Vorbild Genf: Verhütungsmittel sollen nun schweizweit gratis sein

- SP-Nationalrätin Tamara Funiciello fordert in einer Motion, dass Verhütungsmittel wie Pille, Kondom und Spirale schweizweit kostenlos erhältlich sind.
- Der Vorstoss kommt, nachdem Genf am Wochenende eine ähnliche kantonale Initiative angenommen hat – im Kanton Freiburg gilt die Gratisabgabe seit 2025 für unter 30-Jährige.
- SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr lehnt die Forderung ab: Verhütung sei Eigenverantwortung und «gratis ist nie gratis».
Im Kanton Genf sollen Verhütungsmittel künftig kostenlos erhältlich sein: Am Sonntag hat die Stimmbevölkerung eine entsprechende Initiative angenommen. Nun fordert SP-Nationalrätin Tamara Funiciello kostenlose Kondome, Pille und Spirale für die ganze Schweiz.
«Aufgabe der öffentlichen Gesundheit»
«Verhütung ist eine Voraussetzung für sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung», begründet Funiciello ihre Motion. Die Kosten dafür würden aber heute «fast ausschliesslich» Frauen tragen: «Eine Hormonspirale oder ein Implantat kostet bis zu 400 Franken, die Pille bezahlen sie über Jahrzehnte selbst.» Wer wenig Geld habe, verzichte auf sichere Methoden.
Die Finanzierung will Funiciello ausserhalb der Krankenkassenprämien regeln, «als Aufgabe der öffentlichen Gesundheit und der Gleichstellung». Der Grund: Das Parlament hat in der Vergangenheit wiederholt die Aufnahme von Verhütung in die Grundversicherung abgelehnt, da Verhütung weder Krankheit noch Mutterschaft sei. Die Abgabe soll «niederschwellig», namentlich über Apotheken, ärztliche Praxen und Fachstellen für sexuelle Gesundheit, erfolgen.
«Ob sich jemand sichere Verhütung leisten kann, darf nicht vom Wohnort abhängen», so die Bernerin. Im Kanton Neuenburg wurde 2025 beschlossen, Verhütungsmittel für unter 30-Jährige kostenlos zu machen. In Genf soll das seit dem Entscheid vom vergangenen Wochenende künftig für alle gelten. So entstünde ein Flickenteppich. «Deshalb braucht es eine nationale Lösung.»
«Gratis ist nie gratis»
«Verhütung ist eine persönliche Entscheidung und in erster Linie eine Frage der Eigenverantwortung, nicht eine neue Staatsaufgabe», sagt dagegen SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr. Der Zugang zu Verhütungsmitteln sei in der Schweiz gewährleistet, politischen Handlungsbedarf sehe sie deshalb nicht.
Auch das Argument, die finanzielle Last liege vor allem bei den Frauen, überzeugt Gutjahr nicht: «Wie die Kosten innerhalb einer Partnerschaft aufgeteilt werden, ist in erster Linie Privatsache.» Daraus eine staatliche Finanzierung abzuleiten, sei deshalb der falsche Schluss.
Wie sollte die Schweiz mit den Kosten für Verhütung umgehen?
«Gratis ist nie gratis: Wer laufend neue Leistungen fordert, die am Ende von der Allgemeinheit bezahlt werden sollen, darf sich über steigende Kosten nicht wundern», sagt Gutjahr.
Thomas Leu (tle) arbeitet seit 2026 bei 20 Minuten. Er ist Praktikant im Ressort Politik.
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