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Thursday, October 8, 2026

Ohne Licht und Funk: So schleusen Tanker ihre Ladung durch Hormus

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  • Öltanker schleusen trotz der iranischen Blockade der Strasse von Hormus Rohöl auf den Weltmarkt – ohne Licht, Funk und mit nur einem Radargerät.
  • Ein philippinischer Kapitän berichtet, wie seine Crew nachts nahe der omanischen Küste operiert und sich dabei an Küstenmerkmalen und einem Leuchtturm orientiert.
  • Laut JPMorgan fliessen derzeit täglich rund 17,5 Millionen Barrel Rohöl durch die Region.

Im Iran-Krieg blockieren die Truppen der iranischen Revolutionsgarde weiterhin die Meerenge von Hormus: Seit Monaten gibt es immer wieder Drohnen- und Raketenangriffe auf Frachter in dem Gebiet, das für den weltweiten Ölhandel so essenziell ist. Immer wieder gibt es Berichte, wonach Tanker mit grossen Mengen Öl die Blockade durchbrochen hätten – wie dies genau gelang, war bislang nur ansatzweise klar.

Jetzt beleuchtet Bloomberg in einer Recherche ausführlich, wie es den Besatzungen der Schiffe und dem US-Militär gelingt, immer wieder Ölladungen an Teherans Blockade vorbeizuschleusen und so dem Weltmarkt zugänglich zu machen. Dabei spielt vor allem der südliche Teil der Meerenge vor dem Oman eine Schlüsselrolle.

So reagierte der Kapitän auf den Angriff

Am Beispiel eines nicht namentlich genannten Kapitäns lässt sich der Ablauf gut aufzeichnen: Dieser war zuletzt in der Meerenge, die an der engsten Stelle nur etwa 30 Kilometer breit ist, unterwegs, als ein Tanker vor seinem Schiff getroffen wurde. Sofort habe der erfahrene Seemann seinen 300 Meter langen Kahn am brennenden Tanker vorbeigesteuert und die US-Marine informiert, berichtet die «Japan Times».

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Sein Schiff ist Teil einer Art Schleuserflotte, die in den Gewässern direkt vor dem Oman operiert. Dabei werden die Schiffe, meistens in der Nacht, mit Öl beladen, während sie nur 1,6 Kilometer von der Küste entfernt sind. Dabei gebe es strikte Regeln, um die Schiffe möglichst schwer auffindbar zu machen: Licht und die Nutzung von Handys seien verboten, zudem müssten sich die Schiffe auf nur ein Radargerät statt wie normal mehrere parallel laufende Geräte verlassen.

Navigatoren der alten Schule haben Vorteile

Trotz der Nähe zur Küste können auch die grossen Supertanker in den etwa 100 Meter tiefen Gewässern operieren – wenn die Crew über die nötige Erfahrung verfügt: Seine Besatzung habe sich am Küstenverlauf und einem Leuchtturm orientiert und die Navigationslichter am Schiff gar nicht erst eingeschaltet. «Ich habe das Glück, dass ich mich noch an die traditionelle Navigation erinnere, an die alte Schule», so der philippinische Kapitän.

Auch mit Blackout ist der Vorgang äusserst gefährlich, entsprechend werden die Schiffe auch durch die im Gebiet anwesenden Streitkräfte des US-Militärs geschützt. Der Kapitän berichtet, dass er einmal einen Kampfjet über seinem Tanker gesichtet habe, ein anderes Mal einen Helikopter der US-Marine.

US-Banken: Ölexporte stabilisieren sich

Laut Schätzungen der US-Grossbanken JPMorgan Chase & Co. und der Goldman Sachs Group steuern die Ölexporte durch den Nahen Osten langsam wieder das Vorkriegsniveau an. Laut JPMorgan fliessen derzeit täglich etwa 17,5 Millionen Barrel Rohöl durch das Gebiet, was grob etwa 80 Prozent der Menge entspricht, die vor dem durch die USA und Israel ausgelösten Krieg exportiert wurde.

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Die hohen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs werden nach Aussage von IWF-Chefin Kristalina Georgiewa noch einige Zeit bestehen bleiben. «Der Preisdruck könnte sich weiter verstärken, da die Nachfrage mit dem Beginn der kalten Jahreszeit auf der Nordhalbkugel steigt und die Länder ihre Reserven wieder auffüllen», warnte Georgiewa laut Redemanuskript in Singapur. Selbst wenn der Konflikt bald ende, dürften die Preise bis 2027 hoch bleiben, sagte sie vor der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank, die kommende Woche in Bangkok beginnt.

Energieagentur will geforderte Öl-Vorräte freigeben

Die Internationale Energieagentur (IEA) will den von den G7-Staaten geforderten Zugriff auf Ölnotreserven umsetzen, wie sie am Mittwoch mitteilte. Die IEA-Mitgliedsregierungen hätten sich dafür ausgesprochen, die im März beschlossene Freigabe von Ölreserven zu beschleunigen und so bald wie möglich abzuschliessen, teilte die IEA nach einem Treffen in Paris mit. Angesichts der angespannten Lage auf den Dieselmärkten solle der Freigabe von Dieselvorräten so weit wie möglich Vorrang eingeräumt werden.

Die IEA hatte im März als Reaktion auf den Iran-Krieg die Freigabe einer Rekordmenge von 400 Millionen Barrel Rohöl aus strategischen Ölreserven beschlossen. Davon seien bislang rund 325 Millionen Barrel tatsächlich freigegeben worden, wobei einige Länder grössere Mengen freigegeben hätten, als sie ursprünglich zugesagt hatten, teilte die IEA mit. Die vollständige Freigabe aller im März zugesagten Bestände, die noch nicht freigegeben wurden, würde rund 100 Millionen Barrel auf den Markt bringen. Dies entspricht der von den G7 geforderten Menge.

Wie viel bringen die Reserven?

Die Freigabe dürfte aber nicht viel mehr sein als ein Tropfen auf dem heissen Stein: 100 Millionen Barrel entsprechen in etwa der Nachfrage an Rohöl, von der die IEA weltweit pro Tag ausgeht. Die akute Knappheit am Markt dürfte also weiter bestehen, bis sich die Situation in der Strasse von Hormus und in Bab al-Mandab langfristig entspannt. Denn auch um die Kontrolle über die Meerenge bei Jemen sind nach der Blitzoffensive der Huthi-Miliz zuletzt Kämpfe entbrannt.

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Mit Material der DPA

Benedikt Hollenstein

Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.

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