Nach 32 Jahren: SRF entlässt bekannte Dok-Filmerin Karin Bauer

- Die bekannte SRF-Dokumentarfilmerin Karin Bauer (57) wird nach 32 Jahren beim Schweizer Fernsehen entlassen.
- Der Sender begründet die Trennung mit dem Spar- und Transformationsprogramm «Enavant» – nicht mit inhaltlichen Gründen.
- Auch Auslandchefin Susanne Brunner (62) muss nach 40 Jahren bei SRF Radio gehen; rund 120 Mitarbeitende protestierten dagegen.
Nach 32 Jahren beim Schweizer Fernsehen muss die bekannte Dokumentarfilmerin Karin Bauer gehen. Die 57-Jährige wurde im Rahmen des Spar- und Transformationsprogramms «Enavant» entlassen. Das berichtet «Schweiz heute». Bauer hatte mit ihren Filmen immer wieder politische Kontroversen ausgelöst.
SRF betont, die Trennung habe keine inhaltlichen Gründe. Der Sender stelle sich ausdrücklich hinter die journalistische Arbeit der Filmemacherin.
Kritik an Dokumentation über Wohnungsnot
Besonders Bauers jüngster Film sorgte für Diskussionen. Die Dokumentation «Wo-wo-Wohnungsnot – Das Zürcher Monopoly» wurde am 22. Januar ausgestrahlt, mitten im Stadtzürcher Wahlkampf.
Die Zürcher FDP kritisierte den Beitrag als «politisch extrem unausgewogen». Bei der Ombudsstelle gingen neun Beanstandungen ein, die im März allesamt abgewiesen wurden. Drei Beschwerden sind allerdings noch bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) hängig. Darüber soll erst am 29. Oktober entschieden werden.
Laut «Schweiz heute» haben einige SRF-Mitarbeitende den Eindruck, der Sender könnte sich mit der Entlassung politischem Druck beugen. SRF weist einen solchen Zusammenhang zurück. Auch die Frage, ob SRG-Generaldirektorin Susanne Wille auf Bauers Entlassung hingewirkt habe, beantwortete der Sender mit einem klaren «Nein». 20 Minuten konnte Karin Bauer für eine Stellungnahme nicht erreichen.
Auch SVP-Dokumentation sorgte für Wirbel
Bauer begann 1994 beim Schweizer Fernsehen. Ab 2008 arbeitete sie als Produzentin bei der «Rundschau» und realisierte Beiträge für «DOK» und «Reporter». 2012 wechselte sie als Korrespondentin nach New York.
Für ihre Dokumentation «Der Asylchef und die Nigerianer» erhielt sie 2011 den Europäischen Civis-Fernsehpreis in der Kategorie Information.
Ihre Filme sorgten mehrfach für politische Diskussionen. Eine Dokumentation über die SVP führte 2011 zu einer Beschwerde von 40 Personen. Sie warfen Bauer vor, die Ständeratswahlchancen von Christoph Blocher geschmälert zu haben. Die UBI wies die Beschwerde einstimmig ab.
Auch spätere Filme über die direkte Demokratie, die Stadt Grenchen und den Umbau der Migros lösten Kritik aus. Die meisten Beanstandungen blieben erfolglos. Bei einer Reportage über Grenchen hiess die Ombudsstelle allerdings vier von 13 Kritikpunkten gut.
Bekannte Radiojournalistin muss ebenfalls gehen
Bauer ist nicht die einzige profilierte Journalistin, die SRF im Zuge des Umbaus verlässt. Auch die langjährige Radio-Auslandchefin Susanne Brunner (62) muss nach 40 Jahren gehen. Die Journalistin des Jahres 2024 habe sich für eine neue Führungsposition beworben, diese Stelle jedoch nicht erhalten.
Rund 120 Radiomitarbeitende hatten daraufhin in einem Brief an die Informationsleitung gegen den Entscheid protestiert.
Wie bei Karin Bauer betont SRF auch im Fall Brunner, dass die Trennung kein Urteil über die journalistischen Leistungen der Betroffenen darstelle.
Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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