Erste Einwohner aus besetzter ukrainischer Stadt Oleschky evakuiert
Feuerpause im besetzten Gebiet Mit dem Bus raus aus Oleschky
Stand: 30.10.2026 • 17:49 Uhr
Inmitten einer Feuerpause haben die ersten Einwohner von Oleschky die von Russland besetzte südukrainische Stadt verlassen. Die Ukraine hofft, dass auch weitere Städte in der Region auf ähnlichem Weg versorgt werden können.
Erste Bewohner der von Russland besetzten südukrainischen Stadt Oleschky haben das umkämpfte Gebiet verlassen. Am Nachmittag verließ ein Hilfskonvoi die Stadt mit den Menschen, die zu einer Flucht bereit waren. Sie sollen in die nicht besetzten Teile der Ukraine ausreisen können oder - je nach Wunsch - auch auf von Russland kontrolliertem Gebiet bleiben können.
Der Konvoi war am Morgen auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim gestartet. Er besteht aus 25 Bussen und einem Fahrzeug, in dem Personen transportiert werden, die liegen müssen. Insgesamt könnten etwa 800 Menschen in Sicherheit gebracht werden. "Man geht jedoch davon aus, dass etwa die Hälfte der Menschen auch wünscht, von dort evakuiert zu werden", berichtet ARD-Korrespondent Florian Kellermann.
Für die Menschen, die in Oleschky bleiben wollen, kamen die ersten Hilfslieferungen an. Darunter sind vor allem Lebensmittel wie Mehl, Getreide, Zucker, Speiseöl, Fleisch- und Fischkonserven. Auch Hygienemittel und Treibstoff für Notstromgeräte wurden geliefert. Das zentrale Krankenhaus erhielt zudem Medikamente wie Antibiotika und Insulin.
Menschenrechtsbeauftragter spricht von Erfolg
Ein Erfolg, sagte der ukrainische Ombudsmann für Menschenrechte, Dmytro Lubinez, der den Konvoi begleitete. Weder die Ukraine noch Russland habe die Feuerpause gebrochen, die für die Evakuierung der Stadt vereinbart worden war. Sie gilt noch bis Sonntag und ist auf Oleschky und Umgebung begrenzt.
Aus dem Weißen Haus hieß es, die Waffenruhe sei maßgeblich von First Lady Melania Trump vermittelt worden. In den vergangenen Tagen wurde die Feuerpause dazu genutzt, die Zufahrtswege nach Oleschky von Minen zu befreien.
Modell für weitere Städte?
Neben dem ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Lubinez war auch die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa zugegen.
Die Evakuierung war Teil einer gemeinsamen Hilfsaktion und die erste ihrer Art seit Kriegsbeginn vor vier Jahren und acht Monaten. Lubinez sagte, er hoffe, dass das Vorgehen in Oleschky zum Modell für weitere Städte in der Region werden könne, die sich in einer ähnlichen Situation befänden. Darüber habe er sich mit Lantratowa abgesprochen, so Lubinez.
Monatelang von Außenwelt abgeschnitten
Oleschky liegt am Ufer des Flusses Dnipro in der Region Cherson im von Russland besetzten Süden der Ukraine. Seit 2022 ist die Stadt von Russland besetzt. Der Dnipro gilt als Frontlinie, weshalb Oleschky in schwer umkämpften Gebiet liegt.
In den vergangenen Monaten hatte sich dort eine humanitäre Katastrophe entwickelt. Denn die Stadt war monatelang weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Der letzte Lebensmitteltransport dorthin fand im Mai statt. Den Sommer über hätten die Menschen dann noch von dem gezehrt, was sie in ihren Gärten angebaut hätten, berichtet ARD-Korrespondent Kellermann. Diese Vorräte seien nun aber zu Ende gegangen. "Die Menschen haben schon gehungert." Es sei höchste Zeit für Hilfe gewesen, so Kellermann.
Chance - aber auch Risiken
Beobachter in der Region sehen in der aktuellen Feuerpause allerdings auch Gefahren für die Ukraine. Von Oleschky aus beschießen ukrainische Drohnenpiloten seit Jahren die Großstadt Cherson auf der anderen Seite des Dnipro. Befürchtet wird, dass Russland seine Chance nun nutze, seine militärische Situation dort zu verbessern.
An anderer Stelle hatte Russland seine Angriffe auf die Ukraine während der lokal begrenzten Feuerpause mit unverminderter Härte fortgesetzt, zuletzt zum Beispiel auf die Hauptstadt Kiew und den Bahnhof in Dnipro. Dabei wurden zahlreiche Menschen getötet.
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