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Thursday, October 15, 2026

Nach Misshandlungs-Skandal: Schweizer Eisprinzessin schockiert

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  • Das Schweizer Sportgericht sperrt einen Eiskunstläufer für drei Jahre wegen Verstössen gegen die Integrität seiner Eistanzpartnerin.
  • Die Taten zwischen Dezember 2022 und Juli 2024 umfassen Belästigung, sexuelle Übergriffe und Demütigungen; die Partnerin war minderjährig.
  • Die ehemalige Eisprinzessin Alexia Paganini (24) zeigt sich schockiert und lobt den Mut der Betroffenen.

Ein Misshandlungsfall erschüttert die Schweizer Eiskunstlaufwelt. So hat das Schweizer Sportgericht (TSS) einen Eiskunstläufer für drei Jahre gesperrt. Er wurde wegen mehrerer Verstösse gegen «die sexuelle und psychische Integrität seiner Eistanzpartnerin» für schuldig befunden. Die Partnerin war zum Zeitpunkt der Taten minderjährig.

Die Vorfälle ereigneten sich zwischen Dezember 2022 und Juli 2024, wie die Stiftung Swiss Sport Integrity, die sich für die Bekämpfung von Fehlverhalten im Sport einsetzt, am Mittwoch mitteilte. Laut Gerichtsurteil belästigte der Eiskunstläufer seine Partnerin, beging sexuelle Übergriffe und konfrontierte sie mit pornografischem Material. Zudem demütigte und beschimpfte er sie während des Trainings vor anderen.

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Die Schweizer Eisprinzessin Alexia Paganini ist schockiert über den Fall, als sie von diesem hört. Die 24-Jährige, die mit 22 Jahren genug vom Spitzensport hatte und zurücktrat, wählt gegenüber 20 Minuten klare Worte.

Alexia Paganini hatte mit 22 Jahren genug vom Spitzensport. Mit dem Sport ist sie aber weiterhin verbunden.

Alexia Paganini hatte mit 22 Jahren genug vom Spitzensport. Mit dem Sport ist sie aber weiterhin verbunden.Instagram/alexia.paganini

«Wir müssen zuhören, wenn Menschen sich zu Wort melden»

«Als jemand, der einen grossen Teil seines Lebens im Eiskunstlauf verbracht hat, fällt es mir schwer, so etwas zu lesen. Ich denke, es spricht ein grösseres Problem in unserer Sportkultur an: Wie sicher fühlen sich Menschen, offen anzusprechen, wenn etwas nicht stimmt?», sagte sie. Sie finde es sehr mutig, dass die Betroffene ihre Erfahrungen öffentlich gemacht habe.

«Über Misshandlung zu sprechen, ist nie einfach – gerade in einer kleinen Gemeinschaft, in der sich alle kennen. Ich kenne nicht alle Einzelheiten dieses Falls und möchte mich deshalb dazu nicht äussern.»

Der Schweizer Ex-Eiskunstlauf-Star hält weiter fest, dass jeder Mensch in ihrem Sport es verdiene, sich sicher, respektiert und unterstützt zu fühlen. «Wir müssen zuhören, wenn Menschen sich zu Wort melden, und bereit sein, auch schwierige Gespräche darüber zu führen, was sich ändern muss.»

Paganini kennt die Szene bestens, war sie doch jahrelang der Star im Schweizer Eiskunstlauf. Zwischen 2018 und 2022 gewann sie jeden Schweizer Meistertitel. An Europameisterschaften gelang ihr viermal der Sprung in die Top 10. 2020 verpasste sie das Podest als Vierte nur hauchdünn. Hinzu startete sie 2018 und 2022 für die Schweiz bei den Olympischen Spielen.

Eiskunstlauf-Ikone Sarah van Berkel äusserte sich auf Instagram zum Urteil. «Drei Jahre sind nicht genug. Solche Menschen wollen wir nicht in unserem Sport – und auch sonst nirgendwo», so van Berkel. «Mein Mitgefühl für das Opfer – und Hut ab für den Mut, auszusagen und sich zu wehren. Für sich selber und alle anderen!» Sie sei «extrem betroffen, aber leider nicht extrem überrascht».

Missbrauchsskandal erschütterte Frankreichs Sportwelt

Im Eiskunstlauf kommt es immer wieder zu solchen schlimmen Eklats – etwa wie jener um den Trainer Gilles Beyer. Die ehemalige französische Eiskunstläuferin Sarah Abitbol machte 2020 öffentlich, dass er sie als 15- bis 17-Jährige wiederholt vergewaltigt und sexuell missbraucht habe.

Danach meldeten sich weitere frühere Läuferinnen, und der langjährige Verbandspräsident Didier Gailhaguet trat unter politischem Druck zurück. Die Taten geschahen in den 1990er-Jahren. Beyer gab zu, eine intime Beziehung mit Abitbol gehabt zu haben, und bezeichnete das als «unangebrachte Verbindungen». Er bat die ehemalige Athletin um Verzeihung, doch sie sagte: «Ich verzeihe nicht.»

Im Januar 2021 wurde Beyer wegen sexueller Nötigung und sexueller Belästigung in einer Machtposition angeklagt. Aufgrund der Verjährungsfrist konnten die Fälle aber nicht weiterverfolgt werden. Beyer starb 2023 im Alter von 64 Jahren.

In Kanada musste Eiskunstlauftrainer in den Knast

Die Affäre Beyer machte sichtbar, wie lange sexuelle Übergriffe in einem leistungsorientierten System unsichtbar bleiben können. Dass die Gefahr aber keineswegs der Vergangenheit angehört, zeigt nicht nur der aktuelle Fall in der Schweiz, sondern auch jener des kanadischen Eiskunstlauftrainers Matthew Power.

Power missbrauchte zwischen 2016 und 2020 zwei minderjährige Schülerinnen sexuell. Laut Gericht begann die Anbahnung über Snapchat: Power schrieb den Jugendlichen sexuell gefärbte Nachrichten, tauschte Nacktbilder aus und traf sie anschliessend an verschiedenen Orten, darunter in seinem Haus, im Auto, in einer Hütte und in einem Lagerraum einer Eishalle.

Er wurde 2024 in acht Anklagepunkten schuldig gesprochen und 2025 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung darf er zehn Jahre lang weder mit Kindern arbeiten noch digitale Netzwerke nutzen.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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Nils Hänggi

Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredaktor und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.

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