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Tuesday, October 13, 2026

Urbig statt Neuer: Schleichende Wachablösung im Bayern-Tor?

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Kann er es noch oder kann er es eher nicht mehr? Diese Frage schwebt derzeit über Torhüter Manuel Neuer vom FC Bayern München. Mit mittlerweile 40 Jahren ist der Weltmeister von 2014 und ehemalige Welttorhüter des Jahres tief im Herbst seiner Karriere angekommen.

Und die Diskussion darüber, ob er zurecht weiterhin als Nummer eins im Tor des FC Bayern steht, wird lauter.

Manuel Neuer patzt gegen den FC Augsburg 

Weiteren Zündstoff erhielt sie am Wochenende, als Neuer direkt nach dem Anpfiff des Bundesligaspiels beim FC Augsburg ein schwerer Patzer unterlief, der zum schnellsten Treffer in der Historie der Fußball-Bundesliga führte.

Beim Versuch, einen langen Pass nach vorne zu schlagen, traf Neuer den heraneilenden Robin Fellhauer, der den Ball abblockte und nach nur 8,4 Sekunden zur Augsburger 1:0-Führung ins leere Tor einschob.

Bayern Münchens Torhüter Manuel Neuer sprintet hinter Augsburgs Angreifer Robin Fellhauer her
Manuel Neuer kann nach seinem Fehler nur dabei zusehen, wie Robin Fellhauer das schnellste Bundesliga-Tor der Geschichte erzieltBild: Jenni Maul/Eibner-Pressefoto/picture alliance

"Das war ein blöder Fehler von mir. Ich hätte einfach eine andere Entscheidung treffen müssen", gab Neuer nach der Partie zu und meinte scherzhaft: "Das habe ich mir vor dem Spiel nicht vorgenommen."

Auch beim zweiten Augsburger Tor wirkte Neuer unsicher. Nachdem er einen Schuss nur unzureichend zur Seite abwehrte, hatte FCA-Angreifer Rodrigo Ribeiro keine Mühe, zum 2:1 für Augsburg zu treffen.

Umstrittene Rückkehr in die Nationalmannschaft

Neuers herausragende Fähigkeiten und Verdienste sind trotz dieser Fehler unbestritten. 13 Mal wurde er mit den Bayern Deutscher Meister, gewann sieben Mal den DFB-Pokal und zweimal die Champions League. Mit 549 Spielen ist er der Spieler mit den viertmeisten Einsätzen der Ligahistorie.

Allerdings liegen Neuers beste Tage bereits ein paar Jahre zurück. Auch seine spontane Rückkehr in die Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft 2026 war umstritten. Zwar lobten einige Mitspieler Neuers Aura, die die Gegenspieler beeindrucken könne, zur Geltung kam sie in den vier Spielen bis zum frühen WM-Aus gegen Paraguay aber nicht.

Manuel Neuer hält im Elfmeterschießen bei der Fußball-WM gegen Paraguay einen Elfmeter
Manuel Neuer hielt im Elfmeterschießen gegen Paraguay einen Elfmeter, konnte das Ausscheiden aber auch nicht verhindernBild: Paul Rutherford/IMAGN Images/REUTERS

Zwar unterliefen Neuer bei der Weltmeisterschaft keine entscheidenden Patzer, tatsächlich "gewonnen" hat Neuer aber auch keines der WM-Spiele. Nach dem Turnier trat er endgültig im Nationalteam zurück - der neue Bundestrainer Jürgen Klopp ist noch auf der Suche nach einer neuen Nummer eins.

Neuer-Nachfolge beim FC Bayern bereits geregelt

Beim FC Bayern steht der endgültige Rücktritt oder dessen Ankündigung noch aus. Vor der Saison darauf angesprochen, hatte Neuer lediglich gesagt: "Es sieht schon stark danach aus, dass ich aufhöre." Mit Jonas Urbig hat Neuer seinen eigenen Nachfolger beim FC Bayern selbst mit aufgebaut. Urbig, 23 Jahre alt und seit Januar 2025 in München, wurde von Neuer von Anfang an gefördert.

Das war zuvor bei Alexander Nübel, den die Bayern 2020 als potenziellen Neuer-Nachfolger verpflichteten, ganz anders. Neuer verhinderte regelrecht, das der Jüngere sich beim FC Bayern entwickeln konnte oder wenigstens ein paar Einsätze bekam.

Nübel wurde daher immer wieder ausgeliehen und ist im vergangenen Sommer endgültig gewechselt. Es spielt jetzt in der Türkei für Besiktas Istanbul. Für die Bayern machte er genau ein Bundesligaspiel.

