Signal-App ohne Nummer, neue Backups erleichtern Wechsel von iOS zu Android
Signal-Konten können jetzt auf Wunsch auch ohne Telefonnummer angelegt werden. Das funktioniert vorerst mit der Android-Version und kostet einmalig 3 US-Dollar. Diese Gebühr soll Spammer und andere Tunichtgute daran hindern, massenhaft Signal-Konten anzulegen. Der Dienst selbst ist weiterhin gebührenfrei, da spendenfinanziert.
Auch die Einrichtung neuer Konten mit Handynummer bleibt kostenlos, selbst wenn man die Telefonnummer dann anderen Signal-Nutzern nicht offenlegt. Stattdessen kann, wer möchte, einen Signal-Usernamen einrichten und seinen Kontaktpersonen diesen angeben anstatt der Telefonnummer.
Bei telefonnummernlosen Signal-Konten ist die Einrichtung eines Usernamens besonders ratsam. Denn hat ein Konto weder Telefonnummer noch Username, können andere Signal-Nutzer es nicht finden und keinen Kontakt aufnehmen. Da die Signal-Stiftung nicht nur auf gute Ende-zu-Ende-Verschlüsselung achtet, sondern auch die Sammlung von Metadaten auf ein absolutes Minimum zu reduzieren sucht, müssen sich Nutzer telefonnummernloser Signal-Konten ihren selbst gewählten Usernamen gut merken und dürfen den Kontozugang nicht verlieren. Denn der Dienst speichert die Verknüpfung zwischen Username und Kontonummer nicht, kann ihn also bei einem neuen Konto nicht wiederherstellen.
Beide Schlüssel gut aufheben
Bei der Einrichtung eines telefonnummernlosen Signal-Kontos über die Android-App erzeugt Signal nach getätigter Zahlung zwei Schlüssel: Eine 32 Zeichen lange Kontonummer und einen doppelt so langen Wiederherstellungsschlüssel. Letzterer dient dem Zugriff auf Backups. Diese Schlüssel sind sicher und gut aufzuheben, da es keinen anderen Weg gibt, auf das Konto zuzugreifen.
Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme bietet Signal Passkeys (maximal acht) sowie Zwei-Faktor-Authentifizierung mittels zeitbasierter Einmalpasswörter (TOTP, maximal zwei Apps). Letzteres geht offline mit Apps wie FreeOTP+, Google Authenticator und anderen mehr.
Backups auch für iOS und Desktop, beliebige Speicherorte
Am Montag hat Signal Erweiterungen der Backup-Funktionen präsentiert. Backups auf dem Gerät selbst waren bislang nur für Android verfügbar, nun gibt es sie auch bei iOS sowie den Desktop-Versionen der Messaging-Software (Linux, MacOS, Windows). Gleichzeitig wird ein neues, einheitliches Backup-Format eingeführt. Zudem können Anwender einen beliebigen Speicherort für ihr Backup bestimmten, beispielsweise eine externe Festplatte oder ein Network Attached Storage (NAS) im eigenen LAN.
Anstatt wie bisher bei Android alle Textnachrichten und Mediendateien in eine verschlüsselte Backup-Datei zu schieben, landen die Mediendateien fortan in separaten Ordnern (weiterhin verschlüsselt). Das ermöglicht deduplizieren: Liegt die selbe Datei mehrfach vor, muss sie pro Konto nur noch einmal gespeichert werden. Das spart Speicherplatz.
Schnellerer Wechsel zwischen iOS und iOS oder iOS und Android
Diese Änderungen beschleunigen den Wechsel von einem iPhone zu einem neuen iPhone oder auch zu Android (oder umgekehrt) enorm. Denn die neueste Version der Signal-App unterstützt direkte Wifi-Verbindungen zur drahtlosen Übertragung der Backup-Dateien. Das ist gratis und wesentlich flotter, als der Umweg über Signals Backup-Server.
Die voriges Jahr eingeführten Online-Backups („Signal Secure Backups”) gibt es weiterhin, inzwischen für alle Plattformen. Im Unterschied zu den Backups auf dem Gerät selbst oder anderen, selbst gewählten Speicherorten aktivieren die Signal-Server zusätzlich Forward Secrecy: Selbst wenn ein Angreifer die Verschlüsselung eines älteren Archivs knacken sollte, kann er neuere Backups von den Signal-Servern nicht öffnen.
Wer möchte, kann seine Signal-Textnachrichten zeitlich unbegrenzt sowie seine Mediendateien der jüngsten 45 Tage kostenlos und verschlüsselt auf Signal-Servern ablegen. Gegen einen monatlichen Obolus von zwei US-Dollar fällt das 45-Tage-Limit für Dateien weg; dann speichert Signal bis zu 100 Gigabyte pro Konto.
Offloading und Backfill
Zahlende Online-Backup-Nutzer können jetzt optional den Speicherbedarf auf dem Gerät selbst reduzieren, indem sie Signal erlauben, ältere Bilder und Videos durch Miniaturansichten zu ersetzen. Wird so ein altes Bild oder Video aufgerufen, lädt die App es vom Online-Backup wieder herunter, eine Datenverbindung vorausgesetzt.
Für nicht-zahlende Nutzer der Desktop-Versionen Signals (Linux, macOS, Windows) führt die Betreiberstiftung eine neue Funktion namens Automated Backfill ein: Wird ein Signal-Konto mit einem neuen Computer verbunden, kann dieser den bisherigen Chatverlauf vom Online-Backup holen. Was Mediendateien anbelangt, reicht das Online-Backup nicht-zahlender Nutzer aber nur 45 Tage zurück. Wird im Chatverlauf weiter als 45 Tage zurückgescrollt, fordert die Desktopsoftware die entsprechende Mediendatei vom primären Gerät an. Das funktioniert, solange beide online sind.
Allerdings kann das auch Behörden, Geheimdiensten und anderen Angreifern Zugriff auf zusätzliche Daten eröffnen: Weil sie die Verschlüsselung von Diensten wie Signal oder Whatsapp nicht knacken können, und Bundestrojaner aufwändig sind, klonen sie gerne fremde Konten. Dabei richten die Angreifer einen Desktop-Zweitzugang zum Konto der Zielperson ein. Um die Autorisierung zu erlangen, fangen sie unverschlüsselte Bestätigungs-SMS über klassische Telefonüberwachung ab oder nutzen den physischen Zugriff auf ein Gerät: Polizeibeamte bei Zeugeneinvernahmen oder Grenzbeamte bei Durchsuchungen scannen dann unbemerkt QR-Codes ein.
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