«Frau Rosenwasser, dann muss ich auch Skifahren verbieten!»

Feuerwerk-Zoff in der «Arena»
«Frau Rosenwasser, dann muss ich auch Skifahren verbieten!»
In der SRF-«Arena» zur Feuerwerks-Initiative wurde über die Folgen der Knallerei gestritten. Dabei ging es um verängstigte Tiere und Menschen, die persönliche Freiheit – und überraschende Vergleiche.
Publiziert: vor 28 Minuten
- In der «Arena» lieferten sich Befürworter und Gegner der Feuerwerks-Initiative einen Schlagabtausch
- Bundesrat Rösti konterte eine Aussage zu überlasteten Notaufnahmen mit einem Vergleich zum Skifahren
- Befürworter wollen Menschen und Tiere vor Knallerei schützen, Gegner warnen vor Einschränkungen der persönlichen Freiheit
Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik
Wie gefährlich ist Feuerwerk? Und wie weit darf – ja, sollte – der Staat gehen, um Menschen und Tiere davor zu schützen? In der «Abstimmungs-Arena» von SRF zur Feuerwerks-Initiative prallten dazu die Meinungen aufeinander. Während die Befürworter vor allem die Folgen der Knallerei ins Feld führten, warnten die Gegner vor einem unverhältnismässigen Eingriff in die persönliche Freiheit.
Besonders deutlich wurde das, als die Zürcher SP-Nationalrätin Anna Rosenwasser (36) über Verletzungen durch Feuerwerk sprach – und der zuständige Bundesrat Albert Rösti (59, SVP) mit einem Vergleich konterte.
«Dann muss ich auch das Skifahren verbieten!»
Rosenwasser argumentierte, die Initiative könne verhindern, dass Kinder beim Abbrennen von Feuerwerk im Spital landen. Denn: «Spitäler und Notaufnahmen sind am 1. August und an Silvester hoffnungslos überlastet.»
Moderator Sandro Brotz (57) widersprach: «Stimmt nicht, wir haben es abgeklärt.» Man habe beim Berner Inselspital und in Zürich nachgefragt. Es gebe zwar mehr Patienten, die Notaufnahmen seien aber weder hoffnungslos überlastet noch am Anschlag. Rosenwasser erwiderte, sie habe bei anderen Stellen nachgefragt. Konkrete Spitäler nannte sie auf Nachfrage aber nicht.
Darauf schaltete sich Rösti ein: «Frau Rosenwasser, dann muss ich auch das Skifahren verbieten!» Denn auch beim Skifahren gebe es einen Anstieg der Unfälle im Berner Oberland. Auf die Idee eines Verbots komme deshalb niemand, so Rösti. Für den Umweltminister war es ein Beispiel für seine zentrale Kritik, dass die Initiative zu weit gehe.
«Bedeutungsvolle Feuerwerke werden nicht verboten»
Am 29. November stimmt die Schweiz darüber ab, ob lärmerzeugendes Feuerwerk grundsätzlich verboten werden soll, beim Verkauf wie bei der Verwendung. Lärmarme Produkte wie Vulkane blieben erlaubt. Für Anlässe von überregionaler Bedeutung könnten die Kantone Ausnahmen bewilligen (alles Wichtige zur Initiative liest du hier).
Rösti zeigte Verständnis für die Belastung durch die Knallerei, insbesondere für Tiere. Er verwies aber auf die bestehenden Möglichkeiten von Kantonen und Gemeinden, Feuerwerk einzuschränken. Zudem könnten Tierhalter rund um den 1. August und Silvester Vorkehrungen treffen. Ihm gehe es um die Verhältnismässigkeit und die Freiheit.
Prägender Kopf der Initiative ist Roman Huber (71). Der pensionierte Journalist arbeitet heute als Hundetrainer – und weiss, wie Tiere auf plötzliche Knalle reagieren können. Er hielt dagegen: Das Problem seien gerade nicht die angekündigten grossen Feuerwerksshows, sondern private Knaller, die unvermittelt und auch Tage vor oder nach Feiertagen gezündet würden. Sie erschreckten Menschen und Tiere.
Huber kritisierte den Flickenteppich an Gemeinderegeln. Wenn eine Gemeinde Feuerwerk verbiete, könne in der Nachbargemeinde weiterhin geböllert werden. Deshalb brauche es eine landesweite Regelung. Er betonte: «Die professionellen, schönen, grossen, bedeutungsvollen Feuerwerke werden nicht verboten.» Verhindern wolle man vor allem die willkürliche private Knallerei.
«Das muss auf Gesetzesebene geregelt werden»
Mitte-Nationalrätin Regina Durrer-Knobel (55) teilte die Sorge um erschreckte Tiere. Ihre eigenen Katzen reagierten ebenfalls auf plötzliche Knalle. Trotzdem lehnte sie die Initiative ab. «Das muss auf Gesetzesebene geregelt werden», betonte die Nidwaldnerin.
Durrer-Knobel hatte sich für einen indirekten Gegenvorschlag eingesetzt, der statt eines Verkaufsverbots eine Bewilligungspflicht für lautes Feuerwerk vorsah. Dieser scheiterte letztlich im Parlament. Selbst die abgeschwächte Variante wäre für sie aber besser gewesen als die Initiative, die das Verbot in der Bundesverfassung verankern will.
Rosenwasser wiederum argumentierte mit den Grenzen des Föderalismus: «Mir wäre nicht bekannt, dass Lärm und Feinstaub, der krebserregend sein kann, jemals schon vor einer Gemeindegrenze haltgemacht hätten.» Der Feinstaub belaste insbesondere Menschen mit Atemwegserkrankungen und ältere Personen. Auch Tiere würden durch die Knallerei aufgeschreckt, teilweise sogar aus dem Winterschlaf gerissen. Für Rosenwasser ging es deshalb um Rücksichtnahme statt um ein Ende der Feuerwerkstradition.
Stand jetzt hat die Initiative gute Chancen: Laut der ersten Abstimmungsumfrage von GFS Bern im Auftrag der SRG wollen 69 Prozent ein Ja in die Urne legen, nur 29 Prozent sprechen sich gegen das Volksbegehren aus. Mehrheiten zeigen sich derzeit über alle politischen Lager hinweg.
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