Hitze und Trockenheit – Klimawandel zwingt Thurgauer Obstbauern zum Umdenken

Hitze und Trockenheit Klimawandel zwingt Thurgauer Obstbauern zum Umdenken
Die Apfelernte soll deutlich unter dem Durchschnitt der letzten Jahre liegen. Gefragt sind neue, hitzeresistente Sorten.
In diesen Tagen und Wochen erntet Obstbauer Stefan Anderes die Früchte seiner Arbeit. Mit einem Hubstapler fährt er randvolle Kisten mit frisch gepflückten Äpfeln in die Lagerhalle. Die Früchte leuchten rot-grün im Sonnenlicht. Doch der Schein trügt. Hitze und Trockenheit haben seinem Obst dieses Jahr zugesetzt.
«Die frühen Sorten haben dieses Jahr extrem gelitten», sagt er. Sonnenbrand war ein Thema. Bei der Apfelfarbe musste Stefan Anderes Abstriche machen. Und er spricht auch von Trockenstress bei den Bäumen. Dieser führt unter anderem dazu, dass sie Früchte abwerfen. Die Blätter sind welk.
Ein Obstbetrieb sattelt um
Der ungewöhnlich heisse und trockene Sommer hat die Thurgauer Obstbauern ins Grübeln gebracht. Die Auswirkungen des wärmeren Klimas sind vielfältig. «Im Frühling treiben die Bäume früher aus. Sie sind damit anfälliger für Frost. Darüber hinaus können wir heute Sorten anbauen, die früher nicht gediehen wären.» Um die Zukunft seines Betriebs zu sicher, hat Stefan Anderes angefangen, seinen Betrieb umzustellen.
In den Baumreihen steht seit einigen Jahren die Sorte Kanzi. Sie komme gut bis sehr gut mit Hitze zurecht. Trotz Temperaturen weit über 30 Grad hätten die Bäume keine Anzeichen von Stress gezeigt. Ob sie den Hitzesommer schadlos überstanden haben, zeigt sich aber erst bei der Ernte.
Stefan Anderes setzt zudem vermehrt auf Sorten, die später im Jahr reif sind. So könne er die Ernte bis in den November hinein verschieben. Eine derart späte Lese wäre früher aufgrund des Klimas undenkbar gewesen.
Neue Sorten gesucht
Robustere und hitzeverträgliche Züchtungen sind langfristig gefragt. Dazu forscht Bruno Studer. Er ist Professor für Pflanzenzüchtung an der ETH Zürich. Einfluss habe auch, auf welcher Unterlage die Bäume wachsen. «Die Wurzelentwicklung und Wasseraufnahme kann so beeinflusst werden», erklärt Studer.
Damit allein ist es aber nicht getan. Es braucht auch Geduld. Bis eine neue Apfelsorte auf dem Markt ist, dauert es laut der Forschungsanstalt Agroscope gut und gerne 20 Jahre. «Geprüft werden muss unter unterschiedlichen Umweltbedingungen, um eine Züchtung erfolgreich am Markt zu etablieren», so Bruno Studer von der ETH.
Über kurz oder lang werden ältere Apfelarten wohl aus den grossen Obstgärten verschwinden. Der Thurgau dürfte von diesem Wandel besonders betroffen sein. Nirgendwo sonst gibt es vergleichbar grosse Anbauflächen.
Der vergangene Sommer, der als Jahrhundertsommer in die Geschichte eingehen dürfte, zwingt Obstbauern langfristig zum Umdenken. Kurzfristig gibt es dieses Jahr weniger und kleinere Äpfel, dafür sind sie umso süsser.
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