Slowenien-Matchwinner Ndoye – Der Löwe ist seriös geworden

Erst rasselt er mit Vanja Drkusic zusammen, dann wird er über die Bande bugsiert. Doch schliesslich zeigt er wieder die Krallen: Dass Dan Ndoye die Schweiz im zähen Duell mit Slowenien nach frühem Rückstand zum Sieg schiesst, ist alles andere als ein Zufall. Der Nottingham-Söldner ist mittlerweile zur offensiven Lebensversicherung von Murat Yakin gereift. Ndoye hat seit Juni 2025 im Nati-Dress satte zehn Tore erzielt. Insgesamt kommt er auf elf Treffer und sieben Vorlagen in 40 Einsätzen.
Gegen Schottland liefert er am Dienstag die Assists zu beiden Toren. Gegen Slowenien schliesst er nahtlos daran an: Geschickt stellt er den Fuss zwischen Ball und Gegner, trifft aus der Drehung zum 2:1. Und lässt den bei Nati-Fans fast schon zur Gewohnheit gewordenen Löwen-Jubel folgen. Nach dem Spiel bleibt Ndoye, der in 3 Wochen seinen 26. Geburtstag feiert, sachlich: «Wir haben uns sofort wieder auf das Wesentliche konzentriert, versucht, Druck zu machen», erklärt er in der Mixed Zone. «Wir waren geduldig und haben im richtigen Moment unsere Chancen gepackt.»
Rochade zum Abschluss?
Im Vorfeld der Kampagne war häufig der Begriff «Belastungssteuerung» gefallen. Doch Yakin schickte gegen Slowenien dieselbe Elf auf den löchrigen Luzerner Rasen wie vier Tage zuvor. Es ist ein Zeichen, dass die Nations League für den Nationaltrainer nicht mehr wie früher primär ein Experimentierkasten ist. Anschliessend begründet er im Falle von «Dauerläufer» Ndoye, der fast durchspielt: «Er und Johan Manzambi haben in beide Richtungen viel gearbeitet. Dan sprintet viel, erledigt in der Offensive wie in der Defensive viel Arbeit. Er hat es hervorragend gemacht.»
Immerhin: Für den wiederum in Luzern stattfindenden Abschluss der vier Partien umfassenden, ersten Nations-League-Tranche (am Dienstag gegen Nordmazedonien) stellt Yakin Wechsel in Aussicht: Es gebe «zwei, drei Spieler, die wir berücksichtigen, vielleicht sogar schützen wollen. Denn Fussballprofis wollen immer spielen.»
Gesicht einer seriösen Nati
Dazu gehört fraglos Ndoye. Doch er hat in den letzten Jahren seiner fast grenzenlosen Spielfreude ein Element an Seriosität hinzugefügt. Als Jungspund genoss er beim FC Basel lange einen ambivalenten Ruf: verspielt und spektakulär zum einen, doch zugleich oft ein veritabler Chancentod.
Mittlerweile verfügt der Premier-League-Akteur über eine Ernsthaftigkeit, die symptomatisch für dieses aktuelle Schweizer Team steht. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Doch seit der letztjährigen WM-Qualifikation hat sich gezeigt, dass die Schweiz mit der Favoritenrolle immer besser zurechtkommt. Mittendrin meist Ndoye: Tor gegen Argentinien, Tor gegen Algerien, gegen Australien, Jordanien und auch Deutschland.
«Wir versuchen, jeden Tag und in jedem Spiel zu zeigen, dass wir zu den Besten gehören», sagt Ndoye. Er hat grossen Anteil daran, dass dieser Anspruch realistisch ist. Und dass die Balance zwischen Spielfreude und Erfolg stimmt.
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