«Steuergeld für kaputte Hosen? Ernsthaft?»

Zürcher Reparaturbonus polarisiert
«Steuergeld für kaputte Hosen? Ernsthaft?»
Eine halbe Million Franken Steuergeld für kaputte Hosen und Handys: Mit dem Reparaturbonus will Zürich das Flicken fördern und Abfall vermeiden. Doch in der Blick-Community sorgt die Idee für Unmut.
Publiziert: vor 28 Minuten
- Die Stadt Zürich bezahlt ihren Einwohnern jährlich bis zu 100 Franken für Reparaturen
- Bisher entfallen 78 Prozent der geförderten Reparaturen auf Handys, Tablets und Smartwatches
- Community kritisiert den Reparaturbonus als Verschwendung von Steuergeld
Sarah RiberzaniRedaktorin Community
Wer in Zürich einen kaputten Gegenstand reparieren lässt, kann sich seit diesem Sommer die Hälfte der Kosten von der Stadt zurückholen. Mit dem Reparaturbonus «Flick-it» will die Stadt erreichen, dass weniger Gegenstände im Abfall landen, Ressourcen geschont und lokale Handwerksbetriebe unterstützt werden. Dafür erhalten Zürcherinnen und Zürcher bis zu 100 Franken pro Jahr, insgesamt stehen 500'000 Franken Steuergeld zur Verfügung.
Auch SP-Stadträtin Simone Brander hat den Bonus bereits genutzt: Sie liess einen Riss in ihrem Anzug flicken und die Hälfte der Kosten von der Stadt übernehmen. Das Angebot gilt für Reparaturen von Textilien und Elektrogeräten bei rund 40 Partnerbetrieben. Besonders häufig wird der Bonus derzeit für Handyreparaturen genutzt. 78 Prozent der bisher geförderten Reparaturen entfielen auf Smartphones, Tablets und Smartwatches.
Reparaturbonus sorgt für Unmut
Bei der Blick-Community stösst das Angebot mehrheitlich auf Kritik. In einer Umfrage mit knapp 5000 Teilnehmenden finden 69 Prozent, dass die Stadt dafür Steuergeld verpulvert. Weitere 11 Prozent halten die Idee zwar für gut gemeint, bezweifeln aber, dass sie viel bewirkt. Rund ein Fünftel steht dem Bonus grundsätzlich positiv gegenüber: 14 Prozent finden, dass sich Reparaturen damit eher lohnen, während 6 Prozent die Unterstützung nach dem Motto begrüssen: Wenn sich die Stadt das leisten kann, warum nicht?»
In der Kommentarspalte dreht sich die Debatte vor allem um die Frage, ob die öffentliche Hand private Reparaturen finanziell unterstützen soll. So schreibt Leser Ben Underhill: «Ich bin durchaus der Meinung, dass Dinge repariert werden sollten. Aber warum sollte ich als Zürcher Steuerzahler die Reparaturen anderer Leute subventionieren?» Wenn überschüssige Mittel vorhanden seien, wäre eine Steuersenkung für alle aus seiner Sicht die bessere Lösung, sodass jeder seine Reparaturen selbst bezahlen könne.
Auch Urs Badertscher findet den Grundgedanken richtig. «Flicken und Reparieren ist ja im Grunde eine tolle Idee», schreibt er. Den staatlichen Zuschuss hält er jedoch für unnötig. Ob jemand etwas reparieren lasse, solle jeder selbst entscheiden. Zudem setze die Stadt seiner Meinung nach die falschen Prioritäten: «Die Politik muss sich zwingend um wichtigere Anliegen kümmern.»
Leserin Maria Romano stört sich ebenfalls daran, dass die Allgemeinheit für private Reparaturen aufkommen soll. «Steuergeld für kaputte Hosen, ernsthaft? Ist schon der 1. April? Dafür die Allgemeinheit zur Kasse zu bitten, halte ich für völlig übertrieben», schreibt sie. Gerade bei Handyreparaturen stelle sich die Frage, ob es den Zuschuss überhaupt brauche, schliesslich würden Displays und Akkus längst regelmässig ersetzt. «Ob dadurch tatsächlich mehr repariert wird oder einfach jene profitieren, die ihre Reparatur sowieso geplant hatten, ist für mich fraglich.»
Andere sehen Gewinn für die Umwelt
Es gibt allerdings auch Stimmen, die den Reparaturbonus verteidigen. Heinz Luescher sieht darin eine sinnvolle Massnahme und verbindet seine Zustimmung mit einer politischen Spitze: «Reparieren ist besser als Wegwerfen. Links weiss, wie es geht. Rechts muss noch viel lernen!»
Leserin Elisabeth Krug begrüsst den Reparaturbonus ebenso. «Wenn dadurch mehr Menschen dazu motiviert werden, defekte Gegenstände reparieren zu lassen, anstatt sie vorschnell zu ersetzen, ist das sinnvoll.» So würden Ressourcen geschont und Gegenstände länger genutzt. Ihr Fazit: «Dass die Stadt diesen Anreiz finanziell unterstützt, finde ich deshalb durchaus vertretbar.»
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