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Sunday, November 8, 2026

Wo die Russen zurück sind, wo sie weiterhin zuschauen müssen

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Ein Blick auf andere Teamsportarten und ausgewählte weitere Disziplinen zeigt aber: Die Rückkehr der einst ausgeschlossenen Russinnen und Russen ist in vielen Sparten längst klammheimlich über die Bühne gegangen.

Es ist ein Flickenteppich sondergleichen. Im Kunstturnen sind die starken Russen bereits zurück. Der Eiskunstlauf-Verband hat das Vebot gegen Russen und Belarussen aufgehoben. Die Athleten dürfen unter neutralem Status antreten, sofern sie den Krieg nicht unterstützen. Im Volleyball könnten die Russinnen an der WM bald auf die Schweiz treffen. Im Handball fährt der Europa- einen härteren Kurs als der Weltverband. Im Langlauf kämpft ein russischer Superstar um sein Comeback als neutraler Athlet, und im Tennis spielt Russland seit eh und je munter mit. Standhaft sind hingegen Fussball und die Leichtathletik.

Die Übersicht.

Handball

Status: Volle Integration, aber nicht in Europa

Aktuelle Situation: Der Handball-Weltverband gab im Juli für die Russen-Rückkehr grünes Licht. Doch die Männer-WM im Januar 2027 in Deutschland findet ohne Russland statt, die Quali ist längst vorbei. Die Russen spielen diese Woche in Tunesien Freundschaftsspiele gegen Japan und den Gastgeber. Brasilien zog sich vom Miniturnier zurück. Bei den Frauen ist die Quali für die WM 2027 ohne Russinnen in der Endphase. In Europa aber folgt die EHF nicht dem Weltverband – für die EM und den Europacup besteht die Sperre weiter. Die EHF lehnte mehrere Beschwerden am eigenen Rekursgericht ab.

Betroffene Schweizer: Stand jetzt: keine. Die Männer-EM 2028 findet neben Spanien und Portugal zwar auch in der Schweiz statt – aber der Europaverband lässt Russland weiterhin nicht zu. Folglich wird im Januar 2028 kein russisches Team in Zürich spielen. Auch bei den Frauen und bei den Klubs sind keine Affichen absehbar.

Volleyball

Status: Teilweise Integration

Aktuelle Situation: Der Volleyball-Weltverband FIVB beschloss im Juli die Wiederzulassung russischer Athletinnen und Athleten in allen Disziplinen. Im August konkretisierte er die Rückkehr der Hallen-Nationalteams: Die russischen Männer und Frauen dürfen ab 2027 wieder an der Nations League teilnehmen, dafür wird sogar das Feld von 18 auf 19 Teams aufgestockt. Die Männer verzichten freiwillig auf die WM 2027, bei den Frauen ist eine Teilnahme noch offen. Ob die Teams unter eigener Flagge und mit Hymne antreten dürfen und wann die Russen auf Sand zurückkehren, bleibt offen.

Die Klubs müssen sich aber weiter gedulden. Über die Zulassung zu den Europacup-Wettbewerben hat der Europaverband noch nicht entschieden.

Betroffene Schweizer: Die Frauen-Nati könnte, falls die Russinnen an der WM 2027 antreten, an ihrer ersten Teilnahme auf die zweifachen Weltmeisterinnen treffen. Auch in der Champions League, wo in den vergangenen Jahren immer ein Schweizer Klub einen Platz in der Vorrunde hatte, könnte einer der ganz grossen Klubs für Wirbel sorgen: der fünffache Champion VK Zenit-Kasan.

Fussball

Status: Keine Integration

Aktuelle Situation: Seit Februar 2022 sind russische Nationalteams und Klubs von allen Fifa- und Uefa-Wettbewerben ausgeschlossen. Das Männer-Nationalteam verpasste dadurch bereits die WM 2022, die EM 2024 und die WM 2026. Auch die Frauen und Klubs dürfen nicht an internationalen Wettbewerben teilnehmen. Die Nationalteams bestreiten seither lediglich Freundschaftsspiele.

Betroffene Schweizer: Stand jetzt: keine. Das letzte Pflichtspiel eines Schweizer Klubs gegen einen russischen war im November 2019. Damals spielte Basel in der Europa League auswärts gegen Krasnodar. Bei den Nationalteams war die letzte Begegnung das WM-Quali-Spiel der Frauen im Juni 2010.

Leichtathletik

Status: Keine Integration

Aktuelle Situation: Russland bleibt komplett ausgeschlossen. World Athletics hält an seinen Sanktionen von 2022 fest. Jedoch wurde der russische Leichtathletik-Verband bereits seit 2015 suspendiert, zuerst aufgrund eines grossen Dopingskandals.

Betroffene Schweizer: Ohne Ausschluss hätte die Schweizer Stabhochspringerin Angelica Moser (29) bei internationalen Grossanlässen eine starke russische Konkurrentin gehabt: Anschelika Sidorowa (35). Die Namensvetterin wurde 2019 Weltmeisterin und holte bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio Silber. 2024 und 2026 feierte Moser den Europameister-Triumph. Ob Sidorowa ihr die Titel streitig gemacht hätte, bleibt Spekulation.

