Darum kochen die Landfrauen alle ab

Heiss auf Jubiläumsstaffel
Darum kochen die Landfrauen alle ab
Zum zwanzigsten Mal kochen ab dieser Woche sieben Landfrauen um die Wette und stellen ihr Zuhause vor. Das Format «Landfrauenküche» ist eine Eigenentwicklung von SRF und ein Quotengarant seit der ersten Staffel 2007.
Publiziert: vor 27 Minuten
- Die Jubiläumsstaffel der SRF-«Landfrauenküche» beginnt am 30. Oktober
- Seit der ersten Staffel 2007 ist die SRF-Eigenproduktion ein Quotenhit
- Viele Frauen sind Publikumslieblinge geworden und noch heute bekannt
Jean-Claude GalliRedaktor People
Am Freitag, 30. Oktober, beginnt die Jubiläumsstaffel von «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche». Kandidatin von Folge 1 ist Claudia Kilchmann (39) aus Obernau LU.
Das Rezept ist effektiv simpel: Sieben Frauen aus einem bäuerlichen Lebensumfeld kochen seit 2007 mit regionalen Zutaten einen Dreigänger und bewerten sich.
Das Format schmeckt wie eine feine «Züpfe». Die letztjährige Staffel verzeichnete durchschnittlich 641'000 Zuschauerinnen und Zuschauer, was einem Marktanteil von über 40 Prozent entspricht. Die Zahlen sind seit Jahren konstant.
Ein Ende ist nicht absehbar
Diese Werte beantworten auch die Frage nach der Zukunft. Hansjörg Niklaus (50), Leiter Factual bei SRF, sagt gegenüber Blick: «Ein Ende der Reihe ist aktuell nicht absehbar.»
Niklaus beschreibt das Format als eine einzigartige Mischung aus Kochen und Leben. «Das Kochen ist nur ein Teil – es geht vor allem auch um Frauen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen. Und es geht um die Sehnsucht nach Freiheit und einem selbstbestimmten Leben.»
Nicole Berchtold (48) ist Psychologin und seit 2020 Moderatorin der jeweiligen Finalsendung. «Das Konzept wirkt vielleicht simpel, doch die Gründe für die Beliebtheit sind vielschichtig. Das Format trifft offenbar einen Nerv. Die Sendungen berühren Uremotionen und wecken Heimatgefühle», erklärt sie.
Wichtig sei auch der Aspekt der Wiedererkennung mit den vertrauten Dialekten, den Gerichten und Landschaften. «Und dann ist da die Frage, die jeder kennt, wenn Besuch im Haus ist und die Teller abgetragen werden: Habt ihr es gern gehabt? Was ja auch heisst: Habt ihr uns gern gehabt? Dieses Bedürfnis nach Anerkennung ist in uns allen drin.»
Dazu komme die Entwicklung der Inhalte. «Zuerst ging es primär ums Kochen. Doch mittlerweile werden ganze Lebenswelten gezeigt. Wir lernen die Frauen näher kennen, ihre Sorgen, Ängste und Freuden. Das spricht auch Menschen in der Stadt an.»
Apropos Entwicklung: Manche der Frauen haben aus ihrem Auftritt sogar Kapital geschlagen, sind Markenbotschafterinnen oder verkaufen eigene Produkte. Und eine frühere Kandidatin, die ungenannt bleiben will, erzählt, dass man ihr seit der Sendung nun beim Einkaufen immer in den Korb schaue.
Wer hats erfunden?
Beim Blick zurück stösst man nicht nur auf die erste Siegerin Migga Falett (65) aus Bergün GR 2007. Sondern auch auf den Erfinder des Formates, Rémy Trummer (heute 71). Auch wenn er im Gespräch mit Blick betont, dass jedes Format stets Teamwork sei. «Erfinder ist ein grosses Wort.»
