Podiumsdiskussion vor Kantischülern: Aeschi lief einfach davon

- SVP-Nationalrat Thomas Aeschi hat eine Podiumsdiskussion an der Kantonsschule Reussbühl verlassen.
- Der Eklat passierte bei der Debatte über die Bilateralen III, Aeschi kritisiert die Moderation als einseitig.
- Ständerätin Gmür-Schönenberger und die Schule verteidigen die Moderatorin.
Nationalrat und Vielleicht-Bundesrats-Anwärter Thomas Aeschi (SVP) lief bei einer Podiumsdiskussion an einer Kantonsschule davon. Die Diskussion war weitläufig über verschiedene Themen angelegt. Zum Eklat kam es, als über die Bilateralen III gestritten wurde, wie Schweiz heute berichtet.
Eingeladen waren Nationalrat Michael Töngi (Grüne/LU), Ständerätin Andrea Gmür-Schönenberger (Mitte/LU), Nationalrat Thomas Aeschi (ZG) und der deutsche Botschafter in Bern, Markus Potzel.
Das sagt Aeschi
Aeschi wirft gegenüber «Schweiz heute» der Moderation vor, bei dem Thema zu einseitig gewesen zu sein. «Als einziger Stimme auf dem Podium, die den EU-Vertrag ablehnt, wurde mir trotz freundlicher Nachfrage meinerseits seitens der Moderatorin kaum Redezeit gewährt», so Aeschi zum Medium. «Angesichts dieser Ausgangslage kam ich zum Schluss, dass eine kritische Stimme nicht gefragt war», fährt der Nationalrat fort. Er verweist auf Gmür-Schönenberger. Sie habe auf dem Podium ebenfalls festgestellt, dass das Verhalten der Moderatorin nicht korrekt war.
Das sagen die anderen Teilnehmenden
Gmür-Schönenberger erinnert sich anders an den Vorfall. Auf Anfrage von «Schweiz heute» erklärt sie, der Moderatorin seien keine Vorwürfe zu machen. Richtig sei, dass sie Aeschi zugestimmt habe, dass die Zusammensetzung des Podiums beim Thema Europapolitik nicht ausgewogen gewesen sei. «Leider liess Herr Aeschi die Moderatorin, die ihm mehr Redezeit hätte zugestehen wollen, gar nicht mehr zu Wort kommen und lief davon.» Grünen-Nationalrat Michael Töngi scheint verwundert über den Vorfall zu sein. «Thomas Aeschi kannte die Ausgangslage für die Diskussion.»
Wie gehst du damit um, wenn du bei einer Diskussion nicht zu Wort kommst?
Das sagt die Schule
Das Rektorat der Kantonsschule Reussbühl betont, dass die Verteilung der Positionen auf die gesamte Diskussion gesehen ausgewogen gewesen sei. Trotzdem räumt es gegenüber «Schweizheute» ein: «Vielleicht hätten wir noch mehr auf eine paritätische Vertretung setzen müssen.»
Die Schule fügt an, die Debatte über die EU-Verträge sei zu tief in Details gegangen, was für die Jugendlichen nicht mehr verständlich gewesen sei. Die Moderatorin habe daraufhin versucht, die Debatte etwas stärker zu lenken. «Diese Eingriffe passten Herrn Aeschi offenbar nicht.»
Vielleicht-Bundesratskandidat
Thomas Aeschi wagt einen zweiten Versuch, Bundesrat zu werden. 2015 verlor der damals erst 36-jährige Wunschkandidat von SVP-Übervater Christoph Blocher gegen den Waadtländer Weinbauern Guy Parmelin. Nun hat ihn seine Partei für dessen Nachfolge nominiert. Seine Entscheidung steht jedoch noch aus.
Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.
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