Im Ausland studieren – Nach dem Gymi soll der Weg an Unis im Ausland einfacher werden

Die Matura in der Tasche und voller Elan an eine Universität im Ausland – aber wie komme ich dort hin? Herauszufinden, was es braucht, um an einer Uni weit weg von zu Hause angenommen zu werden oder sein Leben dort alleine aufzugleisen, ist nicht ganz einfach. Diese Erfahrungen haben auch Junge in Basel gemacht und einen Verein gegründet, der eine Brücke bauen will.
Konkret will «Swiss Students Abroad» Informationen einfach und gratis zugänglich machen – mit einem Netzwerk von Schweizer Studierenden im Ausland und mit Universitäten. Bereits online ist eine LinkedIn‑Seite. Geplant sind eine Website und ein Instragram-Account sowie Anlässe in der Schweiz mit Unis von anderswo.
Nach dem Gymnasium betrete man Neuland, erinnert sich Emil Engler, der heute in Schottland an der University of St Andrews studiert. Eine Bewerbung um einen Studienplatz im Ausland sei eine sehr ungewohnte Konkurrenzsituation.
Der Bewerbungsprozess ist extrem intensiv und nicht vergleichbar mit der Schweiz.
Man müsse sich plötzlich durchsetzen, und dies gegen Schülerinnen oder Schüler anderer auch privater Schulen aus verschiedenen Ländern. «Dieser Bewerbungsprozess ist extrem intensiv und nicht vergleichbar mit der Schweiz.»
So muss man teils das Schweizer Notensystem erklären oder benötigt ein Empfehlungsschreiben einer Lehrperson. Auf Erfahrungen anderer zurückgreifen zu können, erleichtere vieles, sagt Engler.
Wertvolle Auslanderfahrung
Im Motivationsschreiben zu einer Bewerbung komme etwa gut an, wenn jemand Musik macht: «Diese ausserakademische Sache hat ein Gewicht bei Bewerbungen, weil es zeigt, dass du eine engagierte Person bist.» Ebenso zu klären sind Visa-Fragen, und Schweizer Männer müssen sich wegen der Militärdienstpflicht korrekt abmelden.
Für Engler lohnt sich das Abenteuer sehr. «Bis jetzt ist es total bereichernd: Ich habe so viele Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern kennengelernt – das ist sehr inspirierend.»
Es gehe darum, als Person andere Perspektiven kennenzulernen und diese letztlich auch nach Hause zu bringen, denn die meisten wollten nach dem Studien-Abstecher für eine Arbeitsstelle zurückkehren. Diese «brain-circulation» wollten sie fördern, sagt Engler – und zwar «kostenlos, unabhängig und für alle zugänglich», wie die LinkedIn-Seite des Vereins unterstreicht.
Vermittlungs-Lücke
Weil nicht sehr viele direkt nach der Matura an Ausland-Unis gingen, könnten die Gymnasien die Vermittlung nicht leisten, sagt Engler. Daher wolle der Verein eine nationale Plattform aufbauen. Viele Unis stellten zwar allerhand Informationen bereit, aber ein direkter Kontakt zu Schweizer Gymnasien fehle.
Sie finde es «wahnsinnig toll», dass Auslandstudierende ihre Erfahrungen an Jüngere weitergeben wollten, um deren Weg zu erleichtern, sagt auf Anfrage Katja Christ. Die Basler GLP-Nationalrätin ist Mitglied der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur und hat die Linkedin-Seite des Vereins mit einem Daumen-Hoch-Symbol gelobt und geteilt.
Auswärts Sprachen und Kultur kennenzulernen, sei wertvoll. «Das hilft, die Schweiz mit ihren Werten nach aussen zu tragen» und auch Erfahrungen von anderen Unis und dem Ausland heimzubringen. «Das ist grundsätzlich etwas, das uns weiterbringen wird.»
Der Verein decke eine echte Lücke ab: Während der Gymnasialzeit fehle die Beratung für den direkten Schritt an eine Uni auswärts – bestehende Studienberatungen seien regional und national ausgerichtet.
«Die Hürde ist immer riesig, wenn man niemanden hat, der die Erfahrung gemacht hat und einem sagen kann, wie wertvoll das ist oder eben nicht.» Solche Infos seien wichtig für persönliche Weichenstellungen, was man wo tun will – nicht zuletzt sei Studieren im Ausland «oft sehr teuer».
25 Studierende und Ehemalige hätten sich inzwischen bei ihnen gemeldet, und sie stünden auch in Kontakt mit der Konferenz Schweizerischer Gymnasialrektorinnen und ‑rektoren. Der erste Event für interessierte Schülerinnen und Schüler soll 2027 stattfinden – dazu brauche «Swiss Students Abroad» auch noch mehr Gönner.
«Das Feedback war generell sehr positiv», freut sich Engler über erste Reaktionen seit der Gründung des Vereins im Sommer. So habe auch die University of St Andrews gelobt, dass der Verein «eine wichtige Lücke schliesst, indem er Studierenden hilft, Informationen und Beratung zum internationalen Studium zu erhalten». Zudem habe ihm eine Auslandstudentin gesagt, genau das hätte sie sich damals auch gewünscht.
Diskutieren Sie mit:
Regionaljournal Basel Baselland, 12.10.2026, 17:30 Uhr ; capm/lanr;gygm;kenc;buec;noes
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.