Ökologische Erholung – Im Bielersee grünt es so vielfältig wie seit Jahren nicht mehr

Ökologische Erholung Im Bielersee grünt es so vielfältig wie seit Jahren nicht mehr
Artenvielfalt im Bielersee verdoppelt: Warum es dem See heute viel besser geht.
In den Tiefen des Bielersees bewegen sich heute mehr Arten von Wasserpflanzen als noch vor ein paar Jahrzehnten. Ein gutes Zeichen. Dem Bielersee geht es nämlich deutlich besser als in den 1980er-Jahren. Die Artenvielfalt hat sich seither verdoppelt.
Der Hauptgrund dafür ist die Wasserqualität, die laut dem Kanton Bern besser wurde. Der See sei nicht mehr so stark überdüngt wie früher, sagt Martina Küng, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim kantonalen Gewässer- und Bodenschutzlabor.
Wir haben im letzten Jahr 24 Pflanzenarten gefunden – doppelt so viele wie noch in den 1980er-Jahren.
Das habe mit den Bemühungen im Gewässerschutz zu tun. Durch die Kläranlagen und das Phosphatverbot in Waschmitteln sei das Wasser klarer geworden, in der Tiefe gebe es mehr Licht. Wasserpflanzen können sich so bis in 13 Metern Tiefe ausbreiten. «Wir haben im letzten Jahr 24 Pflanzenarten gefunden – doppelt so viele wie noch in den 1980er-Jahren.»
Armleuchteralgen auf dem Vormarsch
Ein besonderes Zeichen für die ökologische Erholung ist die Ausbreitung der Armleuchteralgen, sagt Martina Küng. Deren starke Zunahme zeige, dass sich der See seinem natürlichen Zustand wieder annähere.
1976 seien die Armleuchteralgen ganz aus dem Bielersee verschwunden. Heute würden sie 64 Prozent der untersuchten Fläche besiedeln. Davon profitieren würden beispielsweise Fische, sagt Küng. «Diese können sich gut in Wasserpflanzen verstecken oder laichen dort. Auch Schnecken und Wasserinsekten leben auf Wasserpflanzen.» Ausserdem würden sie den Untergrund stabilisieren.
Folgen des Hitzesommers noch unklar
Die neuesten Untersuchungen des Amtes für Wasser und Abfall beziehen sich auf letztes Jahr. Deshalb und auch, weil die Pflanzen eine längere Entwicklungszeit bräuchten, könne man erst später eine endgültige Bilanz ziehen, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin.
Welche Folgen der Hitzesommer 2026 für die Wasserpflanzen hat, könne man erst in den kommenden Jahren sehen. «Klar ist, das Wasser wird wärmer. Dadurch hat es weniger Sauerstoff im Wasser, was für gewisse Wasserorganismen belastend sein kann.»
Neue Herausforderungen für Ökosystem
Die Artenvielfalt der Pflanzen im Bielersee hat in den letzten Jahren also zugenommen. Gleichzeitig steht das Ökosystem vor neuen Herausforderungen. Der Klimawandel und invasive Arten setzen den Tieren und Pflanzen im Gewässer immer stärker zu.
Luftbild und Tauchen: So funktioniert die Messung
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Die Untersuchungen des Amtes für Wasser und Abfall entstehen einerseits durch die Arbeit von Taucherinnen und Tauchern. Diese inspizieren an acht Testflächen im Bielersee die Unterwasserwelt und nehmen die Wasserpflanzen vor Ort auf. Sie tauchen jeweils vom Ufer bis ans Vegetationsende entlang des Gefälles. Andererseits erkennt man anhand von Luftbildern, wie sich die Wasserpflanzen ausbreiten. Bis rund fünf Meter Tiefe sieht man die Pflanzen von der Luft aus.
Die eingeschleppte Wasserpflanze Nuttalls Wasserpest bedeckt mittlerweile rund zehn Prozent der untersuchten Seefläche. Auch die invasive Quaggamuschel beeinflusst den Lebensraum negativ, weshalb das kantonale Amt für Wasser und Abfall den Zustand des Sees weiterhin überwacht. Die Wasserpflanzen werden jedoch erst in zehn Jahren wieder untersucht.
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