Pentax lebt, Leica schwächelt und Apple blendet – Fotonews der Woche KW 37
Totgesagte leben länger, und dieser Spruch passt kaum irgendwo besser als bei Pentax. Die halbe Branche ist längst auf spiegellose Kameras umgestiegen, doch Ricoh bleibt eisern bei der DSLR. Jetzt kommt die Kehrtwende, die eigentlich keine ist: Die aktuelle K-Serie wird komplett eingestellt. Panik bei den Fans? Braucht niemand. Denn Pentax steigt eben nicht auf Spiegellose um, sondern arbeitet – man liest es besser zweimal – an einer „neuen Generation digitaler Spiegelreflexkameras basierend auf einem völlig neuen Konzept“.
Die c't Fotografie, Ausgabe 05 2026
(Bild:
heise
)DSLRs sterben, damit DSLRs leben können
Was dieses „neue Konzept“ konkret meint, behält Pentax für sich. In der offiziellen Ankündigung heißt es lediglich, dass die Produktion der aktuellen K-3 Mark III, der K-3 Mark III Monochrome und der K-1 Mark II endet, sobald die Lager leer sind. Nach dem Ende einer Ära klingt das zwar schon, jedoch verspricht Ricoh zugleich eine völlig neue DSLR-Serie, die „eine neue Stufe“ erreichen soll.
Digital Camera World bringt es auf den Punkt: Pentax habe „der Versuchung der Spiegellosen widerstanden“ und sei nun die letzte Marke, die voll auf DSLRs setzt. Mutig ist das allemal, gerade jetzt, wo selbst Canon und Nikon ihre DSLR-Linien nur noch auf Sparflamme betreiben oder ganz beerdigen.
Vielleicht ein modulares System? Retro-Design mit modernem Innenleben, so wie bei der Nikon Zf? Oder ein Hybrid, der Spiegel und elektronischen Sucher kombiniert? Ricoh lässt sich nicht in die Karten schauen, betont aber, dass man auf das Feedback der Community höre. Und die ist treu – viele schätzen Pentax gerade wegen dieses Andersseins. Wetterfeste Gehäuse, die legendäre Pixel-Shift-Technologie für hochauflösende Aufnahmen, ein K-Bajonett mit Objektiven bis zurück in die 1970er: Charme und Substanz zugleich.
Bleibt die große Frage, ob eine DSLR im Jahr 2026 überhaupt noch relevant sein kann. Pentax wettet darauf, dass genug Fotografen den optischen Sucher, die Haptik und das direkte Feedback einer Spiegelreflex nicht hergeben wollen. Ob die Rechnung aufgeht, zeigt sich vermutlich erst in einigen Monaten. Bis dahin bleibt uns nur zu spekulieren – und die Pentax-Community kennt darin ohnehin keine Zurückhaltung.
Leicas Glückssträhne reißt – aber elegant
Während Pentax sich neu erfindet, kämpft Leica mit nüchternen Zahlen. Nach vier Rekordjahren in Folge ist die Serie gerissen: 573 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2025/2026 bedeuten ein Minus gegenüber dem Vorjahr. „Robust“ nennt das Unternehmen die Entwicklung selbst, PetaPixel spricht dagegen vom Ende einer „beeindruckenden vierjährigen Serie von Rekordumsätzen“. Wahr ist beides.
In einem schrumpfenden Kameramarkt noch dreistellige Millionenumsätze zu erzielen und dabei profitabel zu bleiben, das ist eine Leistung. Digital Camera World betont, dass sich Leica in einem „harten Markt stark“ halte, trotz sinkender Verkaufszahlen. Das Luxussegment trägt eben weiter, und die Marke selbst ist zum Statussymbol geworden.
Trotzdem sind die Zeiten vorbei, in denen Jahr für Jahr neue Bestwerte gefeiert wurden. Ein Grund ist der allgemeine Markttrend, denn die Smartphones knabbern weiter Marktanteile ab. Der andere: Womöglich überlegen selbst gut betuchte Käufer inzwischen zweimal, ob es wirklich die M11-P für 9000 Euro oder die SL3 für ähnliche Summen sein muss. In der Pressemitteilung verweist Leica auf die „stabile Marktposition“ und auf Investitionen in neue Produktlinien.
Was das heißt, muss sich zeigen. Eine erschwinglichere Linie unterhalb der Q-Serie? Mehr Kooperationen à la Panasonic? Oder noch mehr Limited Editions für Sammler, die ihre Kameras eher ins Regal stellen, als damit loszuziehen? Etwas wird Leica einfallen müssen, um zurück auf Wachstumskurs zu kommen. Für schwierigere Zeiten ist die Marke stark genug – nur Stillstand kann sie sich in dieser Branche nicht leisten.
