Sozialproteste in Europa: Für gute Bildung, bezahlbare Mieten und moderate Preise

Nicht nur in Frankreich, sondern auch in Albanien, Spanien oder Italien demonstrieren Menschen gegen Missstände an Schulen und Unis und gegen zu hohe Lebenshaltungskosten.
Foto: Valentina Stefanelli/LaPresse/ap/dpa
dpa | Bei Protesten in mehreren europäischen Ländern haben Menschen erneut gegen zu hohe Lebenshaltungskosten demonstriert. In einigen Städten ist es dabei zu Krawallen gekommen. Gewalttätige Zusammenstöße gab es am Wochenende in Frankreich, Albanien, Spanien, Italien, Portugal und Belgien.
In Frankreich nahmen nach Angaben des Innenministeriums rund 410.000 Menschen an den landesweiten Protesten am Samstag teil, davon rund 110.000 in Paris. Den seit Wochen für eine bessere Ausstattung von Schulen demonstrierenden jungen Leuten schlossen sich weitere Gruppen an, um etwa gegen zu hohe Lebenshaltungskosten zu demonstrieren.
Über 1.300 Festnahmen in Frankreich
Am Rande der Demonstrationen wurden nach Angaben der Behörden 1.314 Menschen festgenommen. 53 Polizisten seien verletzt worden, teilte Innenminister Laurent Nuñez mit. Die Einsatzkräfte seien gegen 75 versuchte Brandstiftungen vorgegangen und es habe 24 Plünderungen gegeben.
Die eigentlichen Demonstrationen verliefen nach Worten des Innenministers reibungslos. Dennoch kam es am Rande der Protestzüge erneut zu Ausschreitungen. Bilder aus Paris zeigten Wolken von Tränengas und Feuerwerkskörper sowie den Einsatz von Wasserwerfern. Ähnlich sah es in Lyon, Bordeaux und Marseille aus. Der Minister machte insbesondere die „radikale extreme Linke, die Ultralinke“, dafür verantwortlich. In Nizza meldete die Staatsanwaltschaft aber auch die Festnahme von elf Mitgliedern einer rechtsextremen Gruppierung.
Gewalt und Verletzte in Albanien
Auch in Albanien kam es bei Protesten gegen Missstände im Hochschulwesen und gegen die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama erneut zu Gewalt. Demonstrierende in der Hauptstadt Tirana warfen mit Steinen auf Regierungsgebäude und die Polizei, wie die staatliche Nachrichtenagentur ATA berichtete. Die Lage sei eskaliert, als Protestierende das Umweltministerium in Brand setzten. Auf Fernsehbildern und in sozialen Medien waren chaotische Szenen zu sehen.
Laut ATA hatte der unter anderem von Studierenden organisierte Protest am Samstag vor dem Bildungsministerium begonnen und sich auf andere Ministerien und Teile der Stadt ausgeweitet. Laut dem privaten Fernsehsender Klan warfen Demonstrierende auch Feuerwerkskörper und Molotowcocktails. Die Polizei setzte den Angaben zufolge Wasserwerfer, Tränengas, Pfefferspray und Gummigeschosse ein, um die Menge zu zerstreuen. Demnach gab es Verletzte auf beiden Seiten. Beamte hätten auch das Kamera-Team von Klan News angegriffen, hieß es.
Randale in Barcelona
In Barcelona kamen Berichten zufolge Hunderte Jugendliche und junge Erwachsene am Samstagabend bis in die Nacht hinein zu Protesten zusammen. Junge Leute hätten Straßenmobiliar, Fahrräder und Motorräder beschädigt, Geschäfte geplündert und Müllcontainer angezündet, berichteten unter anderem die spanische Tageszeitung El País und der katalanische Fernsehsender Betevé. Das genaue Ziel der Proteste war demnach unklar.
Die katalanische Polizei und die städtische Polizei in der Hauptstadt Kataloniens nahmen demnach rund 100 Demonstranten fest. Bei etwa einem Viertel der Festgenommen habe es sich um Minderjährige gehandelt. Laut Berichten waren die Jugendlichen einem Aufruf über soziale Medien zu einer unangekündigten Demonstration im Stadtzentrum gefolgt.
Der Ministerpräsident der wohlhabenden Region im Nordosten Spaniens, Salvador llla, verurteilte die Gewalttaten: „Gewalt hat in Katalonien keinen Platz. Niemals. Protestieren ist ein demokratisches Recht. Angriffe, Einschüchterungen und Sachbeschädigung hingegen nicht“, sagte er laut El País.
Festnahmen in Belgien
Auch in Belgien gab es kleinere Demonstrationen in Brüssel und Lüttich. Diese gingen laut Innenminister Bernard Quintin ohne größere Zwischenfälle zu Ende. In der Hauptstadt Brüssel nahmen rund 400 Menschen daran teil, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Demnach gab es neun Festnahmen wegen Störung der öffentlichen Ordnung sowie Waffenbesitz und Anstiftung zu Gewalt. Am vergangenen Wochenende waren es demnach 150 Festnahmen.
Weiter Proteste in Italien
Tausende Menschen demonstrierten auch erneut in mehreren italienischen Großstädten. Bei einigen Protesten kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten. Neun Haftbefehle wurden erlassen und 317 Menschen festgenommen. Die verschiedenen Proteste umfassten ein breites Spektrum an Themen, darunter hohe Lebenshaltungskosten, Benzinpreise sowie Aufrüstung und den Nahostkonflikt.
In der norditalienischen Metropole Mailand, in der es vergangenes Wochenende zu schweren Krawallen gekommen war, verliefen die Proteste größtenteils ohne größere Zwischenfälle. Aus Sorge vor Ausschreitungen waren viele Luxusgeschäfte verbarrikadiert worden.
Demonstranten dringen in Kolosseum in Rom ein
In der Hauptstadt Rom kam es am Abend im Zentrum zu Spannungen: Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Über dem Gebiet des Hauptbahnhofes Termini kreisten Polizeihubschrauber. Im historischen Zentrum drangen zwischenzeitlich Protestteilnehmer in das Kolosseum ein. In Bologna setzte die Polizei bei Zusammenstößen mit Demonstranten Tränengas und Wasserwerfer ein. In Turin drängten Sicherheitskräfte Teilnehmer der Proteste mit Schilden zurück.
In Portugal protestierten zahlreiche Menschen in Lissabon und Porto für das Recht auf Wohnen. Die Polizei nahm nach Angaben der Nachrichtenagentur Lusa in der Hauptstadt 25 Menschen fest. Dort war es bei den Protesten rund um den Rossio-Platz zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen.
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