Küchenchef Gstaad Palace – «Ich bin ‹gottefroh›» – Kult-Koch Franz Faeh geht in Pension

Franz Faeh ist ein echtes Original. Bodenständig trotz Luxuswelt. Erfrischend direkt. Und vielleicht auch etwas knorrig. Viele kennen den charismatischen Berner Oberländer aus der SRF-Dok-Serie «Inside Gstaad Palace», die Einblicke in die Luxusgastronomie des Fünf-Sterne-Hotels gibt. Dort wurde der Küchenchef mit seinem trockenen Humor zum Publikumsliebling. Nun, mit 65 Jahren, sagt Faeh dem Palace Adieu.
Obwohl er anfangs haderte, in Pension zu gehen, fühlt sich der Schritt heute richtig an: «Ich bin ‹gottefroh›. Nach 49 Jahren in diesem Business – da hast du genug», so Faeh. «Ich kann auf dem Höhepunkt aufhören. Was will man mehr?»
Vom Palace-Lehrling zum königlichen Koch
Fast ein halbes Jahrhundert stand der Spitzenkoch am Herd. Seine Karriere begann dort, wo sie jetzt endet: 1978 absolvierte der gebürtige Saaneländer eine Kochlehre im Gstaad Palace, in dem bereits sein Vater und Grossvater als Hausfotografen gearbeitet hatten. Eigentlich wäre er als Bub lieber Skirennfahrer geworden. «Doch ich war leider zu wenig gut», sagt Faeh lachend. Dann wurde das Kochen zu seiner Leidenschaft.
Nach der Lehre zog es ihn nach Asien. Er kochte in den besten Küchen der Regent-Gruppe in Hongkong, Singapur, Bangkok und Jakarta – und war sogar mehrere Jahre als Privatkoch für die thailändische Königsfamilie tätig. Nach seinen Wanderjahren kehrte er in die Schweiz zurück. Über St. Moritz und Murten fand er schliesslich vor zehn Jahren den Weg zurück nach Gstaad, als ihn Hoteldirektor Andrea Scherz als Küchenchef engagierte. Faeh erkochte sich 16 Gault-Millau-Punkte, wurde zum «Koch des Jahres» gewählt und in den exklusiven Kreis der «Kulinarischen Meriten der Schweiz» aufgenommen.
Faehs Pensionierung werde nun erst mal eine grosse Lücke hinterlassen, sagt Hotelbesitzer Scherz: «Franz hat grossartige Beziehungen zu den Gästen gepflegt. Da wird jetzt, zumindest für die erste Zeit, ein grosses Vakuum entstehen.» Umso wichtiger sei es, dass der neue Küchenchef aus den eigenen Reihen komme: Mit Luca Gatti, der seit zwanzig Jahren im Palace arbeitet und zuletzt als «Executive Souschef» Faehs rechte Hand war, habe man den passenden Nachfolger gefunden, so Scherz.
Während Faeh fast Tag und Nacht in der Hotelküche stand, blieb für die Familie wenig Zeit. «Das tut schon weh», gesteht er. Er war zwei Mal verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. «Wenn du den Weg einschlägst, den ich eingeschlagen habe, besteht die Gefahr, dass man die Familie nicht als Nummer eins ansieht.» Doch mittlerweile habe er realisiert, dass die Familie wichtiger sei als der Betrieb.
Neues Glück und mehr Zeit für das Leben
In der Zwischenzeit hat Faeh eine neue Liebe gefunden: «Wir sind zusammen aufgewachsen», sagt er strahlend. Vor wenigen Tagen sind die beiden in Gstaad in eine grössere Wohnung umgezogen. Dort hat Faeh nun Platz für all seine Kochbücher, die er aus seinem Büro im Hotel räumen musste.
Seit wenigen Tagen ist Franz Faeh nun offiziell pensioniert. Das ist eine grosse Umstellung. «Du hast keinen Stress mehr. Man muss nicht ständig aufs Natel schauen.» Er geniesse das, stellt er fest. Fehlen tue ihm nichts. Er freue sich jetzt auf mehr Zeit mit seiner Partnerin und Hund Enzo – und auf den Winter. «Endlich kann ich wieder Skifahren gehen.» Für die Zukunft wünscht er sich vor allem: «Gute Gesundheit, dass man ‹mag›. Und dass man die Freude des Lebens nicht verliert. Das ist für mich sehr wichtig.»
Buch über Franz Faeh
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Kurz vor seiner Pensionierung erschien vor wenigen Monaten, im Frühling 2026, das Buch «Franz Faeh. Palace retour» verfasst von Reto Wilhelm. Es ist kein klassisches Kochbuch, sondern eine Mischung aus Faeh's Biografie, Anekdotensammlung und Rezepten.
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