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Wednesday, November 4, 2026

Kann ein linker Demokrat 2028 ins Weisse Haus einziehen?

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  • Der Sieg des ersten muslimischen Senators Abdul El-Sayed gilt als Erfolg für den linken Flügel der Demokraten.
  • Laut US-Experten Guido Weber und Manfred Elsig profitierten aber trotzdem vor allem gemässigtere Demokraten von der Anti-Trump-Stimmung.
  • Alexandria Ocasio-Cortez habe unter den Progressiven die besten Karten für 2028 – in konservativen Bundesstaaten bleibe sie aber angreifbar.
  • Die Präsidentschaftswahl 2028 ist trotz der demokratischen Erfolge laut Experten völlig offen.

Der Wahlsieg von Abdul El-Sayed in Michigan gilt als Erfolg für den progressiven linken Flügel der Demokraten. Der muslimische Politiker setzte sich im Rennen um einen Senatssitz durch und wird damit der erste muslimische US-Senator.

Doch ist sein Sieg bereits ein Signal für die Präsidentschaftswahl 2028? Könnten nun auch linkere demokratische Kandidatinnen und Kandidaten bessere Chancen haben? Die US-Experten Guido Weber und Manfred Elsig ordnen ein.

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Hat El-Sayed nun Chancen auf eine Präsidentschaftskandidatur?

Für Weber klar nicht. «El-Sayed muss sich zuerst als Senator beweisen.» Er werde wohl die sechs Jahre im Senat absolvieren und frühestens 2032 – wenn überhaupt – eine Präsidentschaftskandidatur erwägen.

Im progressiven Lager sieht Weber vor allem Alexandria Ocasio-Cortez gut positioniert. Sie sei die bekannteste Vertreterin dieses Flügels und heute gemässigter als früher. An der Ost- und Westküste könne sie viele Anhänger mobilisieren.

Doch gerade in den konservativen Südstaaten sieht Weber für sie kaum Chancen: «Dafür ist sie momentan noch zu progressiv.»

Auch Elsig glaubt nicht an eine sogenannte AOC-Kandidatur: «Ich wäre überrascht, wenn die Demokratische Partei sie aufstellen würde.» Stattdessen seien mit John Ossoff aus Georgia, Mark Kelly aus Arizona sowie Gouverneuren aus Illinois und Ohio eher Kandidaten aus der politischen Mitte gestärkt worden.

Haben demnach doch gemässigtere Demokraten weiterhin die besseren Chancen?

Ja, sagen beide Experten. El-Sayeds Sieg sei kein Beweis für einen Linksrutsch der Demokraten: Er verteidigte lediglich einen bereits demokratischen Sitz – ein Zugewinn war es nicht.

Zudem schwamm El-Sayed auf einer breiten Anti-Trump-Welle mit. «Auch moderatere Demokraten haben klar gewonnen», sagt Weber. Progressive seien vor allem dort erfolgreich gewesen, wo die Demokraten ohnehin stark sind.

Die entscheidenden Senatszugewinne gelangen dagegen eher gemässigten Kandidaten in konservativeren Staaten wie Texas, Kansas oder South Carolina. «Ich sehe keinen Trend, dass Progressive künftig mehr Erfolg haben als Moderate», sagt Weber. «So hat in Florida die progressive Demokratin Angie Nixon die Wahl in den Senat verpasst, obwohl sie gerade als Hispanic eine gute Ausgangslage hatte.»

Das sind die Experten

Elsig ergänzt: Der progressive Flügel werde mit El-Sayed und Troy Jackson im Senat zwar stärker. Die grosse Mehrheit der demokratischen Senatoren gehöre aber weiterhin nicht zum linken Flügel. Michigan sei zudem für die Demokraten traditionell ein günstiges Pflaster gewesen.

Entscheidend bleibe die politische Mitte: «Kandidaten müssen nicht nur die eigene Basis, sondern vor allem unabhängige Wähler überzeugen», so Elsig. «Das gelingt mit gemässigten Positionen im Normalfall besser.»

Was ist mit dem Scharia-Video?

In sozialen Medien verbreitet sich ein Ausschnitt aus einer Rede El-Sayeds von 2022 in Oklahoma. Republikaner stellen ihn darin so dar, als bezeichne er Scharia-Verbote als Diskriminierung oder werbe gar für die Einführung der Scharia.

Ein Faktencheck von Politifact kommt jedoch zum Schluss: El-Sayed habe nicht zur Einführung der Scharia als staatlichem Recht aufgerufen. Er habe den damaligen Versuch eines Verbots in den Zusammenhang der Geschichte von Rassismus in Oklahoma gestellt.

Weber glaubt, dass die Wählerschaft gegenüber solchen Angriffen skeptischer geworden ist. Der republikanische Wahlkampf habe enorme Summen ausgegeben und zahlreiche Falschbehauptungen über demokratische Kandidaten verbreitet. «Die Wahl zeigt, dass viele Wählerinnen und Wähler das durchschaut haben», sagt er.

Elsig warnt hingegen, dass El-Sayed für die Republikaner trotzdem zur Zielscheibe werde. «Sie werden versuchen zu argumentieren, dass die progressiven Positionen von El-Sayed und Ocasio-Cortez die Demokratische Partei dominieren würden.»

El-Sayed werde, ob er es wolle oder nicht, im Zentrum rassistischer Attacken stehen. «Die MAGA-Bewegung wird weitergehen und den ‹Kulturkampf› zusätzlich anheizen.»

Wie offen ist das Rennen um das Weisse Haus 2028?

Trotz der demokratischen Erfolge bei den Midterms ist ein demokratischer Präsident 2028 laut Weber keineswegs gesetzt. Die jüngste Wahl sei eher als Protest gegen Trump denn als vorbehaltlose Unterstützung für die Demokraten zu verstehen.

«Die Demokraten waren im Kampf gegen Trump vereint. Das wurde von den Wählerinnen und Wählern honoriert», sagt Weber. Bis zur Präsidentschaftswahl könne sich in zwei Jahren aber noch viel verändern.

Wie schätzt du die Chancen progressiver Demokraten auf das Weisse Haus 2028 ein?

Thomas Sennhauser

Thomas Sennhauser (ths), arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er begann als Videojournalist und wechselte nach zwei Jahren ins Ressort News wo er über gesellschaftliche Themen und Analysen zu Geschehnissen im Ausland schreibt.

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