Eklat bei UNO-Versammlung – Leere Plätze bei Netanjahus Rede: Wie reagierte Israels Premier?

Als Israels Premier Benjamin Netanjahu vor der UNO-Generalversammlung ans Rednerpult trat, verliessen zahlreiche Delegierte aus Protest den Saal. In seiner Rede verteidigte er Israels Vorgehen im Gazastreifen und den Angriff auf Iran. SRF-Auslandredaktorin Susanne Brunner ordnet den Auftritt ein.
Susanne Brunner
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Welche Botschaft vermittelte Netanjahu in seiner Rede?
Sie war in vieler Hinsicht typisch für Netanjahu: das Gute gegen das Böse. Diesmal teilte er die Welt noch stärker in diese Kategorien ein, im Sinne von: »Israel führt den Kampf der freien Welt gegen die nukleare Bedrohung des Iran und die Barbaren an». Wer seine Politik kritisiert, ist in seiner Sicht gegen Israel und steht auf der Seite des Feindes. Grautöne gibt es offenbar nicht mehr. Er berief sich auch häufiger als sonst auf Gott.
Wie reagierte Netanjahu auf den Protest im Saal?
Es nervte ihn sichtlich, dass so viele Diplomatinnen und Diplomaten den Saal verliessen, als er ans Rednerpult trat. Er sprach emotional und bezeichnete die Delegierten, die unter Protest hinausgingen, als «moralische Feiglinge». Laut israelischen Medienberichten verliessen Vertreterinnen und Vertreter von 77 Staaten den Saal oder nahmen gar nicht erst Platz.
Wen meinte Netanjahu mit «moralischen Feiglingen»?
Für Netanjahu ist nur moralisch, was Israel macht: Er sieht sich in einem ehrenhaften Kampf gegen einen Feind, der die Welt bedroht – Iran und die von ihm unterstützten bewaffneten Gruppen wie Hamas, Hisbollah und Huthi. «Moralische Feiglinge» sind für ihn jene, die hintenrum Israels Politik unterstützen, aber nicht offen dazu stehen. In seiner Weltsicht gilt der Vorwurf auch allen, die nicht vorbehaltlos hinter seiner Politik stehen.
Trifft sein Vorwurf einen wunden Punkt der Weltgemeinschaft?
Delegierte verlassen demonstrativ den Saal, wenn der israelische Premier spricht, bleiben aber bei anderen Staatschefs sitzen, die ebenfalls einiges auf dem Kerbholz haben. Darin zeigt sich ein Grundsatzproblem der Weltgemeinschaft: Doppelmoral. Der grösste Teil der Welt hat sich auf Mindeststandards der Menschlichkeit geeinigt, die selbst im Krieg gelten. Es gibt das humanitäre Völkerrecht. Angewendet wird es aber sehr selektiv.
Wo zeigt sich diese Doppelmoral?
Etwa der unterschiedliche Umgang mit Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas wird in einem grossen Teil der Welt als Doppelmoral empfunden. Gegen Netanjahu liegt ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs vor, dennoch durfte er in die USA einreisen und vor der UNO-Generalversammlung reden. Abbas hingegen durfte nicht einreisen und konnte nur per Video zur UNO sprechen. Er ist der international anerkannte Vertreter des palästinensischen Volkes und gehört nicht der Hamas an.
In Israel sind im Oktober Wahlen. War das auch eine Rede an seine Wählerschaft?
Die Rede war vor allem an seine Wählerschaft gerichtet. Netanjahu gefällt sich in der Rolle des Staatschefs, der auf der internationalen Bühne auftritt. Zwar zeigte der Protest, wie isoliert Israel wegen seiner Politik zunehmend ist. Das macht seiner treusten Wählerbasis aber keinen Kummer. Sie glaubt, was Netanjahu erzählt: Israel kämpfe im Namen Gottes und des Guten gegen das Böse – und bleibe standhaft, selbst wenn andere nicht zu Israel halten.
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