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Sunday, September 20, 2026

Amelia zieht aus der Schweiz heim nach England – «keine Reue»

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  • Die Britin Amelia Sewell kehrte nach über zwölf Jahren im Ausland, zuletzt in der Schweiz, nach England zurück.
  • Trotz massiv gestiegener Steuern und Lohneinbussen bereut sie den Umzug nach eigenen Angaben nicht.
  • Das britische Schulsystem und der Gemeinschaftssinn auf dem Land seien die grössten Pluspunkte – ihr privilegiertes Leben erntet jedoch viel Kritik.

Die Britin Amelia Sewell lebte über zwölf Jahre lang mit ihrer Familie im Ausland – zuletzt in der Schweiz. Als sie im Frühling in einem Artikel im «Telegraph» ankündigte, nach Grossbritannien zurückzukehren, wurde sie mit Warnungen eingedeckt: Das sei eine ganz schlechte Idee.

Nun meldete sich Sewell zurück. Seit fünf Monaten wohnt sie wieder in England. «Bislang bereue ich meinen Umzug nicht», schreibt sie. «Ich habe recht behalten.» Allerdings räumt sie ein, dass die Schweiz mehrere Vorzüge habe. Das sind ihre Argumente.

1. Punkt für die Schweiz: Funktionierende Bürokratie

Im Vergleich zu den anderen Ländern, die Sewell in den letzten zwölf Jahren bewohnt hatte, könne sie «bestätigen», dass Grossbritannien «unter einer extremen finanziellen und technologischen Inkompetenz leidet, die durch eine Überdosis politischer Clownerie noch verschlimmert wird».

Besonders «für jemanden, der von der effizient organisierten Schweiz kommt, ist das äusserst ärgerlich.» Die Schweiz sei ein Land, in dem man sich der Grenzen der Technologie bewusst sei und sie nur dann einsetze, wenn sie eine Verbesserung bringe, so Sewell.

«Für jemanden, der aus der effizient organisierten Schweiz kommt, ist das äusserst ärgerlich»

Amelia Sewell

Auch die Politik sei in der Schweiz besser erträglich. «Trotz der vielen pedantischen Gesetze in der Schweiz ist es ein Land, in dem die Politik nur wenig Einfluss auf den Alltag der Menschen nimmt», schreibt Sewell. Dies sei in Grossbritannien ganz anders.

2. Punkt für die Schweiz: Lohn und Steuern

Privat mussten die Sewells für den Umzug aus der Schweiz ebenfalls einiges zurückstecken. Ihr sechsstelliges Salär für den Job bei einer Schweizer Bank musste Amelia aufgeben. Auch der Lohn ihres Mannes wurde an die Verhältnisse in England angepasst.

Glaubst du, die Schweizer Bürokratie steht im internationalen Vergleich gut da?

Dafür stiegen ihre Steuern von 25 Prozent auf 40 Prozent an. «Man könnte durchaus meinen, dass wir unsere Entscheidung inzwischen bereuen. Das ist jedoch nicht der Fall», versichert sie.

1. Punkt für Grossbritannien: Bessere Bildung

Einer der Hauptgründe, weshalb die Familie sich dazu entschlossen hatte, zurückzukehren, sei die Bildung gewesen, so Sewell. «Wir wollten ein Schulsystem, in dem Prüfungsergebnisse nicht wichtiger sind als die Entwicklung der Persönlichkeit», schreibt die Mutter zweier Buben.

«Ein System, das davon ausgeht, dass man ausserhalb des Klassenzimmers genauso viel lernen kann wie drinnen.» Allein deshalb habe sich die Rückkehr gelohnt. «An der Privatschule meiner Kinder haben sie fast genauso viel Zeit auf dem Sportplatz verbracht wie hinter dem Schreibtisch.»

2. Punkt für Grossbritannien: Ländliches Zusammenleben

Damit aber nicht genug: «Wir haben vieles entdeckt, was uns am Leben in Grossbritannien besonders gefällt», fügt Sewell an. Das Landleben pulsiere. Es gebe einen starken Zusammenhalt der Gemeinschaft. «Das, was man ausserhalb Grossbritanniens nicht oft genug findet, sind die Briten selbst», schreibt Sewell weiter und zählt einige Beispiele auf:

«David, unser fröhlicher Postbote, der dem Hund ein Leckerli mitbringt; Bill, der Eiswagenfahrer, der meine Kinder mit Namen begrüsst; oder einfach die Nachbarn, die zum Kaffee kommen, wenn sich jemand einsam fühlt.»

Ist es einfach nur Heimweh?

Die über tausend Kommentare unter dem neuen Artikel von Sewell fallen überwiegend negativ aus. Einige spotten, dass die beschriebenen Probleme im Artikel eher gegen ihre Verteidigung des britischen Lebens sprechen würden. Ein Kommentar betont, dass das Einzige, was für die Rückkehr sprach, ihr Heimweh gewesen sei.

Auch wird darau, dass sie ein privilegiertes Leben führe – mit Privatschule für die Kinder, Landleben und einer Zweitwohnung in London. So könne man es sich überall gemütlich machen, schreiben Kommentierende. Repräsentativ für den Durchschnitts-Briten seien diese Vorzüge nicht.

Simon Misteli

Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.

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