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Saturday, October 24, 2026

Berner Romand und Freikirchler: So tickt Pierre Alain Schnegg

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  • Der Berner Regierungsrat Pierre Alain Schnegg (SVP) kandidiert für den Bundesrat.
  • Der frankophone Bernjurassier gilt als Romand-Alternative zur Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz.
  • Schnegg sorgte mit harter Sozialpolitik und seinem Corona-Kurs über Bern hinaus für Schlagzeilen.

Pierre Alain Schnegg kandidiert für den Bundesrat. Einen Tag vor Ablauf der parteiinternen Bewerbungsfrist kündigte der Berner Regierungsrat seine Kandidatur an. Schnegg stammt aus dem Berner Jura und spricht Französisch. Das macht ihn zumindest zum halben Romand und damit zur Alternative für die in der Parteileitung dem Vernehmen nach mässig beliebte Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz, die ihre Kandidatur letzte Woche ankündigte.

«Ich habe viele Anfragen erhalten von verschiedenen Seiten. Da beginnt man nachzudenken», sagte Schnegg gegenüber dem Tages-Anzeiger. Er stelle sich zur Verfügung, weil die Romandie den Sitz behalten sollte. Seine Kandidatur sei nicht gegen Amaudruz gerichtet. Wenn die SVP den Sitz verteidigen wolle, brauche es eine Auswahl, auch aus der Romandie. Der Kanton Bern ist mit Albert Rösti allerdings schon im Bundesrat vertreten.

Reizfigur im Regierungsrat

Für Pierre Alain Schnegg, der im Dezember seinen 64. Geburtstag feiert, ist es wohl die letzte Chance auf das höchste Regierungsamt. In der Regierung des Kantons Bern steht Schnegg seit 2016 der Direktion für Gesundheit, Soziales und Integration vor. Dort wurde er schnell zur Reizfigur der Linken, die jeweils den Slogan «Schnegg muss weg» skandieren – zuletzt bei einer Demo im Frühling gegen die Opferhilfestrategie.

Mit seinem harten Kurs in sozialpolitischen Fragen sorgte Schnegg über den Kanton Bern hinaus für Schlagzeilen. Er kürzte etwa die Asylsozialhilfe um knapp ein Drittel und wurde später vom Verwaltungsgericht gestoppt. Als Gesundheitsdirektor treibt er die Privatisierung von Spitälern voran.

Pierre Alain Schnegg war einer der prägenden Köpfe der Schweizer Corona-Politik. Er sprach sich für harte Massnahmen aus, während seine Partei einen massnahmen- und impfskeptischen Kurs einschlug.

Pierre Alain Schnegg war einer der prägenden Köpfe der Schweizer Corona-Politik. Er sprach sich für harte Massnahmen aus, während seine Partei einen massnahmen- und impfskeptischen Kurs einschlug.Tamedia/Adrian Moser

Auch mit seiner Corona-Politik eckte der gelernte Kaufmann und Wirtschaftsinformatiker an. Er gehörte vor allem zu Beginn der Pandemie zu den Hardlinern, die früh strenge Massnahmen einführten. Dies, obwohl sich die SVP als Kritikerin von Lockdowns und strengen Schutzmassnahmen profilierte. Als Gesundheitsdirektor rief Schnegg auch eindringlich zum Impfen auf. Wegen seiner Haltung geriet er ins Visier von Corona-Skeptikern, die ihn bedrohten.

Freikirchler und Familienvater

Schnegg gehört der evangelikalen Freikirche Gemeinde für Christus an. Er ist Vater von vier erwachsenen Kindern. Einen Widerspruch zwischen seinem politischen Tun und seinen christlichen Werten verneint er jeweils vehement. «Ist es Nächstenliebe, wenn man junge Menschen daheim sitzen lässt und sie mit Geld des Staats alimentiert? Nein!», sagte er etwa 2019 gegenüber dem Tages-Anzeiger.

Was ist für dich das wichtigste Kriterium bei einer Bundesratswahl?

Obwohl er seit zehn Jahren im Regierungsrat sitzt, ist nur wenig über den Privatmenschen Schnegg bekannt. Auf seinem Instagram-Konto postet er neben Politik vor allem Bilder von Blumen und Bienen.

Nicht zu unterschätzen ist bei Bundesratswahlen der Gmögigkeitsfaktor. Hier hapert es gemäss dem Berner Medium «Hauptstadt» noch etwas an Geselligkeit und an einem guten Gespür für Menschen.

Delia Bachmann

Delia Bachmann (dba), Jahrgang 1993, arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Als Redaktorin im Ressort Politik berichtet sie über das Geschehen in Bundesbern.

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