Tennis

Status: Integration als neutrale Athleten

Aktuelle Situation: Im Tennis ist die Situation anders als in vielen anderen Sportarten. Russische Spielerinnen und Spieler dürfen an allen Turnieren teilnehmen – allerdings ohne Flagge, Hymne oder nationale Bezeichnung. Der Internationale Tennisverband suspendierte im März 2022 den russischen Verband. Seither ist das Land von Mannschaftswettbewerben wie dem Davis Cup und dem Billie Jean King Cup ausgeschlossen.

Betroffene Schweizer: Auf der Einzel-Tour können Schweizer und Schweizerinnen jederzeit auf russische Gegner treffen. So könnte Dominic Stricker (24) bei einem ATP-Turnier auf Daniil Medwedew (30) treffen oder Belinda Bencic (29) erneut von Mirra Andrejewa (19) gefordert werden. Im Billie Jean King Cup verloren Bencic und Co. 2021 den Final noch gegen Russland. Ein Jahr später, als die Russinnen ausgeschlossen waren, holten die Schweizerinnen erstmals den Titel.

Langlauf

Status: Teilweise Integration als neutrale Athleten

Aktuelle Situation: Seit 2022 schloss die FIS russische Athleten zunächst vollständig von ihren Wettkämpfen aus. Einzelne Sportler durften bereits Ende 2025 nach einem Entscheid des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) unter neutralem Status zurückkehren. Für die Saison 2026/27 hat die FIS die Teilnahme unter strengen Voraussetzungen geregelt: Die Athleten müssen individuell eine Neutralitätserklärung unterzeichnen, dürfen nur in Einzelwettbewerben starten und müssen auf nationale Symbole wie Flagge, Hymne und entsprechende Kleidung verzichten.

Betroffene Schweizer: Das Thema ist hochaktuell, denn der dreifache Olympiasieger Alexander Bolschunow (29) steht nicht auf der Liste der zugelassenen Langläufer. Sein Antrag wurde laut der norwegischen Zeitung «NRK» abgelehnt. Erst am Dienstag beschäftigte sich der FIS-Vorstand erneut mit einer möglichen Rückkehr. Im Verband wird offenbar befürchtet, dass Superstar Bolschunow den Entscheid vor dem CAS anfechten könnte. Eine Rückkehr wäre sogar noch in diesem Jahr möglich. Der Weltcup in Davos Mitte Dezember wäre ein denkbarer Schauplatz. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Bolschunow in den kommenden Wochen seinen neutralen Status erhält.

Turnen

Status: Mehrheitliche Integration

Aktuelle Situation: Ab Januar 2024 durften russische Athleten nach dem Entscheid von World Gymnastics unter neutralem Status an Wettkämpfen des Weltverbands teilnehmen. In Europa war dies erst ab Januar 2026 möglich, wie European Gymnastics entschied. Seit Mai 2026 sind die Einschränkungen beider Verbände vollständig aufgehoben. An der WM im Oktober durfte die russische Delegation deshalb wieder teilnehmen. Weil die Niederlande jedoch aufgrund seiner Vorgaben an einer Übergangsregelung festhielt, musste Russland unter der Bezeichnung «World Gymnastics 2» (WG2) antreten. Nicht alle Athletinnen erhielten zudem ein Visum – darunter auch die Mehrkampf-Weltmeisterin von 2025, Angelina Melnikowa (26).

Betroffene Schweizer: Die Rückkehr der starken Russen ist erheblich. So traf es Noe Seifert (28) an der EM 2026, als die russischen Turner erstmals seit 2021 wieder dabei waren. Der Aargauer verpasste im Mehrkampf als Vierter die Bronzemedaille um 0,701 Punkte. Zwei russische Turner klassierten sich vor ihm.

Bob/Skeleton

Status: Integration im Einzel als neutrale Athleten

Aktuelle Situation: Der Status des Olympia-Winters bleibt bestehen: Starts sind nur als neutrale Einzelathletinnen und Einzelathleten und nicht unter russischer Flagge erlaubt. Sprich: In den Männer-Bobdisziplinen Zweier und Vierer bleibt Russland aussen vor, da gar keine Einzelstarts möglich sind. Hingegen im Frauen-Monobob und im Skeleton. Nach jahrelanger Sperre müssen sie sich aber den Weltcup-Start zuerst wieder im Europacup verdienen. Vergangenen Winter tauchten deshalb im Monobob zwei und im Skeleton sieben Vertreterinnen und Vertreter auf – Skeletoni Wladislaw Semenjow (29) gewann alle seine vier Rennen im Europacup. Er und weitere Landsleute werden diesen Winter voraussichtlich wieder im Weltcup starten.

Betroffene Schweizer: Wie viele Russinnen und Russen bei den Rennen in St. Moritz effektiv auftauchen, bleibt noch offen. Im Startfeld wird vor allem im Skeleton die Konkurrenz für die Schweiz etwas grösser. Mit Rostislaw Gaitjukewitsch (32) fehlt aber der beste Eiskanal-Russe weiterhin. Der Bob-Pilot war vor dem Krieg im Gesamtweltcup Dritter.

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