Kutschen im Berner Oberland – Leiden Interlakens Kutschenpferde unter der Hitze?

Kutschen im Berner Oberland Leiden Interlakens Kutschenpferde unter der Hitze?
Die Vorwürfe sind massiv: Tierquälerei und Tiermisshandlung. Die Kontrollen der Behörden zeigen aber keine Mängel. Nun beschäftigt der Umgang mit Kutschenpferden die Politik.
Pferde stehen in der Sonne und lassen die Köpfe hängen. Andere sind auf Interlakens Strassen unterwegs und wirken müde. Solche Bilder sorgen für Kritik. Eine Frau, die ihren Namen nicht öffentlich machen möchte, erhebt schwere Vorwürfe. Sie sagt, den Kutschenpferden in Interlaken gehe es schlecht.
«Tiere leiden und können nicht mehr»
«Die Pferde werden gequält und ausgebeutet.» Besonders in den vergangenen Monaten hätten die Tiere unter der Hitze gelitten. «Ich habe beobachtet, wie Kutschenbetreiber mit den Pferden von früh bis spät fahren, ohne Pause und ohne sie zu füttern. Für mich ist klar: Die Pferde leiden und können nicht mehr.»
Meldungen über die Kutschenpferde in Interlaken gibt es jedes Jahr. In diesem Hitzesommer waren es besonders viele. Der Berner Kantonstierarzt Reto Wyss sagt, man nehme die Meldungen ernst und gehe ihnen nach. Auch dieses Jahr habe man Kontrollen durchgeführt.
Behörden sehen keine Verstösse
«Wir haben keine Mängel festgestellt. Die Pferde waren bei unseren Kontrollen nicht überfordert oder überlastet. Wir sind zum Schluss gekommen, dass kein Verstoss gegen die Tierschutzgesetzgebung vorliegt», so der Kantonstierarzt.
Ernst Voegeli bietet Kutschenfahrten in Interlaken an. In seinem Betrieb in Unterseen bei Interlaken hält er vierzig Pferde. Er ist einer von mehreren Anbietern in der Tourismusdestination. Seit Mai habe sein Betrieb mehrere Hundert Beschwerden erhalten.
Geht es unseren Tieren schlecht, geht es auch uns schlecht.
«Was diesen Sommer abgegangen ist, das hat fast dem Fass den Boden ausgeschlagen. Wir erhielten jeden Tag gut zehn Anrufe und zehn Mails.» Die Menschen hätten sich beschwert, die Pferde würden leiden. Ernst Voegeli ist überzeugt, dass es seinen Tieren gut geht.
«Geht es den Pferden schlecht, geht es auch uns schlecht. Wir sind also darauf angewiesen, dass es ihnen gut geht.» Dazu gehöre, Pausen einzulegen, die Tiere regelmässig zu bewegen und ihnen Wasser bereitzustellen. «Unser ältestes Pferd ist 32-jährig. Das zeigt, dass wir gut zu unseren Tieren schauen.» Voegeli schliesst nicht aus, dass andere Fuhrhalter in Interlaken ihre Pferde schlecht behandeln.
Schaum am Maul ist kein Anzeichen von Stress.
Warum sorgen sich so viele Menschen um die Tiere? Kantonstierarzt Wyss sagt, Beobachtungen würden teilweise falsch interpretiert. Etwa Schaum am Maul. «Schaum ist kein Anzeichen von Stress. Auch wenn Pferde entspannt sind, haben sie häufig Schaum am Maul.»
Auch hohe Temperaturen allein sind laut Wyss kein Beleg dafür, dass die Tiere unter Hitzestress leiden. Er betont, die Tierschutzgesetzgebung basiere auf wissenschaftlichen Grundlagen. «Diese sind zentral, um eine Situation zu beurteilen.»
Obwohl die Behörden keine Verstösse gegen das Tierschutzgesetz festgestellt haben, beschäftigt das Thema der Pferdekutschen die Politik. Im Nationalrat, im Berner Kantonsparlament und im Berner Stadtparlament sind Vorstösse hängig.
Es geht um die Frage, ob die heutigen Regeln ausreichen oder verschärft werden müssen. Zur Diskussion steht etwa ein Verbot von Kutschenfahrten ab einer bestimmten Temperatur. Auch strengere Vorgaben für Kutschenfahrerinnen und -fahrer sind ein Thema. Heute dürfen alle ab 14 Jahren eine Kutsche fahren und einen Gast mitnehmen.
Damit liegt der Ball nun bei der Politik. Der Hitzesommer in Interlaken ist zwar vorbei, die Diskussion über den Umgang mit den Kutschenpferden geht aber weiter.
Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 24.9.2026, 17:30 Uhr ; pret/stes; stat;brus
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