Epic Games verschiebt Disney-Shooter und stellt Entwicklung auf KI um
Epic Games hat die Veröffentlichung seines ersten Spiels aus der Partnerschaft mit Disney verschoben, berichtet Bloomberg. Die Entwickler sollen das Spiel demnach nun mit deutlich mehr KI-Unterstützung fertigstellen. Der Shooter mit Figuren aus Marvel und „Star Wars“ sei für März 2027 geplant gewesen, einen neuen Termin hat Epic auch intern noch nicht genannt.
Laut Bloomberg sollen die Entwickler jetzt auf ein „AI first“-Produktionsmodell umstellen: KI-Werkzeuge wie Anthropics Claude übernehmen die Arbeit, Menschen steuern und betreuen sie. „Kein handgeschriebener Code mehr“, schrieb einer der Directors des Spiels in einer internen Nachricht an das Team, die Bloomberg einsehen konnte. Auch die gesamte Grafik des Spiels soll demnach komplett mit KI-Workflows entstehen.
Die Arbeit an dem Spiel schreitet Bloomberg zufolge langsamer voran als erwartet. Epic habe unter anderem unterschätzt, wie viele Mitarbeiter und wie viel Zeit die Produktion erfordert. Den KI-Einsatz hatte Epic schon zuvor in allen Unternehmensbereichen vorangetrieben.
„Wir setzen auf KI-beschleunigte Entwicklung, angeführt von Epic-Entwicklern, die die Visionäre und kreativen Triebkräfte hinter allem sind, was wir tun“, teilte Epic-Kommunikationschef Jake Jones Bloomberg mit. Disney reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.
Skepsis im Team
Die Ankündigung soll einige Epic-Entwickler bei einem Videocall Anfang Oktober überrascht haben, berichtet Bloomberg. Manche scherzten demnach, ob sie Claude bitten sollten, seine eigenen Fehler zu beheben. Andere äußerten die Hoffnung, die Anweisung sei nicht ernst gemeint oder werde zurückgenommen. Sie bezweifelten, dass das Vorgehen den Erfolg bringt, den sich Epic davon erhofft.
Der Einsatz generativer KI ist in der Spielebranche umstritten. In der Branchenumfrage „State of the Game Industry“ der GDC gaben 2026 mehr als ein Drittel der über 2300 Befragten an, generative KI im Job zu nutzen. Gleichzeitig hält mehr als die Hälfte die Technik für schädlich für die Branche. Auch viele Spieler kritisieren KI-generierte Inhalte in Spielen als minderwertig, schreibt Bloomberg. Solche Vorbehalte betreffen in der Regel besonders grafische Assets und Texte.
Milliarden von Disney
Disney hatte 2024 1,5 Milliarden US-Dollar in Epic investiert und dafür eine Beteiligung an dem Unternehmen erhalten. Teil der Vereinbarung ist eine Partnerschaft über mehrere Spiele, die mit dem Shooter beginnen sollte. Im April hatte Bloomberg berichtet, dass Epic an mehreren Disney-Spielen arbeitet und das erste davon ein Extraction Shooter im Stil von „Arc Raiders“ werden soll. Epic erklärte damals, der Bericht werde den Ambitionen der Zusammenarbeit nicht gerecht.
Epic steht wirtschaftlich unter Druck: Im März hat das Unternehmen mehr als 1000 Stellen gestrichen, unter anderem wegen nachlassender Spieleraktivität in „Fortnite“. Firmenchef Tim Sweeney betonte damals in seiner Mitteilung an die Belegschaft, die Entlassungen hätten nichts mit KI zu tun. Soweit KI die Produktivität steigere, wolle Epic so viele gute Entwickler wie möglich beschäftigen.
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