. Grund genug für einen Roadtrip, natürlich in einem echten US-Car.
Publiziert: vor 14 Minuten
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- Die 3945 Kilometer lange, legendäre Route 66 feiert ihren 100. Geburtstag
- Wir machen im Scout II von 1979 einen Trip von Santa Monica nach Chicago
- Auch nach 100 Jahren ist weiterhin nicht die gesamte Strecke asphaltiert
Für Millionen von Menschen ist sie seit einem Jahrhundert der Inbegriff von Freiheit und dem nicht enden wollenden Traum des «Go West». Obwohl die meisten die Route 66 von Chicago im US-Bundesstaat Illinois nach Santa Monica in Kalifornien westwärts fahren, absolvieren wir unsere Fahrt in die andere Richtung. Natürlich mit einem passenden Auto: dem International Harvester Scout II, Jahrgang 1979, 5,7-Liter-V8, 4x4 und reichlich Patina – aber in exzellentem Zustand.
Wir starten mit vollem Tank am Santa Monica Pier beim Ghirardelli Iceshop. Der Duft von Marihuana liegt in der Luft, als wir Richtung San Bernardino Valley rollen. Es ist heiss – über 45 Grad in der Wüste. Zum Glück kühlt die Klimaanlage unseres Scout II. Davon konnten die ersten Reisenden Ende der 1920er-Jahre nur träumen. Für sie war die Route 66 ein Weg in eine vermeintlich bessere Zukunft. Und da von den 2451 Meilen (rund 3945 km) damals nur rund 850 asphaltiert waren, dauerte die Tour zwei bis vier Wochen.
Doch es ging damals nicht nur darum, von Chicago in einem Rutsch nach Los Angeles zu kommen. Vielmehr sollten die dünn besiedelten Regionen im Mittleren Westen mit den Absatzmärkten in Metropolen wie Saint Louis, Missouri oder Chicago verbunden werden und Anschluss zu den grossen Eisenbahnknotenpunkten erhalten. Buchautor John Steinbeck setzte der Landflucht der Bauern aus dem Midwest auf die kalifornischen Obstplantagen mit «Grapes of Wrath» in den 1930ern ein literarisches Denkmal. Viele Bücher und Filme folgten.
Viele hochgereckte Daumen
Mit sonorem Blubbern fahren wir mit unserem schlumpfblauen Scout II zunächst über Highways, dann auf der Historic Route 66. Aus vorbeifahrenden Autos viele hochgereckte Daumen, und bei jedem Tankstopp werden wir auf unseren vermeintlichen Ford Bronco angesprochen. Doch unser Scout II ist zwei Nummern grösser und hat abgesehen vom ähnlichen Frontdesign nur wenig mit dem Ford-Pendant gemein (siehe Box). Am Abend stoppen wir bei Roy’s Burgerladen in Barstow. Nicht nur dessen Schriftzug ruft uns Roy’s Motel und Café in Amboy ins Gedächtnis – die meistfotografierte Tankstelle der Welt.
International Harvester Scout II
Produziert wurden die Scouts in den 1960ern bis Ende der 1970er-Jahre vom ehemaligen Landmaschinenhersteller International Harvester. Dieser trennte sich nach Problemen mit den Gewerkschaften in den 1980ern von seiner Landwirtschaftssparte und wurde zu Navistar – mittlerweile eine Tochter von VW-Nutzfahrzeuge. VW lanciert denn auch unter dem früheren Modellnamen Scout eine neue Offroadmarke für die USA und will dort mit elektrifizierten Pick-ups und Geländewagen ab 2028 eine neue Fahrzeuggeneration auf den Markt bringen. Bei den meisten Anhängern der historischen Scout-Modelle und bei vermeintlichen Bronco-Fans hat sich das aber noch nicht herumgesprochen.
Produziert wurden die Scouts in den 1960ern bis Ende der 1970er-Jahre vom ehemaligen Landmaschinenhersteller International Harvester. Dieser trennte sich nach Problemen mit den Gewerkschaften in den 1980ern von seiner Landwirtschaftssparte und wurde zu Navistar – mittlerweile eine Tochter von VW-Nutzfahrzeuge. VW lanciert denn auch unter dem früheren Modellnamen Scout eine neue Offroadmarke für die USA und will dort mit elektrifizierten Pick-ups und Geländewagen ab 2028 eine neue Fahrzeuggeneration auf den Markt bringen. Bei den meisten Anhängern der historischen Scout-Modelle und bei vermeintlichen Bronco-Fans hat sich das aber noch nicht herumgesprochen.
