Teures Benzin und Diesel – Rekordhohe Spritpreise: Wie Staaten gegensteuern

Geopolitische Krisen, angespannte Lieferketten und anhaltend hohe Rohölpreise treiben die Treibstoffkosten weltweit in Rekordhöhen. Um Verbraucher und Wirtschaft zu entlasten, greifen Regierungen und Konzerne zu teils sehr unterschiedlichen Mitteln.
Italien
In Italien greift der staatlich kontrollierte Energiekonzern Eni ein: Für mindestens einen Monat werden die Zapfsäulenpreise auf umgerechnet 1.88 Franken für Benzin und 2.07 Franken für Diesel gedeckelt, was zugleich eine drohende Übergewinnsteuer abwenden könnte. Zuvor hatte der Staat monatelang Dieselrabatte gewährt. Ausserdem folgt eine weitere Entlastung für das kommende Jahr: Die ungeliebte Autosteuer wird für kleine und mittlere Wagen sowie für Motorräder und Roller 2027 gestrichen. Das betrifft über 70 Prozent der Fahrzeuge – Fahrzeugbesitzende sparen im Schnitt über 130 Franken, was die Staatskasse etwa 2.2 Milliarden Franken kostet.
Deutschland
In Deutschland kostet Benzin derzeit umgerechnet 2.15 und Diesel 2.20 Franken pro Liter. Die Bundesregierung reagiert mit einer Neuauflage des Tankrabatts: Von Oktober bis Ende Dezember wird die Energiesteuer gesenkt, was inklusive Mehrwertsteuer rund 16 Rappen Ersparnis pro Liter bringen soll. Für Januar 2027 ist zudem ein befristeter Spritpreisdeckel geplant. Kritik gibt es jedoch an der seit April bestehenden «12-Uhr-Regel», die Preiserhöhungen nur einmal täglich erlaubt, laut ADAC aber zu extremen Preissprüngen am Mittag führt.
USA
Während Benzin umgerechnet 1.06 Franken pro Liter kostet, hat Diesel mit rund 1.44 Franken pro Liter ein Allzeithoch erreicht, was Transport und Landwirtschaft massiv belastet. Präsident Donald Trump prüft daher ein vorübergehendes Verbot von Dieselexporten, um das Inlandangebot zu stützen. Der Vorschlag ist umstritten: Energieminister Chris Wright und die Ölindustrie warnen davor, da Raffinerien bei Exportstopps ihre Produktion drosseln könnten, was das Benzin verknappen und Partnerländer wie Mexiko destabilisieren würde.
Frankreich
Angesichts der Erinnerung an die Gelbwesten-Proteste von 2018 wächst in Paris die Sorge vor neuen Massendemonstrationen. Dennoch verzichtet die Regierung auf ein breites Entlastungsprogramm: Präsident Emmanuel Macron hat kommuniziert, dass Frankreich Treibstoff wegen der angespannten Haushaltslage nicht dauerhaft subventionieren könne – der Staat habe die Bevölkerung schliesslich bereits während der Pandemie und früherer Energiekrisen massiv entlastet. Für Benzin und Diesel zahlen Autofahrende derzeit umgerechnet 1.10 beziehungsweise 1.31 Franken pro Liter. Staatliche Hilfen erhalten daher nur Geringverdienende mit einem täglichen Arbeitsweg von über 30 Kilometern (ausgeweitet auf 5.5 Millionen Berechtigte). Zudem gibt es Sonderhilfen für besonders betroffene Branchen wie Fischerei, Landwirtschaft und Bau. Das gesamte Hilfspaket beläuft sich auf 1.4 Milliarden Euro.
Schweiz
In der Schweiz liegt der Preis für Benzin bei 2.13 und für Diesel bei 2.42 Franken pro Liter. Als Reaktion auf die angespannte Lage gab der Bund im September 2026 vorübergehend Treibstoff aus den Pflichtlagern frei. Auslöser waren der Ausfall der Raffinerie in Cressier sowie Transportschwierigkeiten auf dem Rhein infolge von Niedrigwasser. Nach der Wiederinbetriebnahme der Anlage waren keine weiteren Bezüge mehr nötig. Die Freigabe diente primär der Versorgungssicherheit und nicht der direkten Preissenkung.
SRF-Wirtschaftsredaktor: «Der Staat kann Preise nur umverteilen»
Box aufklappen Box zuklappen
Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Damian Rast:
Haushalte und Unternehmen können auf starke Energiepreisanstiege kurzfristig kaum reagieren – etwa Pendler auf dem Land, Haushalte mit Ölheizung oder energieintensive Firmen. Deshalb kann staatliche Hilfe sinnvoll sein, um soziale oder wirtschaftliche Folgen abzufedern.
Laut dem Internationalen Währungsfonds IWF sollte die Entlastung aber zielgerichtet, befristet und so gestaltet sein, dass der Anreiz zum Energiesparen erhalten bleibt. Direkte Zahlungen an einkommensschwache Haushalte erfüllen diese Kriterien, sofern gut umgesetzt, sind aber administrativ aufwendig. Eine Senkung der Treibstoffsteuern ist einfacher und schneller umsetzbar, hilft jedoch auch Wohlhabenden und schwächt den Sparanreiz. Preisdeckel können entlasten, bergen aber Versorgungsrisiken.
Entscheidend ist: Der Staat kann hohe Energiepreise nicht beseitigen, sondern nur umverteilen. Die Kosten tragen am Ende andere Steuerzahler, Unternehmen oder über neue Schulden künftige Generationen.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.