Könnte herunterfallen „wie Schmuck von Weihnachtsbaum“: Russland droht Starlink
Der ehemalige russische Präsident und aktuelle Vizevorsitzende des russischen Sicherheitsrats hat die US-Regierung vor einem Krieg im Weltraum gewarnt, sollten Rufe nach einer Blockade der landeseigenen Starlink-Alternative erhört werden. Auf seinem Telegram-Konto hat Dmitri Medwedew geschrieben, die Forderung des „ Kiewer Trottels“ bedeute nichts anderes als die Zerstörung der Technik und im Gegenzug würden Starlink-Satelliten „wie Schmuck von einem vertrockneten Weihnachtsbaum herabrieseln“. Der Weltraum sei sehr beengt und man müsse sich dort mit Respekt begegnen. Erst vorige Woche hatte die Regierung der Ukraine von Washington Sanktionen gegen Organisationen aus Russland gefordert, die beim Aufbau von „Rasswet“ helfen.
Rasswet (russisch Рассвет, „Morgendämmerung“) ist ein Satellitenkommunikationssystem, das nach zwei Vorläufermissionen seit diesem Jahr aufgebaut wird. Bei zwei Raketenstarts im März und Juli wurden insgesamt 32 Satelliten für Rasswet-3 ins All geschossen, von denen einer inzwischen verglüht ist. Die restlichen wurden inzwischen fast alle in höhere Umlaufbahnen gebracht, hat der niederländische Satellitenexperte Marco Langbroek von der TU Delft beobachtet. Das widerspricht Medienberichten von Anfang September, in denen schon von einem Scheitern des Projekts die Rede war. In der Ukraine geht man derweil davon aus, dass das System 2027 in Betrieb gehen könnte. Das würde für die angegriffene Nation zu einem enormen Risiko werden.
Russische Starlink-Alternative als „game-changer“
Aus der ukrainischen Botschaft in Washington D.C. war deshalb vorige Woche laut Reuters eindringlich gefordert worden, dass die Vereinigten Staaten russische Einrichtungen sanktionieren, die am Aufbau von Rasswet beteiligt sind. Sollte Russland das System zum Jahreswechsel in Betrieb nehmen können, „werden sie in der Lage sein, ukrainische Ziele auf unserem Staatsgebiet in Echtzeit anzugreifen“, zitiert die Nachrichtenagentur den stellvertretenden Missionsleiter der ukrainischen Botschaft, Denys Sienik: „Sollten diese Einrichtungen nicht mit Sanktionen belegt werden, würde das Russland das Programm ermöglichen und das würde die Lage grundlegend verändern (‚that will be a game-changer‘)“.
Der Aufbau von Rasswet erfolgt jetzt auch, nachdem das russische Militär Anfang des Jahres bestehende Zugänge zu Starlink verloren hat. Davor hatte der damalige ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow darauf aufmerksam gemacht, dass Russland Angriffsdrohnen mit Starlink-Antennen ausgestattet hat, um sie aus der Ferne zu steuern. Innerhalb von Tagen war es dann offenbar gelungen, Russlands Militär mithilfe von SpaceX eine zentrale Technik zu nehmen. Als wichtigste Maßnahme galt dabei eine Beschränkung auf autorisierte Starlink-Antennen, Nutzer und Nutzerinnen in der Ukraine müssen sich seitdem verifizieren. Sollte Rasswet in Betrieb gehen, könnte Russland an der Front Zugriff auf eine eigene Kommunikationsinfrastruktur bekommen. Wie leistungsfähig die wäre, ist aber unklar.
Mit einer Atombombe gegen Starlink?
Die russische Drohung gegen Starlink ist nun nicht die erste aus Moskau, schon 2022 hat das Land solch „quasi-zivile“ Infrastruktur vor den Vereinten Nationen als ein „legitimes Ziel für Vergeltung“ bezeichnet. Der damalige Chef der russischen Raumfahrtagentur hat Elon Musk damals sogar persönlich gedroht. Der US-Milliardär ist als Chef von SpaceX verantwortlich für den kommerziellen Dienst. Wie genau Russland das aus über 11.000 Satelliten bestehende Netzwerk im Orbit angreifen könnte, ist unklar. Aber die jetzt auf Telegram geteilte Drohung könnte als Hinweis auf Überlegungen verstanden werden, in großer Höhe eine Atombombe zu zünden und damit einen massenhaften Ausfall von Satelliten auszulösen. Die könnten dann in großer Zahl abstürzen, so wie Medwedew das beschreibt.
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