Tags darauf gehts weiter Richtung Osten. Leider bleibt keine Zeit für einen Abstecher in den Joshua Tree National Park. Doch die Landschaft entlang der Route begeistert auch so. Nach einem langen Tag mit mehr als 640 Kilometern übernachten wir in Winslow – wohl vor allem Eagles-Fans bekannt durch die zentrale Strassenkreuzung mit dem gigantischen Route-66-Logo.
Das Angebot an guten Hotels auf diesem Teil der Route 66 zwischen Seligman, Flagstaff und Oatman ist überschaubar. Viele der alten Motels sind verfallen und nur noch Zeichen für eine prosperierende Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Ortschaften noch von jenen Reisenden profitierten, die im Westen ein besseres Leben suchten.
Feierlichkeiten erst ab Oklahoma
Bei Sonnenaufgang am nächsten Tag fahren wir weiter. Oft verläuft unsere Route parallel zur modernen Interstate 40. Sie wurde Mitte der 1980er fertiggestellt und schluckt heute den Überlandverkehr. So sind wir ziemlich einsam unterwegs und passieren Ortschaften wie Lupton, Gallup oder Grants mit den südlich gelegenen Zuñi Mountains und dem Gebiet der Navajos. Und kommen schliesslich nach Oklahoma. Dort gibt es bunt geschmückte kleine und mittlere Siedlungen. Anders als bisher wird hier der 100. Geburtstag der Route 66 zelebriert. Oklahoma City ist modern, städtisch und ungemein sauber – so wie noch keine andere Stadt auf unserem Roadtrip.
Warum Route 66?
Im November 1926 eröffnete die Route 66. Die 2451 Meilen (rund 3945 km) lange Strasse von Downtown Chicago bis ans Santa Monica Pier an der Westgrenze von Los Angeles war in den ersten Jahrzehnten ein Verbund von Strassenstücken – zumeist unasphaltiert. Die Idee zur Ost-West-Verbindung von New York oder zumindest Chicago nach Los Angeles gab es freilich schon seit den späten 1910er-Jahren, als die Autos fahren lernten. Doch warum heisst die Route 66 so? Im Frühling 1926 schlug der erfolgreiche Unternehmer Cyrus Stevens Avery (1871–1963) der US-Regierung diesen Namen vor. Seine simple Begründung: Gerade Zahlen kennzeichneten wichtige Ost-West-Hauptachsen – und die Zahl 66 war noch frei und eine gut klingende Kombination.
Im November 1926 eröffnete die Route 66. Die 2451 Meilen (rund 3945 km) lange Strasse von Downtown Chicago bis ans Santa Monica Pier an der Westgrenze von Los Angeles war in den ersten Jahrzehnten ein Verbund von Strassenstücken – zumeist unasphaltiert. Die Idee zur Ost-West-Verbindung von New York oder zumindest Chicago nach Los Angeles gab es freilich schon seit den späten 1910er-Jahren, als die Autos fahren lernten. Doch warum heisst die Route 66 so? Im Frühling 1926 schlug der erfolgreiche Unternehmer Cyrus Stevens Avery (1871–1963) der US-Regierung diesen Namen vor. Seine simple Begründung: Gerade Zahlen kennzeichneten wichtige Ost-West-Hauptachsen – und die Zahl 66 war noch frei und eine gut klingende Kombination.
Tags darauf erwartet uns nach dem Passieren von Wellston (offiziell Halbzeit der Tour) mit der Kleinstadt Tulsa eine der bekanntesten Stationen auf der Route 66. Die Stadt, die sich einst Welthauptstadt des Öls nannte, bietet dabei mehr Motive als den Ölbohrer vor dem Kongresszentrum und den verbeulten Wal, dessen Charme sich kaum erschliessen mag. Nach Tulsa wird die Landschaft bis Saint Louis immer eintöniger. Kaum mehr Orte, selbst die einsame Strasse ist nicht mehr immer asphaltiert.
Böses Erwachen in Saint Louis: Der Scout zickt beim Start, Zündschloss und Gaszug klemmen. Mit Klebeband behelfen wir uns auf den letzten 500 Kilometern. Das Ziel fest im Blick: Chicago am Lake Michigan. Nach knapp sechs Tagen erreichen wir die Skyline – unser Scout hat durchgehalten!
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