Bayern-Torhüter Manuel Neuer und Alexander Nübel beim Aufwärmen
Zu Alexander Nübel (r.) hatte Manuel Neuer während der gemeinsamen Zeit beim FC Bayern ein distanziertes VerhältnisBild: Frank Hoermann/SVEN SIMON/picture alliance

Laut Medienberichten soll Neuers Abneigung gegen Nübel sogar so weit gegangen sein, dass er es zur Bedingung seiner Rückkehr zur Nationalmannschaft machen wollte, Nübel aus dem WM-Kader zu streichen und stattdessen Urbig mitzunehmen.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) dementierte allerdings, dass Neuer dies verlangt habe. Letztlich blieb Nübel die Nummer drei hinter Neuer und dem degradierten Oliver Baumann. Urbig wurde als vierter Mann für den Trainingsbetrieb mitgenommen. In den USA wich er kaum von Neuers Seite.

Ex-Trainer Mirko Slomka: Manuel ist "ein Kannibale"

Der Mann, der Neuers Karriere mit am stärksten förderte und ihm im August 2006 beim FC Schalke 04 zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz verhalf, ist Mirko Slomka. Der ehemalige Bundesligatrainer verglich Neuer zuletzt mit anderen ganz Großen des Sports.

"Eddy Merckx hieß 'der Kannibale', weil er alles gewinnen wollte. Diesen unbedingten Siegeswillen kennen wir auch von Muhammad Ali. Und ich sehe ihn bei Manuel Neuer", schrieb er in seiner Instagram-Kolumne "Der zweite Blick" und nannte als Antrieb "den unstillbaren Hunger nach Siegen, nach dem nächsten Titel, danach, immer noch der Beste zu sein".

Allerdings: Genau diese Eigenschaft, "die solche Sportler groß macht, kann ihnen das Aufhören so schwer machen", so Slomka weiter. "Solche Champions haben gelernt, Zweifel zu besiegen. Kritiker zu widerlegen. Grenzen zu verschieben. Warum sollten sie ausgerechnet jetzt glauben, dass eine Grenze endgültig ist?"

Wie der unrühmliche Abgang von Cristiano Ronaldo aus Portugals Nationalmannschaft zeigt, ist es leicht, den Moment zu verpassen, in dem man noch mit erhobenem Haupt und per eigener Entscheidung sagen kann: Ich höre auf.

Schalkes Torhüter Manuel Neuer bei seinem Bundesliga-Debüt bei Alemannia Aachen 2006
Mirko Slomka verhalf Manuel Neuer 2006 beim Auswärtsspiel der Schalker bei Alemannia Aachen zum DebütBild: Rolf Vennenbernd/dpa/picture alliance

Für Neuer sieht Slomka diesen Moment noch nicht zwingend gekommen, die entscheidende Frage für die Verantwortlichen beim FC Bayern sei aber schon: "Wer ist stark genug, einem so großen Gewinner rechtzeitig zu sagen, wann Schluss ist? Sie müssen ehrlich beurteilen: Was leistet Manuel heute? Was braucht die Mannschaft? Und sie müssen ihm ihre Antwort zumuten."

Unterstützung von Bayern-Ikone und Vereinspräsident

Beistand bekommt Torwart-Ikone Neuer von einer anderen Torwart-Ikone des FC Bayern. Sepp Maier, Weltmeister von 1974 und seit seinem Karriererende im Jahr 1980 Ehrenspielführer der Münchener, warnte vor einem zu großen Hype um Urbig.

"Jonas Urbig ist Anfang 20, dem tut man nichts Gutes, wenn man ihn jetzt in den Himmel lobt", sagte Maier gegenüber dem Web-Portal "Absolut Fußball". "Da lese ich, er habe bei der Nationalmannschaft gut gehalten. Ja, was hat der denn gehalten? Ein paar Bälle, die ganz normal aufs Tor kamen! Lassen Sie den erstmal eine ganze Saison spielen, bevor Sie Lorbeeren austeilen."

"Manuel Neuer war und ist einer der besten Torhüter der Welt", betonte auch von Bayern Münchens Vereinspräsident Herbert Hainer. Im TV-Talk der Boulevardzeitung "Bild" redete er den Fehler gegen Augsburg klein: "Das hat überhaupt nichts mit dem Alter zu tun. Manuel Neuer ist fit wie ein Turnschuh. Das hätte ihm genauso gut mit 20 Jahren passieren können."

Sollten sich solche Fehler allerdings häufen und in der Bundesliga regelmäßig Punkte kosten oder im nächsten Frühjahr sogar das Weiterkommen in der Champions League, dürfte der Druck auf Neuer sich erhöhen. Spätestens ab der kommenden Saison wird dann wohl die Wachablösung endgültig vollzogen und Urbig der neue Stammtorhüter - selbst wenn Neuer noch einmal einen neuen Vertrag bekommen sollte.

Zunächst aber geht es in der Konstellation "Neuer = Nummer eins, Urbig = Nummer zwei" weiter. Allerdings steht beim Champions-League-Spiel am Dienstagabend bei Norwegens Meister Viking Stavanger Jonas Urbig zwischen den Pfosten. Manuel Neuer verpasste wegen einer Blessur am Fuß das Abschlusstraining und bekommt eine Pause.

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