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Friday, September 25, 2026

Big Brother Award wegen Smart Glasses: Fielmann und Apollo bekommen Auszeichnung für Stalkerware PERRFRIST 18 Uhr

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Zwei große Optiker-Ketten bekommen den Big Brother Award. Die Laudatorin kritisiert die dort vertriebenen Smart Glasses als „getarnte Stalkerware“.

Einer der Negativpreise für Überwachung geht dieses Jahr an die Optik-Ketten Fielmann und Apollo Optik. Die beiden Händler erhalten den Big Brother Award, der von der Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage verliehen wird, für den Verkauf von Smart Glasses des IT-Konzerns Meta. „Bei Smart Glasses handelt es sich schlicht um getarnte Abhöreinrichtungen, um getarnte Stalkerware“, sagte Laudatorin Elisabeth Niekrenz, Rechtsanwältin bei der Kanzlei Spirit Legal, bei der Vorstellung der Preisträger.

Digitalcourage vergibt die Negativauszeichnung Big Brother Awards jährlich. Die Preise gehen an Firmen, Personen und Institutionen, die besonders negativ auffallen mit Überwachungsvorhaben oder beim Umgang mit persönlichen Daten. Im vergangenen Jahr traf es unter anderem Tiktok und Google, aber auch die Deutsche Bahn und der Bezahldienst Klarna waren schon unter den Preisträgern.

Smart Glasses gibt es schon länger. Nachdem die ersten Modelle aber etwas nach dystopischem Science-Fiction-Film aussahen und der Verkauf eher schleppend lief, hat Meta für seine Brillen nun unter anderem den Hersteller Ray Ban, bekannt für stylische Sonnenbrillen, gewonnen. Ob jemand mit Brille Smart Glasses trägt, ist in der Praxis jetzt kaum noch zu unterscheiden. Dementsprechend ist es für Außenstehende auch schwer erkennbar, wenn jemand damit unauffällig filmt oder fotografiert. Zwar soll das Aufleuchten einer LED die Nutzung der Aufnahmefunktion anzeigen. Berichte von Nutzenden legen jedoch nahe, dass sich die LED manipulieren lässt und ein Aufnehmen damit verschleiern.

Raus aus der Tech-Nische

Ohne das Wissen darüber, gefilmt oder fotografiert zu werden, hätten Betroffene aber keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren, kritisiert die Juristin Niekrenz: „Aus diesem Grund ist es auch überhaupt keine Überraschung, dass diese Geräte besonders von Stalkern und Pick-up-Artists genutzt werden.“ Pick-up-Artists sind Menschen, vor allem Männer, die sich durch das Lernen und Anwenden von Manipulationstechniken versprechen, vor allem Frauen zur Einwilligung in sexuelle Handlungen zu bringen. Es handele sich bei Smart Glasses um das perfekte Werkzeug, um vor allem Frauen auf Online-Plattformen als sexualisierten Content für Klicks und Likes auszubeuten, so Niekrenz.

Waren Smart Glasses lange ein Spielzeug aus der Tech-Nische, markiert ihr Verkauf in gängigen Optik-Handelsketten laut Niekrenz eine Grenzüberschreitung: Er normalisiere eine minutiöse Aufzeichnung des Alltags – und liefere dem Meta-Konzern Daten über die Offline-Welt, die der Konzern bislang nicht habe: über das Leben an dem jeweiligen Ort, über Innenräume wie Fitnessstudios und Schwimmbäder und die Leute, die dort unterwegs sind.

„Fielmann und Apollo Optik erhalten diesen Preis, weil sie als die beiden marktführenden Optiker in Deutschland diese Geräte aus der Tech-Nische rausholen und Geschäfte mit dieser Stalkerware machen“, erklärt Niekrenz.

Änderungen an Licht und Software

Die beiden Handelsketten ließen eine Anfrage der taz unbeantwortet. Meta hatte erst vergangene Woche darauf hingewiesen, dass man das LED-Licht für die zweite Generation der Geräte heller gemacht habe. Per Software-Update soll außerdem sichergestellt sein, dass ein Abdecken oder Zerstören der LED erkannt und die Kamera in der Folge deaktiviert werde. Zu der Frage, von welchen Personengruppen und für welche Zwecke die Smart Glasses (hauptsächlich) genutzt werden, gab der Konzern an, keine Daten teilen zu können.

Einen Big Brother Awards bekommt in diesem Jahr erneut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) für den Plan, die Steuer-ID zum universellen Personenkennzeichen zu machen, sowie der Digitale Omnibus der EU. Diverse Gesetzesänderungen höhlen nach Ansicht von Kri­ti­ke­r:in­nen Datenschutzregeln aus.

Die evangelische Nordkirche bekommt den Negativpreis für den Einsatz von Microsoft-Produkten, und die Telekom für Überlegungen, mit T-Mobile US zu fusionieren, womit Daten hiesiger Kun­d:in­nen unter die Überwachung durch US-Behörden fallen könnten. Der von der Jugend-und-Technologie-Initiative Teckids vergebene Award geht an die Social-Media-Altersgrenze. Die Initiative vergleicht die Situation mit einem Freizeitpark, in dem eine unsichere Achterbahn steht: Statt diese zu schließen oder durch Reparaturen sicherzumachen, werde versucht, junge Menschen aus dem Freizeitpark auszusperren.

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