Zentralasien – Kirgistan ernennt Schneeleoparden zum Nationaltier

Rund 300 Schneeleoparden leben heute noch in Kirgistan, einem kleinen, gebirgigen Land in Zentralasien.
Vor drei Jahren entschied sich Präsident Sadyr Japarov, den Schneeleoparden zum nationalen Symbol seines Landes zu erklären. Mit dem Ziel, das kirgisische Volk zu vereinen und das Bild eines Landes zu stärken, das sich dem Umweltschutz verpflichtet fühlt. Seither bedeutet ein Angriff auf dieses Tier einen Angriff auf eine ganze Nation.
«Identität des kirgisischen Volkes»
«Der Schneeleopard repräsentiert die Identität des kirgisischen Volkes. Man darf ihn nicht töten», sagt Aye Charkhran, der in einem Jurtencamp auf den Hochebenen der Region Issyk-Kul arbeitet.
In dieser Region, in der die Jagd zu den überlieferten Traditionen gehört, haben die Adlerjäger die Botschaft gut verstanden.
Das ganze Interview mit dem Adlerjäger Khluman Bek:
«Wir haben ein rotes Buch. Und darin sind die Tiere aufgelistet, die man niemals berühren, töten oder fangen darf. Wer dies dennoch tut, bekommt sehr grosse Probleme mit der Regierung», erklärt Khluman Bek, ein Adlerjäger, in einem Beitrag des Westschweizer Radios und Fernsehen RTS.
Belohnungen gegen die Wilderei
Im ganzen Land wurden Plakate angebracht, um die Wilderei zu stoppen. Der «Snow Leopard Trust», eine wissenschaftliche Organisation, setzt sich für den Erhalt der Tiere ein, indem sie ein finanzielles Belohnungssystem eingeführt haben.
Der Biologe Kuban Jumabaev erklärt dieses System so: «Wenn Wildhüter einen Wilderer erwischen, der einen Schneeleoparden oder eines seiner Beutetiere getötet hat, erhalten sie eine Belohnung von 22’000 kirgisischen Som (umgerechnet etwa 200 Franken). Und wenn sie illegale Waffen beschlagnahmen, sind es 10’000 Som pro Gewehr.»
Ein System, das in Kirgistan wahrscheinlich deshalb so gut funktioniert, weil Korruption noch immer weitverbreitet ist.
Und die Bemühungen der Organisation haben Früchte getragen: Der Schneeleopard ist in den vergangenen Jahren vom Status «gefährdet» zum Status «verletzlich» übergegangen. Doch der Biologe Kuban Jumabaev bleibt weiter vorsichtig: «Mit dem Klimawandel reicht ein extremes Wetterereignis aus, um einen grossen Teil der Tierwelt in den Bergen zu vernichten. Wir können uns nicht mit 300 Individuen zufriedengeben, denn die Gletscher schmelzen zusehends.»
Ein touristisches und diplomatisches Aushängeschild
Indem sich Kirgistan als Verteidiger der Bergökosysteme positioniert, versucht das Land zugleich, sein internationales Image aufzubessern. Immer mehr geführte Reisen bringen Touristinnen und Touristen auf die Hochebenen, wo sie Nomaden begegnen und mit etwas Glück einen Schneeleoparden erspähen können.
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