2002 wurde Trummer Redaktionsleiter Volkskultur und sollte das entsprechende Angebot im Auftrag von Direktorin Ingrid Deltenre (66) modernisieren und volksnäher machen. Im St. Galler Rheintal stiess er bei der Sendung «bsuech in...» auf die Mutter des heutigen SRF-Moderators Nicolas Senn (37), die dort den regionalen Klassiker «Türggeribel» zubereitete. Das ganze Setting hinterliess nachhaltigen Eindruck bei ihm.
«Ich schlug Programmentwickler Urs Fitze dann eine ganze Sendereihe mit dem Namen ‹Landfrauenküche› vor. Doch erst, als ich von den Frauen erzählte, die mitten im Leben stünden, liess er sich überzeugen. Fitze wollte das Format bei einer externen Firma in Auftrag geben. Doch ich sagte, das machen wir selber, und schrieb ein kurzes Konzept.»
Die Skepsis verflog spätestens, als Anfragen aus Deutschland und Österreich für eine Übernahme kamen. «Das brachte zwar nicht viel Geld, aber Renommee», erzählt Trummer. Angesprochen auf den Erfolgsgrund sagt er: «Im Grunde genommen sind wir alle immer noch ein wenig Bauern, solche Sendungen berühren uns im Kern.»
Er verhehlt auch nicht, dass ab und zu Diskussionen um den Namen des Formates aufflammten, der in gewissen Kreisen nicht mehr zeitgemäss schien. Auch der Publikumsrat sei vorstellig geworden. Doch bisher sei kein besserer Name gefunden worden.
Die Realität ist oft komplexer
Angesprochen darauf, ob die «Landfrauenküche» ein realistisches Bild zeige, sagt Kathrin Bieri (48), Geschäftsführerin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes (SBLV): «Die Sendung zeigt authentische und sympathische Aspekte des Lebens auf dem Land und vermittelt, mit wie viel Engagement und Herzblut Landfrauen ihre vielfältigen Aufgaben wahrnehmen.»
Die Realität auf den Höfen sei jedoch oft komplexer. «Viele Bäuerinnen und Bauern stehen unter grossem wirtschaftlichem Druck, bewältigen lange Arbeitstage, haben wenig Freizeit und müssen unterschiedliche Aufgaben, Auflagen und gesellschaftliche Erwartungen gleichzeitig erfüllen. Diese Herausforderungen gehören ebenfalls zum Alltag der Landfrauen, können jedoch in einem Fernsehformat naturgemäss nur teilweise abgebildet werden.»
Gleichzeitig leiste die Sendung aber einen wichtigen Beitrag dazu, die Leistungen der Landfrauen sichtbarer zu machen und der Bevölkerung Einblicke in die Landwirtschaft und die Produktion von Nahrungsmitteln zu geben, zu denen viele Menschen oft keinen direkten Bezug mehr haben.
Authentizität und Nähe
Langjähriger Sponsoring-Partner der «Landfrauenküche» ist die Migros. Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Leiterin der Medienstelle, sagt: «Aus unserer Sicht liegt die Stärke der ‹Landfrauenküche› in ihrer Authentizität und Nähe: Sie verbindet persönliche Geschichten mit Kochen, regionalen Spezialitäten und Einblicken in den Alltag auf Schweizer Landwirtschaftsbetrieben. Diese Mischung ist nahbar und dürfte wesentlich zur langjährigen Beliebtheit der Sendung beitragen.»
Die Migros ist 2027 wieder dabei. Und ausgeschöpft ist das Potenzial noch nicht. Hansjörg Niklaus sagt: «Kandidatinnen finden sich erfreulicherweise auch nach zwanzig Jahren immer noch genügend – wir würden uns aber mehr deutschsprachige Frauen aus dem Tessin und der Romandie wünschen.»
Wer die 20. Staffel gewinnt, zeigt sich am 18. Dezember. Zum Jubiläum gibt es am 23. Januar 2027 auch eine abendfüllende Spezialsendung. «Das hat dieses tolle Format verdient», sagt Nicole Berchtold.
«SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» ab 30. Oktober jeweils freitags auf SRF 1 ab 20.05 Uhr.
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