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Friday, October 16, 2026

IWF-Tagung in Bangkok – Bund und SNB: Zwei Perspektiven auf die globale Wirtschaftslage

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In Thailand geht gerade die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank über die Bühne. Staatsverschuldung, Inflation und Künstliche Intelligenz liefern Gesprächsstoff. Finanzministerin Karin Keller-Sutter und SNB-Präsident Martin Schlegel sind vor Ort und ordnen die zentralen Themen ein.

Karin Keller-Sutter

Bundesrätin

Karin Keller-Sutter ist seit dem 1. Januar 2019 Mitglied des Bundesrats und seit 2023 Vorsteherin des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD). Die St. Gallerin wurde 1963 geboren, ist ausgebildete Dolmetscherin und Mittelschullehrerin. Bis 2000 arbeitete sie als selbständige Übersetzerin und Lehrbeauftragte einer Berufsschule. Von 2000 bis 2012 war die FDP-Politikerin Regierungsrätin des Kantons St. Gallen. Von 2011 bis zu ihrer Wahl in den Bundesrat war Keller-Sutter im Ständerat.

Martin Schlegel

Chef Schweizerische Nationalbank (SNB)

Martin Schlegel ist seit September 2024 Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank. Zuvor leitete er als Vizepräsident des Direktoriums das II. Departement in Bern, welches sich unter anderem mit Themen wie Finanzstabilität, Bargeld und Risikomanagement beschäftigt.

So nehmen sie die Stimmung an der Tagung wahr

Karin Keller-Sutter: Es gibt schon grosse Sorgen. Einerseits wegen der Finanzstabilität, die grosse Verschuldung gewisser Staaten, die Möglichkeit, dass es Korrekturen an den Börsen gibt. Andererseits sind natürlich die Energiepreise und auch die Energieversorgung, die jetzt doch kritischer wird, ein Thema. Das könnte auch zu einer Abflachung der Konjunktur führen.

Martin Schlegel: Zu den grossen Themen gehören die erhöhte Inflation und Staatsschulden. Auf der zuversichtlichen Seite wird das grosse Potenzial der künstlichen Intelligenz besprochen.

Das sagen sie zur globalen Staatsverschuldung

Schlegel: Die hohe Staatsverschuldung in den entwickelten Ländern ist schon eine Sorge, die in Zukunft zu einer Krise führen könnte, wenn man nicht rechtzeitig die richtigen Massnahmen ergreift. Die steigenden Zinsen führen zu steigender Zinslast für die Länder. Und das kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der fiskalische Spielraum sowieso nicht sehr gross ist.

Keller-Sutter: Es ist wichtig, dass wir unsere Hausaufgaben machen in Bezug auf das Budget und die Fiskalpolitik. Aber wir sind international dermassen vernetzt, dass wir auch anfällig sind, wenn es beispielsweise zu einer Schuldenkrise kommt wegen der Staatsverschuldung wichtiger Staaten. Ich denke insbesondere an die Vereinigten Staaten, aber auch an Europa. Wir haben Frankreich, das könnte zu einer Eurokrise führen.

So sehen die Schweiz im internationalen Vergleich

Keller-Sutter: Den Gesprächspartnern ist bewusst, dass die Schweiz bei der Staatsverschuldung international relativ gut dasteht. Es gibt viel Lob, viel Anerkennung für die Schweiz, für die Budgetpolitik, die Fiskalpolitik, dass wir eben stabil sind, auch dank der Schuldenbremse. Dass wir, weil wir weniger Schulden haben, auch weniger Schuldzinsen bezahlen müssen. Man muss dann aber auch immer sagen: Das ist Knochenarbeit. Wir hatten ein Entlastungspaket im Parlament, wir sind vorsichtig bei der Budgetierung und wir halten uns an die Vorgaben der Schuldenbremse.

Schlegel: In der Schweiz ist die Inflation an einem anderen Ort als in der Weltwirtschaft. Sie liegt in der Mitte des Zielbandes von zwei Prozent. Das hat uns auch erlaubt, den Leitzins unverändert zu lassen. Wir gehen von einem Wachstum für die Schweiz von etwa 1.5 bis 2 Prozent aus für dieses Jahr.

Das sagen sie zur Rolle von Künstlicher Intelligenz

Schlegel: Bei der KI gehen die Meinungen sehr stark auseinander. Es ist noch unklar, was die Folgen für den Arbeitsmarkt sein werden. Aber auch, ob es grosse Produktivitätsgewinne gibt. Für mich als Zentralbanker ist vor allem die Inflation interessant. In der kurzen Frist wird KI inflationstreibend sein, vor allem wegen den grossen Investitionen. In der mittleren und langen Frist ist der Effekt immer noch unklar.

Keller-Sutter: Es gibt bei den verschiedenen Währungen, bei der Verschiebung von Währungen oder von Geld gewisse Risiken. Und vor allem die Frage, ob sich die Investitionen lohnen. Sehr viele Firmen sind stark in KI investiert. Doch: Ist das produktiv, ist das effizient, wirft das auch Gewinne ab oder ist das, wie einige sagen, eine Blase?

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