Wer kann Cyberkriminelle noch ausbremsen?
Auf dem Ruhrcongress in Bochum traten über 400 Hacker aus über 40 Ländern gegeneinander an. Durch den Wettbewerb sollen IT-Sicherheitsexperten gefunden werden.
16.10.2026 | 1:33 minSie werden White-Hat-Hacker oder ethische Hacker genannt. Sie sollen Firmen vor Cyberangriffen schützen, Sicherheitslücken schließen und den Black-Hat-Hackern, die illegal in Netzwerke eindringen, um Schaden anzurichten, immer einen Schritt voraus sein. So die Theorie.
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Lizenz zum Hacken
Seit 2003 gibt es das Zertifikat "Certified Ethical Hacker" (CEH), ausgegeben vom EC-Council, einem US-Anbieter für Cybersecurity-Zertifizierung. Es bescheinigt Kenntnisse im legalen Aufspüren von Sicherheitslücken in IT-Systemen. CEH-Zertifikate werden auch in Europa von vielen Behörden und Unternehmen akzeptiert. 400.000 Spezialisten für Cybersicherheit wurden laut EC-Council bislang ausgebildet und zertifiziert.
IT-Sicherheitsexperte Dennis-Kenji Kipker warnt: KI industrialisiere Cyberkriminalität. Digitale Gegenschläge allein lösten das Problem nicht.
13.05.2026 | 3:55 minDas Institut für Internet-Sicherheit der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen listet momentan 15 qualifizierte IT-Sicherheitsanbieter in Deutschland, die White-Hacker anbieten. Norbert Pohlmann, Leiter des Instituts, schätzt, dass es in Deutschland etwa 50 Cybersicherheitsfirmen gibt, die im Schnitt zehn White-Hat-Hacker beschäftigen. Große Unternehmen, so Pohlmann, hätten eigene White-Hat-Hacker, die dort aktiv werden.
Sehr gute White-Hacker werden immer gebraucht.
Prof. Norbert Pohlmann, Professor für Cybersicherheit, Westfälische Hochschule Gelsenkirchen
Cyberkriminelle verursachen jährlich Milliardenschäden in Deutschland. Auf der Konferenz für Cybersicherheit in Potsdam ging es um die Abwehr von Gefahren und mehr Resilienz.
25.06.2026 | 2:06 minWissensaustausch unter ethischen Hackern wichtig
Aber längst nicht alle, die ethisch und erfolgreich hacken, haben ein Zertifikat, weiß Karla Pizzi. Sie ist Mitorganisatorin der diesjährigen Europäischen Cybersecurity Challenge in Bochum, bei der die besten jungen Hacking-Talente Europas gegeneinander angetreten sind.
"Es ist in der IT-Sicherheitsszene üblich, sein Wissen auf Konferenzen, in Blogposts oder Whitepapers vorzustellen. Dieser Wissensaustausch ist für die Anerkennung von Hackern deutlich wichtiger als Zertifikate", so Pizzi.
Wichtig bei Ethical Hackern ist, gefundene Schwachstellen vertraulich an Unternehmen zu melden und diesen Zeit einzuräumen, um Updates zu veröffentlichen.
Karla Pizzi, Nachwuchsförderung IT-Sicherheit e.V.
Vor Kurzem war die Berliner Landesverwaltung Opfer eines Cyberangriffs - sensible Daten wurden gestohlen und im Darknet veröffentlicht.
09.09.2026 | 2:33 minDer Wettlauf gegen Cyberkriminelle
Immer häufiger werden Stadtverwaltungen lahmgelegt, Firmen angegriffen. Oft nutzen Hacker Sicherheitslücken in veralteter Software. Erst vor kurzem richteten Hacker Schaden in französischen Supermärkten an, indem sie Kühlregale quasi ferngesteuert außer Betrieb setzten.
Laut einer Erhebung von Bundeskriminalamt und Digitalverband Bitkom aus dem Jahr 2025 entstand der deutschen Wirtschaft in den vorhergegangenen zwölf Monaten durch Cyberattacken ein Schaden von schätzungsweise 202,4 Milliarden Euro. Das entspricht etwa 4,5 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts.
Der weltweite Schaden durch Cyberkriminalität im Jahr 2025 wurde vom Marktforschungsunternehmen Cybersecurity Ventures auf 10,5 Billionen US-Dollar geschätzt.
Die rasante KI-Entwicklung verschärft das Problem, so Pohlmann: "KI-basierte Angriffe machen die kriminellen Organisationen deutlich effektiver."
Auf der anderen Seite wird KI auch genutzt, um Sicherheitslücken automatisiert aufzuspüren. Doch es sei die Kombination aus White-Hat-Hackern und KI, so Pohlmann, "die in der Zukunft dafür sorgen wird, dass wir unsere Angriffsflächen managen und uns besser schützen können".
Cyberangriffe, Datenabflüsse - Die Warnungen, dass sich KI verselbstständigt, häufen sich. Wie sich dies verhindern lässt, ist unter anderem Thema auf dem "Big Bang KI Festival".
16.09.2026 | 2:54 minKI braucht menschliche Kontrolle
Und was, wenn KI nicht von Menschen gesteuert wird, sondern sich selbständig illegal in Systeme hackt? Dabei handele es sich um KI-Agenten, die nicht richtig begrenzt wurden, so Pohlmann.
Hier müsse man noch viel Erfahrung sammeln und Konzepte entwickeln, die bei der Definition und Umsetzung von Einschränkungen sowie der pragmatischen Human-in-the-Loop Einbindung, sprich der Einbindung des Menschen zur kritischen Überprüfung, helfen, meint Pohlmann weiter: "Die wirklich guten Hacker sind in der Lage, um die Ecke zu denken. Das können nicht viele Menschen. Auch wenn die KI viele Dinge gründlicher und schneller umsetzen kann, ist sie trotzdem nicht dazu befähigt, um die Ecke zu denken."
Es brauche laut Cybersicherheitsexperte Pohlmann daher weiterhin White-Hat-Hacker, die mit einer guten Intuition die Schwächen der KI kompensieren könnten.
Susanne Pohlmann ist Redakteurin beim ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO.
Cyberkriminelle rüsten auf
:KI als Waffe: So schlagkräftig sind Hacker heuteCyberkriminelle nutzen immer häufiger KI-Werkzeuge. Angriffe werden schneller und raffinierter. Diese Staaten sind besonders aktiv. Besonders verwundbar: Die Handys ihrer Opfer.
von Nils Metzger
mit Video0:15
Über dieses Thema berichtete "heute" am 16.10.2026 ab 19 Uhr.
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