Zürcher Nobel-Brasserie serviert Fertig-Gyoza für 16 Franken

- Die Nobel-Brasserie der Villa Florhof in Zürich servierte Fertig-Gyoza für 16 Franken – mit Pouletfleisch aus Thailand und eingekaufter Ponzu-Sauce.
- Gault Millau kritisierte das Gericht als «Convenience Food mit Billig-Geflügel» und forderte, es sofort von der Karte zu nehmen.
- Die Gyoza verschwanden kurz darauf tatsächlich von der Speisekarte.
Kaum eröffnet, sorgt die Küche der luxuriösen Villa Florhof in Zürich bereits für Gesprächsstoff. Und dieser kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Schon vor der Eröffnung hatte es in der Küche Turbulenzen gegeben. Mehrere Köche verliessen den Betrieb, auch der als Aushängeschild verpflichtete Spitzenkoch Christian Jürgens ging noch vor dem Start. Für das geplante Fine-Dining-Restaurant wird weiterhin ein Küchenchef gesucht. Eröffnen soll das Signature im Spätherbst.
Nun gibt es direkt zum Start negative Schlagzeilen. Auslöser ist ein erster Besuch von Gault Millau. Das Gastroportal zeigt sich vom aufwendig renovierten Boutique-Hotel zwar beeindruckt, bei einem Gericht hört die Begeisterung aber abrupt auf.
Gyoza mit Thai-Poulet: «Goht's no?»
Stein des Anstosses sind Gyoza, die in der Brasserie für 16 Franken angeboten wurden. Die Teigtaschen waren nicht hausgemacht, sondern eingekauft. Gefüllt waren sie mit Pouletfleisch aus Thailand, dazu kam ebenfalls eingekaufte Ponzu-Sauce. «Goht's no?», schreiben die Tester. Für Gault Millau passt das überhaupt nicht zum Anspruch des Hauses. Das Urteil fällt entsprechend deutlich aus: «Convenience Food mit Billig-Geflügel» sei unter der Würde der Villa. Das Gericht müsse so schnell wie möglich von der Karte.

Die Kritik blieb offenbar nicht ohne Folgen. Wie der «Blick» berichtet, waren die Gyoza am Montagmorgen zunächst noch auf der Speisekarte zu finden. Kurz darauf verschwanden sie.
Florhof reagiert auf Kritik
Gegenüber dem «Blick» verteidigt der Florhof zunächst die bisherige Praxis. Man lege Wert auf Transparenz, die Herkunft des Pouletfleischs sei auf der Karte denn auch deklariert gewesen. Auch der Preis von 16 Franken habe dem Rechnung getragen. Gleichzeitig betont das Hotel, dass sich die Karte der Brasserie in der Eröffnungsphase laufend weiterentwickle.
Dabei fällt das erste Urteil von Gault Millau keineswegs nur negativ aus. Besonders die Cannelloni mit Schweizer Black Angus haben es den Testern angetan. Auch der Weinkeller erhält viel Lob: Rund 3000 Positionen hat Mitbesitzer Silvio Denz zusammengestellt. Gemeinsam mit Unternehmer Peter Spuhler steht er hinter dem Luxushotel.
Was denkst du, wenn in einem Nobelrestaurant Fertigprodukte auf der Karte stehen?
Die Brasserie wird von John Schiffmann (früher beim Buech in Herrliberg) und Christian Hoffmann (ehemals beim Adlon in Berlin) geführt. Neben den inzwischen gestrichenen Gyoza stehen dort etwa Tatar mit Kaviar, Eierschwämmli mit geräuchertem Saibling oder Wiener Schnitzel auf der Karte. Die beiden Köche dürften nun hoffen, dass künftig wieder ihre eigenen Kreationen für Schlagzeilen sorgen.

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Reto Bollmann (bre), Jahrgang 1991, verstärkt seit Ende 2021 als Redaktor den Newsdesk von 20 Minuten. Eine Vorliebe hat er für politische, wissenschaftliche und geschichtliche Themen.
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