Roman «Luft nach unten» – Tamara Štajners Werk lässt literarisch kaum Luft nach oben

Tamara Štajners neuer Roman gehört wohl zum Bemerkenswertesten, was in diesem Sommer an neuen Büchern erschienen ist.
Kaum erschienen, bereits preisgekrönt
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«Luft nach unten» ist am Wettlesen beim Ingeborg-Bachmann-Preis vor zwei Jahren mit dem Kelag-Preis ausgezeichnet worden. Kaum ist nun das fertige Buch erschienen, erhält es bereits den Exil-Literaturpreis des Vereins Exil in Wien und steht auf Platz 1 der ORF-Bestenliste.
«Luft nach unten» ist der zweite Roman der 39-jährigen Musikerin, Performerin und Schriftstellerin.
Der Roman ist eine Reise in die Vergangenheit: Zurück in eine abgründige Mutter-Tochter-Beziehung, zurück ins ehemalige Jugoslawien. Nach vielen Jahren in Wien kehrt Iva, die Protagonistin des Romans, an den Ort ihrer Kindheit zurück, an den Ohridsee im heutigen Nordmazedonien, wo Ivas Familie ein Hotel betrieben hat.
Geheimnisse und Gräben tun sich auf
Der Grund der Reise: Marjia ist gestorben, Ivas einstiges Kindermädchen. Doch als Iva auf den Friedhof kommt und den Grabstein sieht, stehen da zwei Namen drauf: der von Marija und der eines siebenjährigen Mädchens, gestorben im Sommer 1989. Was ist passiert? Ein Familiengeheimnis wird enthüllt.
Aber nicht nur in Ivas jugoslawischer Kernfamilien tun sich Gräben auf, auch im fernen Wien läuft es nicht rund. Iva ist mit Felix verheiratet und will unbedingt ein Kind. Aber es klappt nicht. Die Szenen, in denen geschildert wird, was das Paar alles unternimmt, um die Schwangerschaft dennoch zu erzwingen, gehören zu den lustigsten Passagen dieses Romans.
Aber es gibt auch eine Kehrseite: Die Sexualität der beiden wird zum Dauerstress. Dafür hat Iva einen Liebhaber. Der ist verheiratet und wird sich nicht von seiner Frau trennen. Der Sex aber ist ungezwungen und ganz anders als der mit Felix.
Die Mutter, ein Messi
Zentrum des Textes sind die Briefe an die Mutter, in denen Iva versucht, mit ihrer Mutter zu Hause in Slowenien in einen Austausch zu treten. Das ist gar nicht so einfach, denn die Mutter ist ein Messi. Zudem leidet sie unter Fettleibigkeit und andauernden Fressattacken.
Iva ekelt sich und versteht nicht, was mit der Mutter los ist. Die Briefe schreibt sie ihr aus der Ferne. Keine Anklagen, sondern Liebeserklärungen. Mitunter die schönsten Passagen in diesem Roman.
Buchhinweis
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Tamara Štajner: «Luft nach unten». 336 Seiten. Zsolnay, 2026.
Vieles von dem, was Tamara Štajner in «Luft nach unten» schreibt, schöpft sie aus ihrem eigenen Leben. Wie Iva ist sie Musikerin, stammt aus Slowenien, lebt in Wien und hat grossen Respekt vor den kämpferischen Frauen aus dem ehemaligen Jugoslawien, für die Ivas Mutter steht.
Bereichernd und poetisch
Trotzdem ist das keine klassische Autofiktion, sondern eine gekonnte literarische Umsetzung. Die Art und Weise, wie die Ebenen miteinander verbunden sind, ist beeindruckend. Die Formenvielfalt, die von der klassischen Erzählung über die Briefe bis zu Whatsapp-Chats reicht, ist bereichernd und einleuchtend.
Am stärksten aber ist Tamara Štajners Sprache. Ihre musikalische Poesie, vor allem in den Briefen. So erstaunt es auch nicht, dass gegen Ende des Buches wie durch Zufall der Name Ingeborg Bachmann einmal erwähnt wird.
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