Arbeitsplatz und Lohn – Die Höhe des Lohnes ist wichtig – aber nicht allein entscheidend

Für viele Menschen ist der Lohn wohl das wichtigste Kriterium bei der Wahl ihres Arbeitgebers. Eine neue Studie der KOF der ETH Zürich zeigt nun, welche weiteren Faktoren für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei der Jobsuche und im Berufsalltag entscheidend sind. Einschätzungen von Co-Autor Michael Siegenthaler.
Michael Siegenthaler
Dozent KOF-Institut, ETH Zürich
Michael Siegenthaler ist Leiter Arbeitsmarkt bei der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich und Dozent am Departement Management, Technologie und Ökonomie. Er forscht in erster Linie zum Schweizer Arbeitsmarkt.
SRF News: Wie wichtig ist den Stellensuchenden die Höhe des Lohnes?
Michael Siegenthaler: Unsere Resultate deuten darauf hin, dass der Lohn eine sehr wichtige Rolle spielt. Für die Untersuchung haben wir zusammen mit Stellenplattformen bei Stelleninseraten den zu erwartenden Lohn angezeigt. Dann haben wir geschaut, wie stark die Leute mit ihrem Interesse – also mit ihren Klicks – auf die Lohninformationen reagiert haben. Resultat: Je höher der angegebene Lohn war, umso mehr Klicks stellten wir fest. Das ist nicht wirklich überraschend – aber in dem Umfang, wie wir es zeigen konnten, ist es doch sehr interessant.
Oft wird der Lohn in Stelleninseraten nicht bekannt gegeben. Welche Folgen hat das auf dem Stellenmarkt?
In der Schweiz wird nur in etwa einem Prozent der Stellenangebote ein Lohn angegeben. Diese Lohn-Intransparenz kann dazu führen, dass Firmen schlechte Löhne bezahlen können, weil die Leute nicht wirklich wissen, wie hoch ein angemessener Lohn ist oder welche Unternehmen besonders tiefe Löhne bezahlen. Wenn man also Lohntransparenz schafft, wie wir das jetzt in diesem Experiment getan haben, wird es schwieriger für Firmen, tiefere Löhne zu zahlen.
Für einen Dienstwagen sind viele bereit, auf einen Teil des Lohnes zu verzichten.
Nebenleistungen wie ein Firmenauto erhöhen laut Ihrer Studie die Attraktivität eines Arbeitsplatzes. Warum ist das so?
Ein Job definiert sich durch viele Aspekte – etwa, ob Homeoffice möglich ist oder ob man einen Dienstwagen nutzen kann. Mit einem Firmenauto kann man Geld sparen – Versicherung, Steuern, Reparaturkosten, Anschaffungskosten. Und darum sind viele Leute bereit, dafür auf einen Teil des Einkommens zu verzichten.
Ein Firmenauto hat laut Ihrer Studie einen grösseren Einfluss auf das Bewerbungsverhalten als die Möglichkeit von Homeoffice. Zählen also vor allem finanzielle Anreize?
Beim Dienstauto spielt sicherlich der finanzielle Aspekt eine Rolle. Aber auch die Möglichkeit von zwei oder drei Tagen Homeoffice pro Woche ist vielen wichtig und wird mit einem hohen Lohnverzicht bezahlt. Unsere Studie zeigt: Viele sind zu einem Lohnverzicht von bis zu zehn Prozent bereit, wenn man statt fünf nur drei Tage pro Woche im Büro sein muss.
Firmen finden leichter Angestellte, wenn sie Leistungen wie Homeoffice oder Kindergutschriften anbieten.
Was bringen solche und andere Lohn-Nebenleistungen den Firmen?
Laut unseren Resultaten finden jene Firmen leichter Angestellte, die auch Leistungen wie Homeoffice oder Kindergutschriften anbieten. Sie finden auch geeignetes Personal, wenn sie tiefere Löhne bezahlen. Das ist zumindest dann so, wenn sie die Nebenleistungen schon im Job-Inserat erwähnen. Denn bei diesen Benefits herrscht in der Schweiz grosse Intransparenz. Und es ist etwas überraschend, dass die Unternehmen oft nicht so bereit sind, diese Informationen in Inseraten mitzuteilen.
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