Kritik an Big Tech: Snowden redet Schweizer Studierenden ins Gewissen
Kritik an Big Tech
Snowden redet Schweizer Studierenden ins Gewissen
Ein US-Techkonzern sorgt an der EPFL für Protest. Und an der ETH warnt der berühmteste Whistleblower der Welt vor dem wachsenden Einfluss des Silicon Valley.
Publiziert: vor 14 Minuten
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- Edward Snowden spricht an der ETH Zürich über KI und Überwachung
- Snowden kritisiert Nähe von Staaten und Techkonzernen
- Studierende der EPFL kritisieren Palantir-Teilnahme an Karrieremesse im Oktober
Sara BelgeriRedaktorin
Als der bekannteste Whistleblower der Welt auf der Leinwand erscheint, ist das Audimax der ETH bis auf den letzten Platz gefüllt: Edward Snowden (43) spricht live aus dem Exil in Russland zu Hunderten Studierenden über künstliche Intelligenz, Überwachung und die Macht globaler Techkonzerne.
Anlass ist das Panel «AI Surveillance and Freedom of Speech». Die Debatte über KI-Überwachung und Redefreiheit beschäftigt auch die Schweizer Hochschullandschaft – von Zürich bis Lausanne VD: Wie sollen Studierende und Lehrpersonal mit dem Einfluss von Big Tech umgehen? Und welche Verantwortung trägt, wer solche Technologien entwickelt?
Im Publikum sitzen Akademiker, die genau mit diesen Fragen konfrontiert sind. Denn Unternehmen wie Google oder Palantir werben an Schweizer Hochschulen um Nachwuchskräfte.
«Die Verantwortung liegt bei den Menschen»
Snowden findet deutliche Worte. Der ehemalige Mitarbeiter von CIA, NSA und DIA, der 2013 das Ausmass der Überwachung durch die US-Geheimdienste öffentlich machte, warnt vor einer Erosion demokratischer Kontrolle. Immer mehr staatliche Aufgaben würden an private Techkonzerne wie Palantir ausgelagert. Damit drohten Verantwortlichkeiten zu verschwimmen.
Besonders brisant sei dies beim Thema künstliche Intelligenz. Snowden kritisierte, dass KI-Firmen die Verantwortung für Fehler ihrer Systeme auf eine angeblich «autonome künstliche Intelligenz» abschieben. Algorithmen aber seien weder schuldig noch unschuldig: «Die Verantwortung liegt immer bei den Menschen, die diese Systeme entwickeln und einsetzen.» Deshalb forderte er auch rechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen.
Zu Russlands zunehmend autoritärem politischem System äusserte sich Snowden, der seit 2022 russischer Staatsbürger ist, während der Veranstaltung nicht.
Die Debatte kommt nicht von ungefähr. Unternehmen wie die US-Datenfirma Palantir arbeiten weltweit für Militärs, Geheimdienste, Polizeibehörden und Unternehmen. Wie das Onlinemagazin «Republik» bekannt machte, versuchte Palantir auch in der Schweiz jahrelang, an Aufträge des Bundes zu kommen – allerdings ohne Erfolg. Beide Firmen stehen zudem in der Kritik, da ihre Technologien unter anderem im Gazakrieg zum Einsatz kommen.
Umstritten sind auch die Palantir-Gründer Alex Karp (58) und Peter Thiel (58). Kritiker werfen ihnen eine demokratiefeindliche Haltung vor und sprechen von «Tech-Faschismus».
Widerstand gegen Palantir
Besonders konkret wird die Debatte derzeit an der EPFL in Lausanne. Dort soll Palantir Anfang Oktober am «Forum EPFL» teilnehmen, der grössten Hochschul-Karrieremesse Europas.
Dagegen regt sich Widerstand, wie «20 Minutes» zuerst berichtete. Die Studierendenorganisation SUD étudiant-e-s et précaires fordert den Ausschluss des US-Konzerns. Sie wirft Palantir unter anderem eine Beteiligung an Massenüberwachung sowie Aktivitäten im Zusammenhang mit der US-Einwanderungsbehörde ICE und dem israelischen Militär vor. Die Tätigkeit von Palantir sei mit einem ethischen Verständnis von Technologie nicht vereinbar, schreibt die Studierendenorganisation auf Anfrage.
Palantir kam ohne Einladung
Auch der Dachverband der EPFL-Studierenden, AGEPoly, stellt sich gegen die Teilnahme Palantirs. Mehr als 900 Antworten auf eine Umfrage zum Thema zeigten, dass die Studierenden mit der Präsenz des Unternehmens auf dem Campus unzufrieden seien. «Wir haben zahlreiche Fragen und Bedenken von Studierenden erhalten», schreibt AGEPoly.
Die Organisatoren der Karrieremesse betonen, dass Palantir sich «aus eigener Initiative» angemeldet habe und nicht eingeladen worden sei. Zudem sei die Teilnahme eines Unternehmens «nicht als Unterstützung seiner Aktivitäten oder Positionen» zu verstehen.
EPFL greift nicht ein
Die EPFL-Leitung verweist darauf, dass das Forum bei der Organisation grundsätzlich frei sei, solange die allgemeinen Regeln der Hochschule bei seinen Veranstaltungen eingehalten würden. Die Hochschule nehme die Reaktionen der Studierenden zur Kenntnis, in den Organisationsprozess des Forums könne die EPFL jedoch nicht eingreifen.
Im ETH-Vortragssaal gibt Snowden den angehenden Informatikerinnen und Ingenieuren derweil einen Rat mit auf den Weg: «Ein Gerät darf niemals gegen die Interessen seines Nutzers handeln.» Ebenso wichtig sei es, die eigenen Überzeugungen zu bewahren. Wer einmal für ein mächtiges Unternehmen oder eine grosse Institution arbeite, solle sich deshalb bewusst machen, wofür er stehe: «Schreiben Sie auf, was Sie glauben und warum Sie es glauben, bevor Sie dort anfangen.»
Transparenzhinweis: Zwischen Ringier Medien Schweiz und Palantir besteht seit 2018 eine Partnerschaft. Ringier nutzt die Software Foundry sowie die «Artificial Intelligence Platform» des Unternehmens.
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