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Apple erfindet die Blende neu (irgendwie)
Apropos Smartphones: Apple hat dem iPhone 18 Pro und dem 18 Pro Max eine Funktion spendiert, die Fotografen seit Jahrzehnten kennen, in Handys aber neu ist – die variable Blende. Das Hauptobjektiv arbeitet nun zwischen f/1.4 und f/4.8, geregelt über mechanische Lamellen. Bemerkenswert, denn bislang mussten Smartphone-Kameras mit fixer Blende auskommen und die Tiefenschärfe per Software vortäuschen.
Jetzt erzeugt das iPhone echtes Bokeh, kann bei Bedarf aber auch abblenden und so die Schärfentiefe erhöhen – für Landschaftsaufnahmen etwa oder wenn man bei hellem Sonnenlicht längere Belichtungszeiten für Bewegungseffekte braucht. PetaPixel jubelt über „Apples schnellstes Objektiv bisher“ und hebt hervor, dass die f/1.4-Öffnung deutlich mehr Licht schluckt als die f/1.78 des Vorgängers. Amateur Photographer lobt die besseren Low-Light-Eigenschaften und die neuen fotografischen Spielräume dank der variablen Blende.
Technisch grenzt das an eine kleine Revolution. Mechanische Blendenlamellen ins Smartphone zu quetschen, ohne dass das Gerät dicker wird, ist hohe Ingenieurskunst. Samsung hatte vor Jahren mit dem Galaxy S9 schon mal eine Zwei-Stufen-Blende verbaut (f/1.5 und f/2.4), doch das blieb eher Spielerei. Apple geht spürbar weiter und bietet stufenlose Kontrolle.
Hinzu kommt der neue A20-Chip mit „Ambient AI“, der Bildinhalte in Echtzeit analysieren und optimieren soll. Die KI soll erkennen, ob gerade ein Porträt, eine Landschaft oder ein Makro entsteht, und Blende, Belichtung sowie Bildverarbeitung passend anpassen. Ob das die Fotografie wirklich umkrempelt oder nur cleveres Marketing ist, müssen ausführliche Tests klären. Klar ist aber: Apple meint es ernst mit der Fotografie, steckt viel in Hardware und Software – und setzt damit die Konkurrenz unter Druck.
Interessant nebenbei: Parallel hat Apple mit dem „Duo“ sein erstes faltbares Smartphone vorgestellt. Ob es auch fotografisch neue Maßstäbe setzt, muss sich zeigen – bisher sind Foldables eher Kompromiss als Kamera-Champion. Die Knickstelle im Display erschwert kreative Kompositionen, und die Kameras hinken den Flaggschiffen meist eine Generation hinterher. Vielleicht überrascht Apple aber auch hier.
William Klein wird 100 – und gefeiert
Zum Schluss etwas für Freunde der Fotokunst. William Klein, einer der einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts, würde in diesem Jahr 100 Jahre alt. Der 2022 verstorbene Künstler wird nun mit der Retrospektive „William Klein 100“ in der Hackelbury Fine Art Gallery in London gewürdigt.
Mit seiner radikalen Streetfotografieund experimentellen Modefotografien hat Klein Maßstäbe gesetzt, die bis heute nachwirken. Unscharfe Bilder, extreme Kontraste, grobe Körnung, Weitwinkel-Verzerrungen – was heute als Instagram-Filter durchgeht, war bei Klein in den 1950er und 60er Jahren künstlerische Vision und Rebellion gegen die perfektionistische Ästhetik seiner Zeit. Seine Fotobücher über New York, Rom, Moskau und Tokyo gelten als Meilensteine.
Another Magazine hat zur Ausstellung ein lesenswertes Interview mit der Galerie veröffentlicht, in dem die Kuratoren über Kleins Einfluss und die Auswahl der gezeigten Arbeiten sprechen. Zu sehen sind ikonische Werke aus allen Schaffensphasen – von den frühen Street-Photography-Serien über Modeaufnahmen für Vogue bis zu den späteren, experimentellen Arbeiten.
Wer verstehen will, wie Fotografie zur Kunst wurde und wie ein einzelner Künstler eine ganze Generation prägen konnte, sollte sich Kleins Werk ansehen – oder es zumindest online durchstöbern. Der Aufwand lohnt, denn Klein hat vorgeführt: Technik ist bloß Mittel zum Zweck. Am Ende zählen der Blick, die Haltung, die Vision.
Fazit der Woche
Pentax wagt den unmöglichen Neustart und hält am Spiegel fest, Leica muss sich nach Jahren des Wachstums neu sortieren, und Apple macht Smartphone-Fotografie wieder ein Stück besser – Beweis dafür, dass selbst in ausgereiften Märkten noch Bewegung drin ist. William Klein wiederum erinnert uns daran, dass am Ende nicht die Technik zählt, sondern der Blick durchs Objektiv und was man daraus macht. In diesem Sinne: Gutes Licht für die kommende Woche!
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